Turnen bei der WTG Heckengäu Ein Wettkampf ist inzwischen die Ausnahme

Von
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: der Renninger Lovis Spieß am Pauschenpferd. Foto: Andreas Gorr/Archiv

Renningen - Als Mitglied des Bundesliga-Drittligisten WTG Heckengäu genießt der 23-jährige Lovis Spieß das Privileg, immerhin regelmäßig trainieren zu dürfen. Viermal pro Woche von Montag bis Donnerstag feilt der Renninger in dauergelüfteten Hallen derzeit an seinen Übungen im Sechskampf – unter strengen hygienischen Bedingungen. Er und alle anderen Turner müssen bis zur Halle Masken tragen, dürfen die Umkleide nur mit maximal einer anderen Person gleichzeitig nutzen und bekommen zu Beginn des Trainings die Temperatur gemessen. Zudem lässt sich das gesamte WTG-Team zweimal pro Woche freiwillig testen.

Was Lovis Spieß jedoch über alle Maßen vermisst, sind die Wettkämpfe und der direkte Vergleich mit anderen Turnern. Seit Beginn der Coronapandemie vor mehr als einem Jahr fanden gerade mal zwei Bundesliga-Wettkämpfe statt – alles andere wurde abgesagt. Umso mehr freute sich der Sechskämpfer, dass er die Möglichkeit bekam, in Ludwigsburg an einem Qualifikationswettkampf zur Deutschen Meisterschaft teilzunehmen.

Multisportevent Turnen 21 abgesetzt

Die Titelkämpfe waren im Rahmen des Multisportevents Turnen 21 (anstelle des Deutschen Turnfestes) geplant. Doch die für 13. bis 16. Mai angesetzten Wettbewerbe sind auch schon wieder abgesetzt. Die Coronalage und die daraus resultierende Verordnung des Freistaates Sachsen machen eine Durchführung von Turnen 21 aktuell unmöglich. Auch der Versuch, Turnen 21 noch als Modellprojekt anzumelden, konnte nicht umgesetzt werden.

Die direkte DM-Qualifikation hat Lovis Spieß in Ludwigsburg als Vierter in einem Fünfer-Starterfeld verpasst. Mit 68,050 Punkten blieb er unter der geforderten Norm von 74 Punkten, die jedoch keiner der fünf Turner erreichte. Dennoch rechnet er sich gute Chancen aus, einen der 30 begehrten Startplätze für die Deutschen Meisterschaften bekommen zu können.

Hoffnung auf freie Startplätze

„Es dürfte neben den Plätzen für Kaderathleten und denen, die die 74 Punkte geschafft haben, noch einige freie Startplätze geben“, ist er sich sicher. So hatten sich aus dem Fünferfeld in Ludwigsburg ohnehin außer ihm nur zwei weitere Turner überhaupt für die DM angemeldet. „Mit 70 Punkten war man in den vergangenen Jahren eigentlich immer dabei“, gibt sich Lovis Spieß zuversichtlich.

Dass er diese nicht ganz erreicht hat, lag vor allem an seinem Sturz am Reck bei der Tkatschow-Grätsche. „Da hat mir ein bisschen die Sicherheit gefehlt, ich wollte dieses Teil aber unbedingt zeigen“, erläutert der 23-Jährige, der im Übrigen sehr auf Sicherheit geturnt und in seine Übungen keine allzu hohen Schwierigkeiten eingebaut hatte. Ohne den Sturz sei Platz drei möglich gewesen. An die Ausführungen und den Schwierigkeitsgrad der beiden Athleten auf Rang eins und zwei hätte er jedoch nicht herankommen können, räumt Lovis Spieß ein.

Spezialist am Boden und Reck

Der WTG-Turner ist froh, dass er nach so langer Zeit wieder einmal einen Wettkampf bestreiten durfte. „Die Tkatschow-Grätsche wäre natürlich das Sahnehäubchen gewesen“, meint der Boden- und Reck-Spezialist. Wann er die nächste Gelegenheit zu einem Wettkampf hat, steht noch in den Sternen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass das Multisportevent Leipzig 21 in absehbarer Zeit unter besonderen Bedingungen nachgeholt wird“, sagt Lovis Spieß.

Bis dahin kann sich der Lehramtsstudent für Physik und Sport verstärkt auf sein Studium an der Universität Stuttgart konzentrieren. Auch hier schränkt ihn die Coronapandemie in weiten Teilen ein – Vorlesungen werden derzeit nur online angeboten. „Die einzige Ausnahme sind die Sportpraxis-Kurse“, erzählt der 23-Jährige.

Es bleibt für ihn nur abzuwarten und zu hoffen, dass bald wieder mehr Normalität in sein Studenten- und Sportlerleben einkehrt – und Leipzig 21 ihm die Möglichkeit zu weiterer Wettkampfpraxis bietet.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen