Tennis in Rutesheim Verein spielt gegen den Trend

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Ausbau und Umgestaltung seiner Hallen sowie die Sanierung des Klubhauses weit über eine Million Euro investiert. Foto: Jürgen Bach

Rutesheim - Tennisclubs sind Orte, wo sich ältere Herrschaften in gepflegter Runde zu einem Schwatz treffen und gelegentlich einen Ball übers Netz schlagen – so ein verbreitetes Klischee. Das ist zwar in so manchem Verein in der Region auch der Fall, aber nicht beim Tennisclub Rutesheim (TCR). Der entwickelt sich sogar gegen den Trend und verzeichnet seit Jahren einen moderaten, aber dafür permanenten Anstieg der aktiven Mitgliederzahlen. Der 1975 gegründete Verein hat aktuell 437 Mitglieder, davon 220 Kinder und Jugendliche und verfügt auf seinem Gelände über neun Freiplätze und nun drei Hallenplätze.

„Diese erfreuliche Entwicklung und vor allem die guten Zahlen, was die jungen Mitglieder betrifft sowie der Wille, den Verein gut für die Zukunft aufzustellen, hat uns dazu veranlasst, viel Geld in die Hand zu nehmen und in die Halle und das Klubheim zu investieren“, sagt der TCR-Vorsitzende Frank Philippin. Deshalb hat der Verein die seit 35 Jahren bestehende Zwei-Feld-Halle grundlegend saniert und um ein drittes Spielfeld erweitert. Alles ist jetzt in trocknen Tüchern, die Baustelle fast abgeschlossen und die Mitglieder nutzen nun das neue Angebot auch richtig intensiv.

In Beleuchtung und Dach wurde nachhaltig investiert

„Nachhaltigkeit ist bei dem Vorhaben ein wichtiges Element gewesen“, sagt Steffen Schulik-Feddersen, einer der stellvertretenden Vorsitzenden aus dem erweiterten Vorstand und Sprecher des TCR-Bauteams. An der alten Halle wurden das Dach und die Wände erneuert. „Eine gute Überraschung war, dass die Dämmung sich selbst nach 35 Jahren als topp erwiesen hat und so Geld und Aufwand gespart wurde“, schildert Steffen Schulik-Feddersen im Rückblick.

Auch energetisch wurde vieles auf Vordermann gebracht. Die Beleuchtung wurde auf LED umgestellt. „Noch wichtiger war, die energiefressenden Gasumluftheizung durch Gasdunkelstrahler zu ersetzen – das ist derzeit die effizienteste Hallenheizung“, erklärt der Sprecher des Bauteams. Mit der könne mit wenig Verbrauch die von Trainer Manne Long geforderten 16 bis 17 Grand Celsius erreicht werden. Long ist auch, ein TCR-Unikum, Mitglied im Vorstand. Er ist schon seit 1995 beim TCR – mit einer Unterbrechung, als er einige Zeit in Schweden tätig war. Der dritte Hallenplatz wird nun dazu führen, dass der Verein einen weiteren hauptamtlichen Trainer einstellen wird.

73 Prozent Hallenauslastung

„Ein Glück für uns ist es gewesen, dass wir den Architekten der alten Halle für den Anbau der neuen begeistern konnten“, sagt Vereinsstellvertreter Stefan Eiss. „Er ist zwar im Ruhestand, aber er hat uns mit großer Leidenschaft begleitet und beraten“, sagt Steffen Schulik-Feddersen. Zumal man den recht eigenwilligen Stil der bestehende Halle, die nicht wir eine sonst übliche Fabrikhalle daherkommt, auch beim Anbau beibehalten wollte. Beim Dach sind Statik und Abdichtung zu beachten. Auch die natürliche Beleuchtung ist so ausgeklüngelt, dass man selbst in den Wintermonaten bis gegen 16 Uhr Tageslicht nutzen kann, bevor die elektronische Lichtsteuerung aktiv wird.

Bei der Hallennutzung verzeichnet der Verein seit vielen Jahren um die 73 Prozent. „In den Spitzenzeiten von 13 bis 22 Uhr ist alles belegt“, weiß der Sportwart Kai Koske. Am 16. Januar werden auch die ersten Hallenspiele der zwölf Erwachsenen-Mannschaften des Vereins stattfinden. „Die haben sich mit den Jahren weiter entwickelt und sind sehr engagiert, was auch ein Grund für die dritte Halle gewesen ist“, sagt Koske.

100 000 Euro Zuschuss vom Landessportbund

Gewechselt hat der TCR auch den Belag der Drei-Feld-Halle von Teppichboden in Hardcourt. Das Vorbild haben sich Vereinsvertreter in Münster angesehen. „Er hat den Vorteil, dass die Ballgeschwindigkeit vom Hersteller eingestellt werden kann“, sagt Vorstand Frank Philippin. „Er ist nicht so schnell“, ergänzt Sportwart Kai Koske. Insgesamt hat der Verein 1,35 Millionen Euro in die Halle und das Klubheim investiert. Letzteres wurde saniert und die Gastronomie behindertengerecht ausgebaut. Mit 420 000 Euro Kosten wurde der Umbau um 120 000 Euro teurer als ursprünglich geplant. 100 000 Euro Zuschuss bekommt der Verein vom Württembergischen Landessportbund. Rund 920 000 Euro hat der Verein als Kredit aufgenommen.

Auch die Stadt schießt eine stattliche Summe zu

„Gemeinderat und Verwaltung haben für den Neubau des dritten Hallenplatzes und für die Sanierung der Zwei-Feld-Tennishalle aus 1985 und des Vereinsheims einen Zuschuss von 463 000 Euro gegeben“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt, Martin Killinger. „Das ist ein namhafter Betrag, der aber an einen aktiven, prosperierenden und gut geführten Verein geht, mit mehr als 200 Mitgliedern unter 18 Jahren und einer nachhaltig guten Jugendarbeit.“ Das Geld sei deshalb gut angelegt. Respekt gelte allen am Bau Beteiligten, die sich in schwieriger Zeit an das Vorhaben gewagt hätten, lobt Killinger.

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