Trinkwasserversorgung Ohne Renningen verdurstet Rutesheim

Von Arnold Einholz
Bis das Trinkwasser aus der Leitung fließt, ist der Aufwand groß. Foto: dpa/Patrick Pleul

Wenn sich der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt und die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier und Teile der beiden Stadträte abwechselnd in dem einen oder dem anderen Rathaus treffen, dann geht es um etwas sehr kostbares – bestes Trinkwasser. Dann tagt nämlich der Zweckverband Renninger Wasserversorgung. Der versorgt beide Städte und ihre Teilorte mit Trinkwasser.

Auf der jüngsten Verbandsversammlung, diesmal in Rutesheim, haben der Vorsitzende, der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt, und der kaufmännische Geschäftsführer des Verbands, Marcello Lallo, die Zahlen für 2021 und künftige Vorhaben präsentiert. Der Verband mit einer Bilanzsumme von rund sechs Millionen Euro (im Jahr 2021) liefert aktuell jährlich etwa eine Million Kubikmeter Trinkwasser (Tendenz steigend) an Renningen und rund 500 000 Kubikmeter (Tendenz fallend) an Rutesheim.

Renninger Wasserverbrauch steigt

Aus einem jüngst vom Verband in Auftrag gegebenen Gutachten geht hervor, dass der Verband damit rechnen muss, dass er künftig mit den vorhandenen eigenen Ressourcen nicht zurechtkommen kann, neue Vorkommen erschließen und vorhandene Brunnen ertüchtigen und pflegen muss. Zumal eine Erhöhung der Bezugsquote bei der Bodenseewasserversorgung bis in ferne Zukunft nicht möglich ist und von Nachbarkommunen kaum Hilfe kommen kann.

Laut Gutachter könnte der Retter in der Nachbarschaft sein und zwar Weil der Stadt. Auch das Landratsamt hat eine Kooperation vorgeschlagen. Die wäre ein gemeinsames Wasserwerk „Höll“ auf Gemarkung Weil der Stadt – voraussichtlich eine Zehn-Millionen-Euro-Investition. Doch das ist Zukunftsmusik. Hier sei zwar Wasser vorhanden, aber nicht schnell nutzbar, ohne das Ried trockenzulegen. Darum sucht auch die Keplerstadt nach weiteren Vorkommen.

Hohe Investitionen sind nötig

Zu den Empfehlungen des Gutachters gehört auch, Bestandsanlagen zu ertüchtigen und so wurden der Verbandsversammlung die Ergebnisse der sogenannten Regenerierung der beiden Brunnen „Hinter dem Berg“ (aus 1968 und 36 Meter tief) und „Knappshalde“ (aus 1964 und 17 Meter tief) vorgelegt. Sie wurden mit Kameras befahren, mit speziellen Verfahren wurden Ablagerungen entfernt und über Pumpversuche ihre Kapazitäten ermittelt. Fazit: sie seien zwar alt, aber nicht problematisch. Ihre Fördermenge zu erhöhen sei nicht möglich, auch wenn sie tiefer gebohrt werden. Also heißt die Empfehlung , „sie alle fünf Jahre zu überprüfen.“

„Das meiste verspreche ich mit aktuell von der Bohrung im Schnitzental“, sagt Wolfgang Faißt. Hier hofft der Verband mit einer Bohrung, die am kommenden Dienstag im Gewann „Schnitzental“ bis auf 99 Meter niedergebracht werden soll, auf qualitativ gutes und natürlich viel Wasser.

Insgesamt hat der Verband bis 2025 noch viel vor. Um seinem Zweck gerecht zu werden, sind Investitionen auf den Gemarkungen der beiden Städte in Höhe von rund 7,5 Millionen vorgesehen.

Der lange Weg des Trinkwassers

Verband
 Der Zweckverband Renninger Wasserversorgung wurde 1907 von den Gemeinden Renningen und Malmsheim gegründet – Rutesheim ist 1922 beigetreten. Heute besteht er aus den beiden Mitgliedern „Stadt Renningen“ und „Stadt Rutesheim“. In der Verbandsversammlung hat jedes Mitglied eine Stimme. Vorsitzender ist der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt.

Wasserenthärtung
Bis 2001 hat Rutesheim Wasser mit den Härtegraden 20 bis 21 bezogen, dann ist der Hochbehälter Stockhau um 1000 Kubikmeter auf 2500 Kubikmeter erweitert und direkt an die Bodenseewasserleitung (an die Leitung Strudelbach-Gebersheim am Waldrand von Rutesheim) angeschlossen worden. Das Wasser wurde weicher – 17,5 Grad. Das wurde auch zum Plus für die Zuverlässigkeit der Wasserversorgung von Rutesheim, sollte die Leitung von Renningen zum Stockhau ausfallen.

Neue Anlagen
  Seit 2015 sind die neuen Anlagen im Hochbehälter Mönchsloh in Betrieb. Die Härte des Trinkwassers wurde von 17,5 (Härtebereich „hart“) auf weniger als 8,4 (Härtebereich „weich“) abgesenkt.

Stufe 1
Die Aufbereitung des Eigenwassers erfolgt in zwei Stufen. Bei der Ultrafiltration wird das Wasser aus den Brunnen gereinigt und eventuell vorhandene Trübungen, Bakterien, Viren, Parasiten und Keime zurückgehalten. Die zurückgehaltenen Partikel werden durch Rückspülung mit reinem Wasser ohne Zusatz chemischer Stoffe abgeleitet.

Stufe 2
  Bei der Nanofiltration wird ein Teil des gereinigten Wassers der ersten Stufe enthärtet. Noch feinere Membranen entnehmen ihm Bestandteile wie Kalzium, Magnesium, Nitrat, die in die Kläranlage in Renningen abgeleitet werden und damit 200 000 Kubikmeter Wasser. Danach wird das enthärtete Wasser mit Bodenseewasser und Wasser aus der Stufe 1 so vermischt, dass bei den Verbrauchern Trinkwasser im Härtebereich weich (bis 8,4) ankommt. Im Gegensatz zu vielen hauseignen Anlagen geht das ohne Zugabe von Zusatzstoffen.

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