Tödliche Unfälle auf der Bundesstraße Haltebuchten Blitzer sollen B464 sicherer machen

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25 000 Fahrzeuge fahren auf der B464. Jetzt gilt dort Tempo 90. Foto: factum/Andreas Weise

Böblingen - Wer regelmäßig auf der Bundesstraße 464 zwischen Renningen und Darmsheim unterwegs ist, dem ist es schon aufgefallen: Dort gilt mittlerweile Tempo 90. Vor zwei Wochen hat das Landratsamt diese Schilder aufstellen lassen. Die Reduzierung der Geschwindigkeit ist Teil eines Maßnahmenbündels, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Das hat jetzt ein Sprecher des Landratsamts bestätigt. Zusätzlich sollen mehr Blitzer, mehr Haltebuchten und mehr Linien die Bundesstraße sicherer machen. Der vierspurige Ausbau wird dafür aber erst einmal nicht angestrebt.

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard hat sich dafür mit hochrangigen Vertretern des Regierungspräsidiums und der Polizei getroffen und die Maßnahmen beschlossen. Anlass dafür waren mehrere gefährliche Unfälle. Allein in diesem Winter sind dort fünf Menschen gestorben – jedes Mal war ein Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten. „Die Unfälle haben mich sehr betroffen gemacht“, sagt Bernhard. „Wir haben uns mit allen zuständigen Stellen rasch zusammengesetzt und gemeinsame Lösungen für eine optimierte Verkehrssicherheit gefunden.“

Doppellinie markiert Überholverbot

Dazu gehören neben der Geschwindigkeitsreduzierung doppelt durchgezogene Linien, die das Überholverbot markieren. Die Doppellinie wird zudem profiliert ausgeführt, sodass Fahrer akustisch gewarnt werden, wenn sie die Linie überfahren. Zusätzlich bekommt die B 464 mehrere Nothalte-Buchten. Dort können nach einem Unfall havarierte Fahrzeuge sicher neben der Straße abgestellt werden, sodass der Stau bei Unfällen reduziert wird. Schon bald werden die Änderungen sichtbar. In zwei Abschnitten wird die B464 saniert, den ersten Abschnitt von Darmsheim bis zur Einmündung der Kreisstraße von Döffingen nach Maichingen ist im Mai geplant. „Wir freuen uns, dass wir innerhalb kurzer Zeit gemeinsam ein ganzes Bündel am Maßnahmen auf den Weg bringen konnten, die zur Entschärfung dieses unfallträchtigen Streckenabschnitts beitragen sollen“, sagt Burkhard Metzger, der für den Kreis Böblingen zuständige Ludwigsburger Polizeipräsident. Er kündigt an, dass seine Beamten den gefährlichen Straßenabschnitt der B 464 besonders im Blick haben: „Unser Augenmerk werden wir vor allem auf die Ablenkung durch Benutzung von Mobiltelefonen richten.“

25 000 Fahrzeuge sind jeden Tag auf der Bundesstraße unterwegs. Nach Meinung von Landrat Roland Bernhard reicht die Kapazität der schmalen, zweispurigen Straße dafür bei weitem nicht. Vor Weihnachten hatte Bernhard deshalb einen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschrieben und langfristig den vierspurigen Ausbau gefordert. „Wir müssen da dicke Bretter bohren und uns auf die Hinterbeine stellen“, kündigte Bernhard im Januar an.

Verkehrsminister in Bund und Land streiten sich

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), dessen Regierungspräsidium die Planung einer Erweiterung der Bundesstraße einleiten müsste, hatte den Ausbau der Straße abgelehnt. „Ich will keine Ersatzautobahn“, sagte Hermann im Interview mit unserer Zeitung. „Aus Erfahrung weiß man, dass Straßen auch Verkehr anziehen.“

Bei dem jetzigen Spitzengespräch war der vierspurige Ausbau kein Thema. Das RP strebt ihn auch künftig nicht an. „Wir sind sicher, dass die Verkehrssicherheit jetzt dauerhaft gesichert ist“, sagt Jürgen Holzwarth, der Leiter der Straßenplanung beim Regierungspräsidium. Die jetzt eingeleiteten verkehrstechnischen und straßenbaulichen Maßnahmen wirken nämlich kurzfristig, ist er überzeugt.

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