Ukraine-Krieg 600 Geflüchtete im Kreis müssen umziehen

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In das ehemalige Bürgerheim in Weil der Stadt ziehen im August 73 ukrainische Kinder ein. Foto: Simon Granville

Knapp zwei Drittel der insgesamt 3800 im Landkreis Böblingen aufgenommen Geflüchteten aus der Ukraine sind inzwischen in privatem Wohnraum untergekommen. Rund 900 wurde Wohnraum von Seiten der Städte und Gemeinde zugewiesen, 600 Personen sind noch in den Unterkünften des Landkreises.

Bis Herbst müssen 600 Menschen in Anschlussunterbringungen

Und diese gilt es nun weiter zu verteilen: Denn das Flüchtlingsaufnahmegesetz schreibt vor, dass Menschen aus der Ukraine nur maximal sechs Monate in der sogenannten „Vorläufigen Unterbringung“ (VU) der Landkreise verbleiben dürfen. Anschließend müssen sie in die „Anschlussunterbringung“ (AU) bei Kommunen überstellt sein. Hintergrund ist der Integrationsgedanke – nur, wo man längerfristig ist, ist diese wirklich möglich.

„Unsere Berechnungen haben ergeben, dass wir bis zum Jahresende etwas mehr als 600 Menschen von der VU in die AU verteilen müssen“, hatte Landrat Roland Bernhard jüngst an die Oberbürgermeister und Bürgermeister kommuniziert. Die ersten Ukraine-Flüchtlinge kamen im März in den Landkreis, müssen also ab September in die Anschlussunterbringungen umziehen. „Eine Fristverlängerung ist nicht möglich, weil die Kapazitäten seitens des Landkreises benötigt werden“, erklärt der Landrat.

Ausbau bedeute für manche Kommunen Kraftakt

Die Zuweisung an Städte und Gemeinden erfolgt in Abhängigkeit von ihrer Einwohnerzahl. Teilweise haben Kommunen auch schon mehr Menschen aufgenommen, als sie laut Schlüssel müssten, teilweise liegen sie aber auch noch darunter. Dort muss nun möglichst für Kapazitäten gesorgt werden, um die Anschlussunterbringung zu ermöglichen.

Die Zahlen wurden an die Kommunen kommuniziert, man stehe in einem engen Kontakt, betont der Landrat. „Mir ist klar, dass dieser Ausbau in der AU für die Städte und Gemeinden einen Kraftakt bedeutet“, so Bernhard. „Allerdings führt kein Weg daran vorbei und ich appelliere an die kommunalen Entscheidungsträger, sich dieser schwierigen Aufgabe anzunehmen.“

Ein großer Umzug steht bald auch für die 73 Kinder aus den ukrainischen Kinderheimen an, die rund fünf Monate in der ehemaligen Wildermuth-Kaserne in Böblingen untergebracht waren. Ihre neue Bleibe wird nun das ehemalige Bürgerheim in Weil der Stadt, der Abschied aus Böblingen wird vorher mit einem Sommerfest gefeiert. „Die Kinder aus Kiew, die in Rumänien nicht weiter wussten, hierher zu holen, war aber wohl die schönste Hilfsaktion in all den vergangenen Monaten“, so der Landrat.

Es sei eine wunderbare Gemeinschaftsaktion und, wenn man in die Gesichter der Kinder sehe, eine Aktion, die froh macht, weil sie Mut macht. „Wir brauchen solche schönen Geschichten und Freude, gerade auch in solchen Zeiten. Und deshalb feiern wir auch ein Fest – auch wenn es ein Abschiedsfest ist.“

Noch Spenden frei verfügbar

Auch zu anderen Hilfsaktionen zieht der Landrat ein Fazit: „Wir als Landkreis Böblingen haben diesen irrsinnigen Krieg von Anfang an verurteilt, und der Wunsch zu helfen war und ist riesengroß. Das tun wir als Landkreisverwaltung auf vielfache Weise im Rahmen unserer gesetzlicher Aufgaben, aber auch darüber hinaus.“ Er erinnerte in diesem Zusammenhang beispielsweise an das Spendenkonto, das im März eingerichtet wurde.

Der Landkreis und die Kreissparkasse gaben jeweils 10 000 Euro Startkapital, ein Großspender stellte 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Mit den Spenden wurden Hilfstransporte finanziert, aber auch Angebote im Landkreis, etwa Sprachkurse und Integrationsangebote, Tollwut-Impfungen für mitgereiste Haustiere oder ein elektronisches Übersetzungssystem . Auch in die Unterbringung der ukrainischen Kinder im Bürgerheim flossen die Gelder. Die Kommunen haben jeweils einen Euro pro Einwohner für eigene Projekte erhalten. Noch ist das Spendenkonto aber nicht ausgeschöpft: 299 031 Euro sind aktuell noch frei verfügbar.

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