Tipps gegen Wespen Was tun gegen Wespen im Sommer?

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Stuttgart - Kaum steht der Bierkrug oder das Stück Zwetschgenkuchen auf dem Tisch, summt es schon. Wespen stören in den heißen Monaten gerne einmal den wohlverdienten Feierabend oder den Kaffeeklatsch am Nachmittag. Nicht selten resultiert aus einer unbedachten Abwehrbewegung auch ein schmerzhafter Stich, der sich ins Gedächtnis brennt. Doch was verhindert die unliebsame Begegnung mit den ungebetenen Gästen?

Müssen wir in diesem Sommer mit vielen Wespen rechnen?

„Ich gehe davon aus, dass es in Baden-Württemberg ein sehr starkes Wespenjahr wird“, sagt Volker Mauss, Biologe am Zentrum für Wespenkunde in Michelfeld (Kreis Schwäbisch Hall). Das hänge nicht nur mit dem konstant warmen Frühjahr und Sommer zusammen, auch wenn die Wespen davon profitieren. „Es gibt auch Faktoren innerhalb der Population“, erklärt der Experte. So werden vermutlich nächstes Jahr weniger Wespen unterwegs sein. Das hänge unter anderem davon ab, wie gut die Königinnen versorgt werden können. Auch der Konkurrenz-Gedanke spiele eine Rolle: „Wenn es viele Königinnen gibt, schädigen oder töten sie sich auch gegenseitig.“ Wie viele Wespen unterwegs sind, schwanke jährlich. Dennoch sei die Population in den vergangenen Jahren in den Städten konstant geblieben, auf dem Land werden es jedoch weniger. „Sie finden dort weniger Beute“, sagt Mauss.

Sind alle Wespen gleich?

Am Tisch begegnen uns Kurzkopfwespen, genauer gesagt die Deutsche und die Gemeine Wespe, erklärt Mauss. Die Arbeiterinnen sind auf der Suche nach Nahrung für ihre Larven und leben nur ein paar Tage. „Die ersten schlüpfen Mitte Mai, Mitte August ist die maximale Volksstärke erreicht“, sagt er. Am Futterplatz seien diese Wespen grundsätzlich angriffsmotiviert. „Anders als andere Arten fliehen sie nicht, sondern reagieren leichter mit einem Angriff und stechen.“ Diese zwei von acht Arten haben den Wespen insgesamt einen schlechten Ruf eingebrockt, berichtet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Leidtragende sind die Hornissen und Langkopfwespen, deren Nester oft vorsorglich ausgeräuchert werden“, heißt es in einer Informationsbroschüre.

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Was zieht Wespen an?

„Duft spielt eine große Rolle“, sagt Volker Mauss. Ihren Futterplatz finden die Wespen nämlich aufgrund der Optik und den Gerüchen, erklärt der Experte. So erinnere sie beispielsweise ein Bier aufgrund der Gärung auch an vergorene Früchte – und die Insekten suchen die Nähe. Der Nabu zählt weiter auf: Auch Schweiß könne die Tiere anlocken, ebenso wie Parfums, Cremes oder Holzmöbelpolitur. Außerdem würden Wespen optisch von bunter Kleidung angezogen werden. Da die Wespen nur kurz leben und individuell auf Jagd gehen, suchen sie gerne Plätze auf, an denen sie bereits erfolgreich waren, sagt Mauss. Und es komme oft zur „lokalen Verstärkung“: Wo andere Wespen sind, gesellen sich gerne weitere dazu.

Was kann ich gegen Wespen tun?

Volker Mauss rät, Essen und Getränke immer abzudecken. Das sei die effektivste Art, Wespen fernzuhalten. Helfen könne es auch, die erste Wespe zu fangen – um keine weiteren anzulocken. Der Nabu Deutschland empfiehlt eine Ablenkfütterung, zum Beispiel mit überreifen Trauben. „Unverdünnte Marmelade oder Honig wirken als Ablenkung weniger gut, sie machen die Tiere aggressiv“, warnt der Naturschutzbund. Mauss sieht die Ablenkung skeptisch – eine Studie dazu gebe es noch nicht. Schokolade mögen die Quälgeister übrigens nicht, dafür aber rohes Fleisch, verrät Mauss. Auch von Wespenfallen rät der Nabu ab: Die Wespen würden in der Flüssigkeit qualvoll sterben. Wer sich einem Nest nähert sollte laut Mauss lieber helle Kleidung tragen – dunkle würden die Wespen besser erkennen. An einem Sitzplatz könne man sich am besten mit einem Insektennetz schützen.

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Was sollte ich unbedingt vermeiden?

Heftige Bewegungen führen nicht zum Ziel – „besser ist es, möglichst ruhig zu bleiben“, sagt Mauss. Auch das Wegpusten bringe nichts: „Der CO2-Gehalt im Atem könnte auch Angriff auslösen.“ Das Kohlendioxid gelte im Wespennest als Alarmsignal, da die Nesträuber meist Wirbeltiere sind. Abschütteln könne man auch versuchen und „wer zuschlägt, sollte auch treffen. Sonst macht man die Wespe wild“, warnt Mauss. Generell sei es nicht gut, wenn Wespen sich auf Lebensmitteln niederlassen: „Das ist hygienisch nicht optimal. Sie waren vorher oftmals an anderen Stellen, zum Beispiel auf dem Kompost oder auf Kot“, erklärt Mauss.

Welche Mythen sind wahr?

Viele Tipps gegen Wespen seien nicht belegt, sagt Volker Mauss. So beispielsweise auch das Gerücht, Rauch könne helfen. „Es gibt auch Menschen, die ein Stück Metall auf den Tisch legen, um sie fern zu halten“, erzählt er. Was jedoch stimmt, ist, dass eine halbierte Zwiebel nach einem Stich helfen kann. „Durch die ätherischen Öle und Verdunstungskälte wird der Schmerz und die Schwellung gelindert“, schreibt der Nabu.

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Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Umgehend einen Arzt aufsuchen sollten Menschen, die im Hals- oder Rachenraum gestochen wurden. Als erste Maßnahmen ist es ratsam, Eiswürfel zu lutschen oder kalte Umschläge um den Hals zu wickeln, denn die Atemwege können zu schwellen. Sollte sich die Einstichstelle ausbreiten, rot oder warm werden, könnten Bakterien in die Wunde gelangt sein. „In dem Moment, wo sich die Rötung ausbreitet – etwa vom Bein aus Richtung Körpermitte – ist das ein Zeichen“, sagt Peter von den Driesch, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Dermatologie, Phlebologie und Allergologie im Klinikum Stuttgart.

Was sind die Zeichen für eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich?

Etwa drei Prozent der Deutschen reagieren allergisch auf das Insektengift. Solche Allergien scheinen zuzunehmen, sagt Driesch. „Bienen und Wespen verursachen deshalb unter den Tieren die meisten Todesfälle.“ Sobald nach einem Stich neben einer Schwellung andere körperliche Symptome auftreten, sei das ein Zeichen für eine allergische Reaktion. Typisch seien etwa Atembeschwerden, Schwindel oder Übelkeit, Rötungen und Jucken an Handflächen, Fußsohlen, im Mund- oder Rachenraum, Hitzewallungen, Herzrasen oder auch plötzliches Laufen der Nase und Heiserkeit. Bei Verdacht müsse man umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen. Wer solch eine Allergie hat, bekommt ein Notfall-Set mit Antihistaminika verschrieben. „Auch Nicht-Allergiker sollten Stiche von Wespen oder Bienen aber meiden, weil man durch jeden Stich sensibilisiert werden kann“, sagt Peter von den Driesch.

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