Studie der Universität Bielefeld Gangsta-Rap-Fans tendieren eher zu Antisemitismus

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Die nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stellte die Ergebnisse der Studie vor. (Symbolbild) Foto: dpa/Federico Gambarini

Düsseldorf/Bielefeld - Junge Gangsta-Rap-Fans laufen eher Gefahr, antisemitische Einstellungen zu übernehmen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wurde.

„Die Studie belegt erstmalig empirisch, dass Gangsta-Rap den Nährboden für spätere verfestigte antisemitische Einstellungen bereitet“, so Leutheusser-Schnarrenberger. „Wir dürfen nicht zusehen, wie Musiker Antisemitismus propagieren und mit gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Texten Jugendliche indoktrinieren.“

Von Antisemitismus zu Frauenfeindlichkeit

Die Wissenschaftler befragten den Angaben zufolge eine für NRW repräsentative Gruppe von 500 Personen zwischen 12 und 24 Jahren und führten zusätzlich Einzelinterviews sowie Gruppengespräche. Anhand von 16 Aussagen legten sie fest, wie stark antisemitisch die Jugendlichen eingestellt waren.

26,5 Prozent zeigten demnach eine sehr stark judenfeindliche Haltung. Von ihnen hörten 81,4 Prozent gerne oder sehr gerne Gangsta-Rap. Von den nicht-antisemitisch eingestellten Jugendlichen - 36,5 Prozent aller Befragten - hörten nur 48,9 Prozent gerne oder sehr gerne Gangsta-Rap. Antisemitische Symbole oder Andeutungen in den Texten und Musikvideos würden die Mädchen und Jungen nicht als solche erkennen, so die Forscher. Als Beispiel nannten sie das Schlagwort „Rothschild-Verschwörung“ in manchen Songs.

Auch zu frauenfeindlichen sowie chauvinistischen Einstellungen zeigten sich Zusammenhänge, hieß es. Vermehrt rassistische Haltungen zeichneten sich jedoch nicht ab.

Gangsta-Rap als Gesellschaftskritik

Viele Jugendlichen nahmen Gangsta-Rap laut Studie als Gesellschaftskritik wahr. So stimmten 43 Prozent der Aussage zu: „Im Gangsta-Rap werden Missstände der Welt angesprochen.“ Seit Ende der 2000er-Jahre gebe es im Gangsta-Rap aber immer mehr autoritäre, frauenfeindliche und verschwörungs-ideologische Inhalte, warnte der Erziehungswissenschaftler Jakob Baier.

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Die Forschenden stellten fest, dass entgegen gängiger Vorurteile viele Gangsta-Rap-Hörer nicht aus prekären Verhältnissen kommen. Rund 80 Prozent stammen demnach aus Familien mit mittlerem oder hohem Wohlstand. Antisemitische und frauenfeindliche Einstellungen zeigten sich auch bei Jugendlichen mit höherer Bildung. „Bei Befragten mit gymnasialem Bildungsweg und bei weiblichen Konsumentinnen sind die Effekte allerdings etwas geringer“, erklärte der Erziehungswissenschaftler Marc Grimm.

Debatte schwelt schon länger

Die Studienautoren legten Handlungsempfehlungen vor, die laut Leutheusser-Schnarrenberger in den kommenden Wochen mit Experten diskutiert werden. Geplant ist eine Online-Fachtagung am 10. Juni. Die Untersuchung führte das Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem IPSOS-Meinungsforschungsinstitut zwischen 2019 und 2021 durch.

Die Debatte um Antisemitismus im Gangsta-Rap führte 2018 zur Abschaffung des „Echo“-Musikpreises. Damals sollten die Rapper Farid Bang und Kollegah eine Auszeichnung erhalten. In ihrem Lied „0815“ texten sie: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“. Kritiker sehen darin einen unzulässigen Vergleich zwischen einem trainierten Körper und ausgehungerten Holocaust-Opfern.

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