Tennis Er spielt und spielt und spielt. . .

Von
Fast 90 und noch kein bisschen tennismüde: Hans Löschmann. Foto: Andreas Gorr

Weissach - Er ist 20-facher württembergischer Meister, mehrfacher deutscher Titelträger und hat auch schon zahlreiche Europameisterschaften für sich entschieden. Jetzt blickt er zurück auf grandiose Erfolge und seine lange, außergewöhnliche Tennis-Karriere. Und die ist noch nicht vorbei.

Hans Löschmann wird in diesem Jahr 90 und steht immer noch auf dem Platz. Beim TC Weissach-Flacht ist er mit Abstand der älteste Spieler, der bei den Herren 70 in der Verbandsliga die Bälle übers Netz schlägt. Aber das Alter spielt bei Hans Löschmann keine Rolle. „Ich spiele Tennis, solange es mein Körper zulässt“, meint der Tennisbegeisterte. „Es macht ja schließlich keinen Spaß, die Nummer Eins im Altersheim zu sein.“

Als Balljunge ganz nah bei den Stars

Mit acht Jahren wusste Hans Löschmann bereits, dass er einmal so gut spielen möchte wie die Profis. Als Balljunge bekam er viele ehemalige Tennis-Stars wie Gottfried von Cramm zu Gesicht. Auch bei den US-Open und in Wimbledon hat er sich viel von Tennis-Legenden wie Björn Borg, Jimmy Connors und Boris Becker abschauen können. Doch es wurde ihm nicht leicht gemacht, seinen Lieblingssport selbst spielen zu können. „Tennis war teuer“, erzählt Löschmann. „Wenn man nicht viel Geld hatte, konnte man sich das Privileg nicht leisten, im Tennisclub zu spielen.“ Als Sohn einer Arbeiterfamilie und späterer Kriegsgefangener im polnischen Danzig war es für ihn unvorstellbar, den damals der Oberschicht vorbehaltenen weißen Sport im Verein auszuüben. Deswegen brachte er sich das Tennisspielen selbst bei. „Ich habe mein Wissen aus Büchern und mein Können von der Straße“, erinnert sich Hans Löschmann. „Wir haben uns einfach aus Brettern Schläger gebaut und damit jeden Tag draußen auf der Straße gespielt. Jetzt stehe ich hier mit Titeln und Erfolgen, weil ich nie aufgehört habe, dazulernen zu wollen.“

Sein Talent und sein Ehrgeiz brachten den Senior immer weiter an die Spitze. In der Sonderklasse, der damals höchsten Liga in Baden-Württemberg, gewann er einen Titel nach dem anderen. Aber das war dem ambitionierten Tennisspieler noch nicht genug. „Ich habe die ganze Welt bereist und auf internationalen Turnieren gespielt: Chile, Brasilien, Südafrika und Neuseeland. Das waren alles Erfahrungen, die ich nie vergessen werde“, erzählt Hans Löschmann.

Vor dem ersten Punktspiel gibt’s den Ehrenbrief

Nach all den erfolgreichen Jahren hatte der bald 90-jährige mit den Herren 70 unter der Woche sein erstes Heimspiel gegen die Sportkultur Stuttgart. Gespannt wartete er mit seinen Teamkollegen auf die Gegner. Doch zuvor betrat Manfred Kiefer, der Vorsitzende des Bezirks Stuttgart-Böblingen-Calw den Platz. Er kam, um Hans Löschmann für seine langjährigen Erfolge und seinen außergewöhnlichen Lebenslauf als Tennisspieler zu ehren. „Solche Geschichten sind es, die mich dazu bewegen, hierher zu kommen, Hans Löschmann zu danken und ihm großen Respekt zu verzollen“, sagte Manfred Kiefer und übergab dem stolzen Tennis-Crack einen Ehrenbrief des Württembergischen Tennisbunds. Statt der Sektflasche bekam er noch eine Tasche mit Tennisbällen in die Hand gedrückt – für die kommenden Matches. „Was sich mit bald 90 Jahren geändert hat? Überhaupt nichts“, lacht Hans Löschmann. „Im Kopf bin ich immer noch der gleiche Junge von früher, der nie auslernen möchte.“

Artikel bewerten
1
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Aktivitäten Enz-Murr

Tabelle Landesliga Württemberg 1