Trailrunning „Der Geist wäre gerne ins Ziel gekommen“

Von
Die Höhenmeter um den Mont Blanc fordern alles von den Athleten ab. Foto: Raphael Weber

Leonberg - Der Höfinger Extrem-Sportler Janosch Kowalczyk muss sein großes Ziel, die 170 Kilometer und insgesamt 10 000 Höhenmeter rund um den Mont Blanc laufend zu bewältigen, auf das nächste Jahr verschieben. „Bei hundert Kilometern hat mich die Kraft verlassen, es ging nicht mehr viel, ich hatte überall starke Schmerzen, konnte nicht mehr bergab laufen sondern nur noch gehen“, sagt der 29-Jährige. Weitere 42 Kilometer schaffte er noch, teils im Lauf-, teils im Schritttempo. „Dann musste ich aussteigen. Ich bin halt auch nur ein Mensch.“ Bis dahin hatte er bereits 8200 Höhenmeter bewältigt, noch 1800 lagen vor ihm. „Diese hundert Meilen sind eine ganz andere Dimension, man muss auf so viel mehr achten, was die Verpflegung oder auch die Pausen betrifft“, sagt Kowalczyk, für den Distanzen zwischen 50 und 70 Kilometer fast schon zur Kategorie „Kurzstrecke“ zählen.

In Chamonix ist er an seine Grenzen gestoßen. „Der Geist wäre gerne ins Ziel gekommen, doch der Körper wollte nicht mehr“, bedauert Janosch Kowalczyk, der schon im Mai dieses Jahres beim Ultra-Trail Mount Fuji in Japan nach hundert Kilometern aufhören musste. „Deshalb ist die Enttäuschung auch so groß, weil es schon das zweite Rennen in diesem Jahr war, das ich abbrechen musste.“ Für ­Janosch Kowalczyk eine recht neue Er­fahrung, nachdem er im vergangenen November in Südafrika die 100 Kilometer von Kapstadt gewonnen hatte – und alle Favoriten hinter sich ließ. Dabei lief für den Software-Ingenieur zunächst alles nach Plan. In den letzten Monaten hatte er für seinen 100 Meilen-Traum das so­ziale Leben minimiert und sich auf seine Arbeit und die sportliche Vorbereitung konzentriert. Mitte der Woche reiste er nach Chamonix an und wurde dort von seinem Adidas-Terrex-Trailrunning Team bestens betreut – Unterkunft, Physiotherapeut und Koch inklusive.

Der Startschuss für die 2300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fiel in Chamonix am Freitagabend um 18 Uhr. Daher zählten auch die beiden Stirnlampen und zwei Ersatz-Akkus zur Pflicht-Ausrüstung. In seinen zwei Kilogramm schweren Laufrucksack hatte der Höfinger auch Regenjacke und -hose, eine lange Laufhose, Mütze und Handschuhe, Kalorien in Form von Gel, Wasser, eine Rettungsdecke und eine Pfeife gepackt. „Auf 2500 Metern kann es schon mal schneien.“

Auf den ersten 80 Kilometern in die Dunkelheit hinein ging es dem Höfinger richtig gut. „Ich bin zehn Stunden kontrolliert gelaufen, habe mich dem Spitzenfeld der Frauen angeschlossen, die dann später dieses Tempo locker weiter gelaufen sind, während meine Kräfte stark nachgelassen haben.“ Der spätere Sieger Pau Capell aus Spanien, kam nach 20:19,07 Stunden im Ziel an. Schnellste Frau mit 24:34,26 Stunden war die US-Amerikanerin Courtney Dauwalter. „Die Läufer im hinteren Feld mussten in die zweite Nacht hineinlaufen“, erzählt der Höfinger, der trotz seines Ausstiegs die Atmosphäre in Chamonix am Fuße des 4810 Meter hohen Mont Blanc richtig genießen konnte. „Das ist einfach nur krass, wenn sich so viele Extrem-Sportler treffen.“

Janosch Kowalczyk wird sich in den kommenden Wochen erst einmal von den Strapazen erholen und seine Wunden ­lecken. „Kein ernsthafter Sport, vielleicht bisschen radeln, um die Beine zu durchbluten – und vor allen Dingen muss ich meinen Kopf ablenken.“

Wenn er in diesem Jahr noch Wettkämpfe bestreitet, dann kleinere. Weiter geht es mit den ultralangen Distanzen im nächsten Jahr. Im Januar 2020 stehen bereits die 100 Kilometer in Hongkong in seinem Kalender, im Mai die 73 Kilometer auf La Palma. Und später im Jahr wieder die 100 Meilen rund um den Mont Blanc.

Artikel bewerten
3
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen