Tennis Der Turnierveranstalter steht unter Strom

Von Andreas Klingbeil
Der Turnierchef Peter Rohsmann ist überall und immer ansprechbar – nur an den Plätzen, da ist er Zaungast. Foto: Andreas Gorr

Renningen - Die große Siegerehrung am Samstag ist noch im Trockenen über die Bühne gegangen. Es blieb auch noch etwas Zeit für einen gemeinsamen gemütlichen Ausklang. Erst dann kam der Regen. Das Wetter spielte bei dem Mammut-Turnier diesmal voll mit. Die Zuschauerzahlen waren entsprechend gut. Kein Wunder, dass Peter Rohsmann zum Turnierende drei Kreuze gemacht hat.

Herr Rohsmann, acht Tage Tennis non stop: Haben Sie jetzt erst einmal genug davon?
Peter Rohsmann: Genug? Also das ist jetzt irgendwie der falsche Ausdruck. Wenn man ein ganzes Jahr auf solch ein Turnier hinarbeitet und anschließend sagen würde: Ich habe jetzt die Nase voll, wäre das wohl ein schlechtes Zeichen.
 
Wie fällt denn das sportliche Fazit aus?
Unter dem Strich war das wirklich sehr gut.
 
Steigert sich das mit den Jahren oder ist ein Niveau erreicht, das nicht mehr zu verbessern ist?
Wir haben uns in den letzten Jahren kontinuierlich ein bestimmtes Level erarbeitet. Da ist es schwer zu sagen, das wird noch einmal besser oder es wird jetzt schlechter. Das richtet sich aber auch danach, wie die Spieler ihre Turnierplanung gestalten. Wenn im nächsten Jahr durch Zufall drei oder vier Spieler mehr aus den Top Ten dabei sind, ist die Spitze sicherlich besser. Aber das muss ja nicht gleichzeitig heißen, dass der Durchschnitt dann auch besser ist.
 
Und wie sieht es mit dem organisatorischen Fazit aus?
Da lässt sich an der einen oder anderen Schraube noch etwas drehen. Das sind aber keine grundsätzlichen, sondern kleine Dinge, die immer wieder im Laufe des Turnierbetriebs auftreten. Einige davon kann man nicht verbessern, die sind auch nicht planbar. Diejenigen, die Verbesserungspotenzial haben, werden wir sowieso von uns aus in Angriff nehmen.
 
Was sind das für kleine Dinge, um ein Beispiel zu nennen?
Wir hatten das erste Mal dieses Live-Streaming im Einsatz. Das ist noch nicht so professionell aufgezogen worden, wie wir uns das vorstellen. Das war jetzt ein Test. Wir haben erst einmal versucht, das Ganze mit Hausmitteln zum Laufen zu bringen. Die Übertragungsqualität ist gut, die Tonqualität lässt sich noch verbessern. Schauen müssen wir auch, was die personelle Besetzung angeht, wie das geplant wird und wer das überhaupt macht. Wer weiß, ob Tennis Europe im nächsten Jahr damit kommt und das für seine Turniere der Einser-Kategorie als Standard vorschreibt. Dann haben wir die Kinderkrankheiten schon einmal kennen gelernt, können diese ausmerzen und sind einen Schritt weiter in der Richtung.
 
Wurde das angenommen? Haben Sie Zugriffszahlen?
Ich habe mir, muss ich ehrlich zugestehen, von den Videos, die in der letzten Woche gedreht worden sind und von den Live-Streams noch keine Zahlen angeschaut. Die Videos hatten wir im letzten Jahr schon. Da war die Resonanz sehr gut. Die wurden intensiv angeschaut.
 
Stillstand ist Rückschritt – geht überhaupt noch mehr?
Gute Frage. Irgendetwas geht immer. Wir werden uns zusammensetzen und den sportlichen Bereich genauso unter die Lupe nehmen wie den Medienbereich, also die Außendarstellung. In diesen beiden Kreisen werden wir durchdiskutieren, ob etwas Neues in Angriff genommen werden kann. Oder ob etwas dabei ist, wo wir sagen: Das ist jetzt überholt. Das sind die Dinge, die im Turniernachgang erörtert werden. Jetzt sind die Leute alle im Urlaub. In den nächsten zwei, drei Wochen wird sich da nichts tun. Da haben wir dann auch ausreichend Distanz. Und dann nehmen wir praktisch das nächste Turnier in Angriff.
 
Wie viele Ehrenamtliche sind im Einsatz? Lässt sich das so aufrecht erhalten?
Das hat sich in den letzten Jahren so auf 120 bis 150 Leute eingependelt, die die ganze Woche über im Einsatz sind. Ohne den festen Kern, der da rund um die Uhr vor Ort ist, geht es nicht. Ich werde jetzt nicht hingehen können – schon alleine aus finanziellen Gründen nicht – und da noch irgendwo professionelles Personal einsetzen. Dann müssten wir noch einmal zehn Sponsoren mehr haben, die einen entsprechenden Beitrag leisten.
 
Der DTB hat beschlossen, nicht mehr so viele Ranglistenpunkte in der Qualifikation zu vergeben. Weil deutlich weniger Qualifikanten am Start waren, fehlen Ihnen Einnahmen, wie zum Beispiel Startgelder und Catering-Umsatz. Ist das Turnier deswegen möglicherweise in Gefahr?
In Gefahr sehe ich es nicht. In der Vergangenheit sind schon ganz andere Situationen da gewesen. Beispielsweise, wenn der Hauptsponsor weggefallen ist. Wir haben bis jetzt eigentlich immer einen Weg gefunden, wie wir da herauskommen. Nur in diesem Fall ist das ja nicht etwas, das wir als gottgegeben hinnehmen müssen. Da kann im Nachgang dafür gesorgt werden, dass sich solch’ eine Situation nicht wiederholt. Zu sagen, das Turnier kann deswegen nicht weitergeführt werden, wäre sicherlich überspitzt. Wir werden das in aller Ruhe auch mit den anderen Turnierveranstaltern ausdiskutieren. Da müssen wir uns natürlich einig sein gegenüber dem deutschen Tennis-Bund. Und dann gehe ich fest davon aus, dass wir eine Lösung für das nächste Jahr finden werden, bei der diese Benachteiligung wegfällt.
 
Sie freuen sich also schon auf die 20. Auflage im nächsten Jahr?
Kann man schon sagen. Wobei das mit der Vorfreude jetzt sicherlich noch nicht so ausgedrückt werden kann. Sie haben mich ja ganz am Anfang darauf angesprochen, ob ich froh bin, dass die Woche jetzt rum ist. Froh ist vielleicht ein falscher Ausdruck. Als Turnierveranstalter steht man zu Anfang der Woche und am Ende immer unter Strom, weil man nicht weiß wie das Wetter wird, ob man die Spiele durchkriegt oder ob es irgendwo Probleme gibt. Insofern ist nach einer Woche die Anspannung weg, wenn man es glücklich zu Ende gebracht hat. Dann hat man eigentlich auch noch keinen Kopf dafür sich Gedanken zu machen, wie das nächste Turnier aussieht. Aber Vorfreude ist schon da. Wir haben schließlich mit dem 20. Turnier ein kleines Jubiläum zu feiern. Darüber sind wir uns auch einig, dass wir uns da irgendetwas einfallen lassen müssen.
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