Südanbindung Porsche Wie sollen die Autos künftig fahren?

Von
Viel Verkehr rollt täglich zum Entwicklungszentrum von Porsche und wieder von dort zurück. Die geplante Südanbindung stößt auch auf Kritik. Foto: Holger /Leicht

Mönsheim - Kommunen im Altkreis Leonberg stöhnen unter der Verkehrslast. Denn viele Jobs bedeuten oft auch viele Autos auf den Straßen. Die stauträchtige A 8 sorgt zusätzlich für Ausweichverkehr. Das gilt auch für die Landesstraße 1134, die kurz hinter der Autobahnausfahrt Heimsheim am „Dieb-Kreisel“ vorbei nach Mönsheim führt. Doch noch zwei weitere Straßen bei Mönsheim sorgen immer wieder für Diskussionen: Die Landesstraße L 1177 zwischen Weissach und Mönsheim und die Kreisstraße K 4569 zwischen Flacht und Mönsheim. In Zusammenhang mit der geplanten Südanbindung von Porsche wird vonseiten der Mönsheimer immer wieder Kritik laut.

In Weissach erweitert die Firma Porsche ihr Entwicklungszentrum (EZW), das knapp 7000 Mitarbeiter beschäftigt. Zusätzlich zur ­bestehenden Nord-Ein- und Ausfahrt an der Landesstraße L 1177 hat die Gemeinde Weissach eine Südanbindung des Firmengeländes per Bebauungsplan ermöglicht und baut diese auch. Doch die Gestaltung dieser Südanbindung schmeckt nicht allen in Mönsheim. Denn dort befürchtet man noch mehr Verkehr und Stau auf der L 1134 zwischen dem Dieb-Kreisel und Mönsheim. Denn der Verkehr vom EZW soll über die Südanbindung auf die dann ausgebaute K 4569 in Richtung Mönsheim und dann auf die Landesstraße L 1134 ­geleitet werden. Von der L 1134 geht es dann über den Dieb-Kreisel zur Autobahn oder in andere Richtungen.

Mönsheim begrüßte die Anbindung

Im Frühjahr 2018 ist der Bebauungsplan in Kraft getreten. Die Gemeinde Mönsheim sagte 2016 im Anhörungs­verfahren, sie begrüße die Anbindung des EZW durch die Südpforte an das öffent­liche Verkehrsnetz, weil dadurch der Kreuzungsbereich von der L 1134 mit der L 1177 am Friedhof Mönsheim entlastet werde. Schon damals forderte Mönsheim aber „eine Überprüfung und gegebenenfalls Aktualisierung der Verkehrsprognosen“. Denn „in unregelmäßigen Abständen wird    festgestellt, dass es nachmittags zu ­erheblichem Rückstau an der Kreuzung kommt“.

Weiter forderte Mönsheim von Weissach, dass die Kreisstraße zwischen den beiden Gemeinden auch nach dem Bau der Südanbindung in Flacht offengehalten wird. Das sicherte Weissach zu. Außerdem verlangte Mönsheim, dass die Südanbindung erst in Betrieb gehen dürfe, wenn die K 4569 ausgebaut worden ist. Denn die Straße sei im jetzigen Zustand nicht in der Lage, den zu erwartenden Verkehr auf­zunehmen. Die heute kritisierte Lenkung des Verkehrs von der Südanbindung auf die K 4569 wurde in einer damaligen ­Stellungnahme noch begrüßt, weil damit quasi zugesagt wurde, dass die Kreisstraße offenbleibt.

Angst vor noch mehr Verkehr

Der Ausbau der Kreisstraße ist somit im Sinne der meisten Mönsheimer. Trotzdem wurde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den Ausbau der K 4569 nun wieder Kritik laut – eben wegen des befürchteten Zusatzverkehrs auf der ohnehin schon überlasteten Landesstraße L 1134. Die erneute Kritik kann Daniel Töpfer jedoch „nicht nachvollziehen. Wir haben damals alle Beteiligten ins Boot geholt“. Weissach will die Verkehrsströme besser leiten, wenn Porsche seine Ausbaupläne realisiert hat. An der Südpforte wird es ein Parkhaus mit 1500 Plätzen geben. Man rechne damit, dass etwa 3500 Fahrzeuge über die Südpforte auf das Firmengelände fahren. Das sei kein zusätzlicher, neuer Verkehr, sondern man gehe davon aus, dass sich die Verkehrsströme aufteilen. „Wir wollen den Verkehr nicht durch Flacht führen, sondern ortsdurchgangsfrei leiten“, so Töpfer.

Ob über die Nord- oder die künftige Südanbindung – Fakt ist, dass der überwiegende Teil des Pendlerverkehrs kurz vor Mönsheim in die L 1134 mündet. Wer weiter Richtung A 8 will, muss über den Dieb-Kreisel Richtung Heimsheim fahren oder durch Mönsheim und Wurmberg zur Anschlussstelle Pforzheim-Süd.

Vor einem Jahr hatte die Gemeinde Mönsheim in einer Stellungnahme zum geplanten Ausbau der K 4569 an das Regierungspräsidium Karlsruhe geschrieben, dass eine Zu- und Abfahrt in Richtung Flacht nicht grundsätzlich ausgeschlossen sein dürfe, und dass mit dem Ausbau der Kreisstraße erst begonnen werde dürfe, wenn „die Ergebnisse für die Verkehrssituation vorliegen, bewertet sind sowie erste Maßnahmen daraus für eine zeitnahe Umsetzung konkret vorgesehen werden.“

„Wir ­setzen darauf, dass der Enzkreis Gas gibt“

Laut Oliver Müller vom Straßenverkehrsamt des Enzkreises gab es im Jahr 2010 noch 6700 Fahrzeuge täglich auf der Landesstraße L 1134 zwischen dem Gewerbegebiet am Dieb und Mönsheim. 2017 waren es bereits rund 10 300. Das sei zwar viel, aber nicht so viel, dass es die Straße nicht verkraften könne, so Müller. Es gebe Straßen im Enzkreis, die deutlich mehr Verkehr haben.

Die Porsche AG baut inzwischen das neue Parkhaus an der Südpforte. „Wir ­setzen darauf, dass der Enzkreis jetzt Gas gibt“, sagt der Weissacher Bürgermeister. Denn die Südanbindung soll ja erst nach dem Ausbau der Kreisstraße K 4569 in ­Betrieb gehen. Sollte das Bebauungsplanverfahren dieses Jahr noch abgeschlossen werden, könnte nächstes Jahr mit dem Bau begonnen werden.

Derweil lässt der Mönsheimer Bürgermeister Thomas Fritsch aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses prüfen, ob ­ju­ris­­tisch gegen die geplante Verkehrs­lenkung an der Südanbindung vorgegangen werden kann. Nach ersten Ein­schätzungen gebe es dafür jedoch keine Handhabe, so Fritsch.

Artikel bewerten
10
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen