Tag des offenen Denkmals im Altkreis Eintauchen in die Vergangenheit

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Beim Tag des offenen Denkmals können viele Stationen in Weil der Stadt, darunter der Storchenturm, besichtigt werden. Foto: Simon Granville

Altkreis - Museen und Denkmäler durchstöbern, Kunst und Musik vor historischer Kulisse genießen und Altes ganz neu entdecken: Das ist der Kern des Tages des offenen Denkmals, der jährlich im September begangen wird und an dem sich über ganz Deutschland verteilt zahlreiche Veranstalter beteiligen. Das Motto 2021 lautet: „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. Auch im Altkreis ist am Sonntag, 12. September, einiges los. Eine Auswahl:

Tunnel in Leonberg Das diesjährige Motto zum Tag des offenen Denkmals ist für die Leonberger KZ-Gedenkstätteninitiative Anlass, am Sonntag, 12. September, von 11 bis 17 Uhr in die Dokumentationsstelle im alten Engelbergtunnel einzuladen. Hier gibt es um 14 Uhr ein Referat mit Bildern und Dokumenten über die wechselvolle Geschichte des alten Engelbergtunnels.

„Bauwerke können Geschichten erzählen, wenn die Spuren ihrer Geschichte zu erkennen sind: Das kann auch der alte Engelbergtunnel“, sagt Holger Korsten, Mitglied der Gedenkstätteninitiative. Um die einstigen beiden gut über 300 Meter langen Röhren durch den Engelberg ranken sich Legenden, Illusionen, Bilder und Geschichten. „Ist es wirklich so, wie es scheint? Wir fragen uns, was ist wahr daran?“, sagt Korsten.

Dabei geht es um nüchterne Fragen zur Verkehrsinfrastruktur und die Darstellung von Planung und Bau des ersten Autobahntunnels, der seit seiner Inbetriebnahme 1938 Teil der Leonberger Geschichte und Gegenwart ist. Und außerdem darum, warum ein Tunnel im Krieg zu einer Fabrik wurde, für die die Schutzstaffel eigens ein Konzentrationslager an der Seestraße einrichtete und in der mehr als 5000 KZ-Häftlinge arbeiten mussten.

Warum sprengten die nationalsozialistischen Erbauer des Tunnels ihr Werk? Wie schnell konnte eine Tunnelröhre wieder in Betrieb genommen werden? Wann und warum begann die Planung für den neuen Engelberg-Basistunnel? Und wieso muss er dauernd repariert werden? Das alles sind Fragen, die an dem Tag des offenen Denkmals beantwortet werden sollen. Die Frage ist aber auch, welche Rolle der alte Engelbergtunnel bei der Planung und dem Bau der Reichsautobahn spielte. Warum die nationalsozialistischen Erbauer ihn für notwendig hielten. War er ein notwendiges Verkehrsbauwerk oder auch ein Mittel zur Propaganda?

Die KZ-Gedenkstätteninitiative öffnet das Dokumentationszentrum im Tunnel von 11 bis 17 Uhr. Die Power-Point-Präsentation beginnt um 14 Uhr und dauert 90 Minuten.

Führungen in Weil der Stadt Die Qual der Wahl haben Besucher in Weil der Stadt. An zahlreichen Stationen warten unterschiedliche Veranstalter mit Führungen und weiteren Angeboten auf. Für den Besuch der Stationen und für die Teilnahme an den Führungen ist keine Anmeldung nötig. Es gilt jedoch die 3G-Regel. Von 10 bis 13 Uhr können in der Emil-Haar-Begegnungsstätte Schnelltests vorgenommen werden. Anmeldungen dafür sind im Internet unter drk-weilderstadt.de möglich.

Das Binders Wäldle wird von 11.30 bis 17 Uhr vom Heimatverein betreut. Dieser bietet jeweils um 12, um 13.30, um 15 und um 16.30 Uhr eine Kurzführung zum Leben des Fassbinders Josef Schöninger an. Dazu gibt es Getränke, Kaffee und Kuchen.

Der Storchenturm hat von 10 bis 16 Uhr geöffnet, in dieser Zeit kann der Turm besichtigt werden, die Bürgergarde bietet individuelle Kurzführungen an. Der Storchenturm ist außerdem der Startpunkt für eine Führung hinüber zum Roten Turm. Die Teilnehmer können sich mit Führer Martin Buhl auf die Spuren des Falschmünzers Jakob Debler begeben. Eine Führung dauert etwa 20 Minuten und ist auf acht bis zehn Teilnehmer angelegt. Sie beginnt immer zur vollen Stunde zwischen 11 und 17 Uhr.

