Teilhabebeirat Er will Integration sichtbar machen

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„Wenn Menschen nicht persönlich betroffen sind, dann denken sie nicht über das Leben mit Behinderung nach“, sagt Utz Mörbe, der in Weil der Stadt lebt. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt/Böblingen - Utz Mörbe ist ein ausgesprochen aktiver Mensch. Er spielt Fußball, ist eingeschworener Fan der Stuttgarter Kickers und engagiert sich politisch. Und er ist ein Mensch mit Behinderung. Im Ehrenamt ist er Vorsitzender des Teilhabebeirats für Menschen mit Behinderung im Landkreis Böblingen.

„Menschen mit Behinderung werden von der Gesellschaft oft vergessen.“ Utz Mörbe, kurze dunkle Haare, gepflegter Vollbart, sitzt in Jeans und blauem Hemd entspannt auf seinem Stuhl. „Sie brauchen ein Sprachrohr und jemanden, der ihre Anliegen in die Gesellschaft trägt.“

Auch mit geistiger Behinderung ist der 35-Jährige ein selbstbewusster Redner, der sich klar und präzise ausdrückt. Die zweite Amtszeit gibt ihm Gelegenheit, sein Engagement im Beirat fortzuführen.

Dinge auf Kreiseben anstoßen

Utz Mörbe lebt in Weil der Stadt und arbeitet bei Atrio in der Leonberger Werkstatt. Hier hat er als Werkstattrat schon Erfahrung in der Gremienarbeit sammeln können. Im Teilhabebeirat des Landkreises kann er, unterstützt von seinen neun Mit-Beiräten, die Dinge auf Kreisebene anstoßen.

„Wenn Menschen nicht persönlich betroffen sind, dann denken sie nicht über das Leben mit Behinderung nach“, weiß der Vorsitzende. Deshalb setzt der Teilhabebeirat selbst die entsprechenden Impulse und hat auch schon einiges bewegt, angefangen damit, dass er beim Sozialausschuss einen hauptamtlichen Beauftragten für Menschen mit Behinderung durchgesetzt hat. Bei etlichen städtischen Baumaßnahmen wie dem Klinikneubau auf dem Flugfeld ist der Beirat eingebunden und mahnt beispielsweise flächendeckende Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden an.

Barrierefrei-Wegweiser zum Mitmachen

„Menschen mit Behinderung haben meist kein Auto und sind komplett auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Deshalb muss hier mehr für die Barrierefreiheit und für bessere Anbindungen getan werden“, findet der Vorsitzende.

„Wir haben auch die Kampagne ‚Wheelmap.org‘ für den Landkreis Böblingen angestoßen und begleitet“, ein großes Projekt, an dem 850 Schüler, 90 Senioren und 60 Rollstuhlfahrer ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Jetzt gibt es den Mitmach-Barrierefrei-Wegweiser, eine internetgestützte Karte, auf der genau verzeichnet ist, wo im Landkreis barrierefreie Haltestellen sind oder wo die nächstgelegene rollstuhlgerechte Toilette ist.

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