SV Leonberg/Eltingen Corona bremst Kooperationen und Camps aus

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Sportplatz, Laufbahn und im Hintergrund das noch nicht ganz fertiggestellte neue Sportvereinszentrum: Thorsten Talmon sieht beste beste Voraussetzungen für Kooperationsangebote. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Als sich der SV Leonberg/Eltingen dazu entschlossen hat, sich noch intensiver mit dem Thema Kooperation Schule/Kindergarten und Verein zu beschäftigen und dafür auch personell aufzustocken, da spielte Corona noch nicht die alles beherrschende Rolle. Inzwischen zeichnen sich die Auswirkungen der Pandemie auf den organisierten Sport aber immer deutlicher ab. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), spricht von einem Mitgliederrückgang in Deutschland für das Jahr 2020 von rund einer Million Mitglieder. In den ersten Monaten des laufenden Jahres wird noch einmal von einer Zahl in einer ähnlichen Größenordnung ausgegangen.

Beim fusionierten Großverein SV Leonberg/Eltingen mit mehr als 4000 Mitgliedern haben sich nach Angaben des Geschäftsführers Tobias Müller acht Prozent der Vereinssportler verabschiedet. Die Zahl der Neuanmeldungen ist drastisch gesunken. Als ob die Verantwortlichen des Leonberger Vereins diesen Trend schon vorausgeahnt haben, wurde im Vorjahr eine 40-Prozent-Stelle geschaffen. Der Titel: Leiter Kooperation Schule, Kindergarten und Jugendsport. Der Mann, der diese wichtige Position seit Oktober 2020 bekleidet, ist im Altkreis Leonberg, insbesondere im Fußball, kein Unbekannter: Thorsten Talmon.

Scout beim VfB Stuttgart

„Wir wollen die Kinder wieder zum Sport bringen“, sagt der 49-Jährige, der bei der SpVgg Renningen (damals noch Verbandsliga), in Gärtringen, Merklingen und Gebersheim selbst gespielt hat, dann als Trainer in Malmsheim, Reutlingen, Flacht, Neuhausen und Renningen tätig war und seit dem Vorjahr als Scout für den VfB Stuttgart in der Altersgruppe U 12/U 13 auf Talentsuche geht.

Der ursprüngliche Ansatz der Kooperationsangebote ist zunächst ein idealistischer. Denn auch schon in der Zeit vor Corona, in der Homeschooling noch ein Fremdwort war, zeigte die Tendenz bei Kindern und Jugendlichen in Sachen Bewegungsmangel nach oben. Dem will der Verein entgegenwirken. „Als Verein haben wir da einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag“, sagt der Geschäftsführer Tobias Müller. „Wir wollen der Bevölkerung etwas bieten und als Verein attraktiv sein.“ Zumindest aber genauso wichtig: Mit den Angeboten in Schulen oder Kindergärten eröffnet sich der SV Leonberg/Eltingen die Möglichkeit, neue Mitglieder an den Verein zu binden.

Abteilungen des Vereins einbinden

Das Rad wird von den Leonbergern nicht neu erfunden. Bislang gibt es bereits Kooperationen, unter anderem mit der Mörikeschule, der Spitalschule, den Kinderhäusern Nord und Mozartstraße, dem Kindergarten Eltingen sowie der Sophie-Scholl-Schule. In den Betreuungsangeboten und Sport-AGs eingebunden sind Jascha Nährich und Kaya Schnellbacher, die beide ein freiwilliges soziales Jahr beim SV Leonberg/Eltingen absolvieren. Auch hier soll Thorsten Talmon in der pädagogischen Betreuung und Ausbildung aktiv werden. Darüber hinaus erhofft er sich, dass möglichst viele Abteilungen des Vereins in die Kooperationsangebote mit eingebunden werden können.

Der gelernte Drucker – seine Ausbildung machte er bei der Leonberger Kreiszeitung – hat mittlerweile voll auf die Karte Sport gesetzt. Er schloss 2013 ein Fernstudium im Bereich Sportmanagement ab, arbeitete von 2015 bis zum vergangenen Jahr bei der Deutschen Kindersportakademie in Schorndorf, war dort verantwortlich für den Bereich Fußball und kümmerte sich dabei unter anderem auch um die Kooperation mit Schulen.

Fußball-Einheit im Seehaus

In seinem Elan und Willen, etwas zu bewegen, ist der Vater einer Tochter zunächst durch Corona ausgebremst worden. Geplant ist eine Kooperation mit der August-Lämmle-Schule sowie der Pestalozzischule, bereits angelaufen ist die Zusammenarbeit mit dem Seehaus Leonberg. Dort hat Thorsten Talmon bereits die erste Fußball-Einheit mit den jugendlichen Straftätern absolviert. Dieses Projekt ist zunächst bis Mitte Mai angedacht.

Lesen Sie hier: Wie Straftäter vom Fußball profitieren können

Der Sportbegeisterte, der in Münklingen aufgewachsen ist und inzwischen in Rutesheim wohnt, legt Wert darauf, nicht auf den Fußball reduziert zu werden. Ihm geht es ganz allgemein um den Jugendsport in jeglicher Form. Ein Standbein ist dabei die Partnerschaft mit Schulen und Kindergärten, das andere sind Camps in den Ferienzeiten. „Mit den sportartübergreifenden Camps wollen wir Familien eine verlässliche Ferienbetreuung bieten“, sagt Thorsten Talmon.

Termine für vier Camps

Auch hier kann er auf langjährige Erfahrungen aus seiner Zeit bei der Deutschen Sportakademie zurückgreifen. Und auch hier hat Corona schon einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das geplante Oster-Camp ist ausgefallen. Die Termine für die nächsten Angebote stehen bereits: an Pfingsten vom 25. bis 28. Mai, in den Sommerferien vom 29. Juli bis 6. August sowie vom 6. bis 10. September, in den Herbstferien vom 2. bis 5. November.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Thorsten Talmon und bereut keinen seiner Schritte. Jetzt muss er darauf hoffen, dass Corona ihn nicht weiter daran hindert, diesen Beruf auch so auszuüben, wie er es sich vorstellt.

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