Von 11.30 bis 15.30 Uhr gibt es mehrere 30-minütige Rundgänge, die vom Seiler Turm in Richtung Brenzhaus und Spital führen. Auch diese Führungen sind für acht bis zehn Teilnehmer. Der Leiter ist Manfred Bürklen. Am Seiler Turm sowie auf der Stadtmauer gibt es eine Bewirtung.

Zwei Rundgänge durch Weil der Stadt speziell für Kinder organisiert der Stadtführer Gerd Diebold. Es handelt sich um zwei Brunnenführungen unter dem Motto „Froggy Tour“. Los geht es einmal um 14 Uhr, einmal um 16 Uhr, Startpunkt ist jeweils die Touristinfo am Marktplatz.

Auch außerhalb der Weiler Kernstadt kommen Geschichtsinteressierte auf ihre Kosten. Hans Joachim Dvorak führt jeweils um 11 und um 14 Uhr durch die Kirchenburg von Merklingen. Und in Schafhausen führt Ernst Haag je um 10.30 Uhr und um 11.30 Uhr durch den Weiler Ortsteil. Treffpunkt ist am Rathausbrunnen.

Besucher der Wendelinskapelle können einerseits an Kurzführungen des Kunstforums teilnehmen, beginnend jeweils um 14, 15 und 16 Uhr. Zugleich ist in der Wendelinskapelle eine Ausstellung des Künstlers Christian Günther zu sehen. Der Titel lautet „Greed again“ (Arbeiten auf Papier). Die Eröffnung ist am 12. September um 11 Uhr, die Finissage am 10. Oktober. In den Siebzigern begann Christian Günther an seinem Langzeitprojekt Greed (deutsch: Gier) zu arbeiten. Der Titel verweist auf den gleichnamigen Stummfilmklassiker Erich von Stroheims aus dem Jahr 1924.

Fasziniert von den fulminanten Bildern begann Günther, Leitthemen daraus in die Gegenwart zu übertragen. So entstehen lavierte Federzeichnungen, Lithografien, Aquarelle, großformatige Gouachen oder auch monumentale Monotypien in der für ihn charakteristischen Wachstechnik. In der Ausstellung „Greed again“ werden sowohl erste als auch jüngst entstandene Arbeiten gezeigt.

Die erste Eisenbahn in Renningen „150 Jahre Eisenbahn im Rankbachtal“ – so lautet der Titel einer Sonderausstellung im Heimatmuseum Rankbachtal in Malms­heim (Merklinger Straße 10). Am Tag des offenen Denkmals hat es von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ein 3G-Nachweis ist erforderlich. Weitere Öffnungen sind an zwei Sonntagen, 26. September und 10. Oktober, jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Vor mehr als 150 Jahren, am 30. November 1869, fuhr der erste Eisenbahnzug auf dem Streckenabschnitt Ditzingen-Weil der Stadt der Württembergischen Schwarzwaldbahn. Der mit Fest- und Ehrengästen besetzte Zug wurde vom Jubel der Bevölkerung begleitet. Am darauffolgenden Tag wurde der reguläre Zugbetrieb aufgenommen, der in der Folgezeit die Lebensverhältnisse in den Anliegergemeinden stark beeinflussen sollte. Die Malmsheimer waren allerdings zunächst noch auf den Renninger Bahnhof angewiesen. Erst ein Vierteljahrhundert später sollten sie eine eigene Station erhalten.

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Der Heimatverein möchte an dieses historische Ereignis mit einer Sonderausstellung erinnern. Zu sehen sind neben zeitgeschichtlichen Dokumenten eine Fotopräsentation, die Veränderung der Landschaft und der Ortschaften durch den Bahnbau sowie Ausstellungsstücke der Bahngeschichte. Der Heimatverein ist besonders stolz darauf, ausgewählte Eisenbahnmodelle zeigen zu können, die einst auf der Strecke im Rankbachtal gefahren sind. Parallel zeigt Reinhold Alter vom Heimatverein Ausstellungsstücke zum Motto „Tastatur in der Schreibstube“. In der Dauerausstellung des Museums wird auf drei Stockwerken und in einem Gewölbekeller die dörfliche Lebens- und Arbeitswelt früherer Generationen mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Handwerk und Hauswirtschaft/Wohnen gezeigt.

Der Weissacher Wehrkirchbereich Der Wehrkirchbereich in Weissach mit dem ehemaligen Bergfried, der teilweise erhaltenen Wehrmauer, den Kellern und Gaden ist ein beeindruckender Ort. Gerhard Mann bietet im Auftrag der Gemeinde Weissach zwei Führungen an. Sie beginnen jeweils um 11.30 und 15 Uhr am Kirchturm. Rückfragen beantwortet das Gemeindearchiv telefonisch unter 0 70 44 / 9 36 32 52.

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