Strohländle in Leonberg Spiel, Spaß und dazu 30 Tonnen Stroh

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Ein bewährtes Sommervergnügen: das Strohländle mit Musik und Getränken im rustikalen Ambiente auf einer Wiese auf dem Engelberg Foto: Veranstalter

Leonberg - In seiner Wiener Studentenzeit hatte Johannes Leichtle eine besondere Lieblingskneipe: „Du hast draußen gesessen, dein Bier getrunken und um dich herum war überall Stroh.“ Als ihm einige Zeit später ein Kumpel vom „Ackern“ in Graz erzählte, wo es in rustikaler Umgebung ein richtiges Unterhaltungsprogramm gab, stand für den Leonberger fest: „Das musst du auch zu Hause machen.“

Doch die Begeisterung, mit der er vor sieben Jahren als Mittdreißiger in Leonberg vorpreschte, verfing sich schnell in den Armen der Behörden. Alle Örtlichkeiten, die er für ein Kulturpogramm inmitten von Stroh vorschlug, lehnte die Stadt ab. Zumeist aus Lärmschutzerwägungen.

Am Ende blieb nur der Engelberg, von dem Johannes Leichtle anfangs überhaupt nicht begeistert war: Zu weit weg vom Schuss, wer sollte dahin kommen? Doch die Leute kamen, als er während der Fußball-Europameisterschaft 2012 dort ein Public Viewing veranstaltete. Und damit wurde jene von Bäumen umstandene Höhenwiese oberhalb der Altstadt zu jenem Festplatz, der unter dem Namen Strohländle längst zu einem beliebten Sommervergnügen der Menschen in und um Leonberg geworden ist.

30 Tonnen Stroh werden mit drei Traktoren auf den Engelberg gekarrt

Die Sommerferien boten sich als idealer Zeitraum an. „Die Annahme, dass dann alle Welt im Urlaub ist, stimmt einfach nicht“, sagt Johannes Leichtle. „Die Zahl der Konkurrenzveranstaltungen ist überschaubar.“

Eine echte Herausforderung allerdings war und ist es, ein vierwöchiges Programm zu gestalten und zu finanzieren. Neben kleineren Gagen müssen Aufbauten, Zäune und ein Sicherheitsdienst bezahlt werden. Johannes Leichtle, der Film- und Fernsehproduktionen studiert hat, war klar, dass es ohne Sponsoren nicht geht. Anfangs war gerade das gar nicht so einfach, doch mittlerweile gibt es genügend lokale Unternehmen, die sich gerne als Freunde vom Strohländle profilieren.

Der Name ist Programm. 30 Tonnen Stroh, gekauft bei einem heimischen Landwirt, werden alljährlich mit drei Traktoren auf den Engelberg gekarrt. Die Ballen prägen die Optik des Festgeländes, laden zum Verweilen ein und sind Spielstätte für die Kinder. Was zunehmend zu Problemen führt. „Manche Kinder nehmen das Stroh regelrecht auseinander“, berichtet Leichtle. „Dafür werden sogar Messer mitgebracht. Spricht man die Eltern darauf an, reagieren viele mit Unverständnis.“

Der regionale Charakter ist wichtig

Trotzdem will der rührige Organisator am Konzept festhalten, dass das vierwöchige Fest für alle da ist: „Während meines Studiums hatte meine Marketingdozentin gesagt, dass es die Zielgruppe alle nicht gibt. Diese These widerlegen wir.“ Inhaltliche Schwerpunkte sind aber sehr wohl vorhanden. Auf dem Engelberg gibt es Lesungen, Konzerte, Kultur, Kabarett, Gesundheitskurse, kulinarische Mottoabende und Unterhaltungsshows. Wichtig ist dabei der regionale Charakter. So ist die „Leonberger Kreiszeitung“ mit einer lokalen Quizshow dabei, bei der zwei Kandidatenteams und das Publikum Fragen aus der Region beantworten müssen. Auch die Stuttgarter Redakteurin Adrienne Braun liest beim Strohländle aus ihren Geschichten vor.

Besonders stolz ist Johannes Leichtle auf das erstmals angebotene Speed-Dating. „Das war wie so oft eine Schnapsidee, die sich an einem Abend mit ein paar Gläsern Wein entwickelt hat“, erzählt er mit fast kindlicher Begeisterung. „Wir wissen aber, dass viele Singles zu uns kommen. Und denen möchten wir was Spezielles bieten.“

Unabhängig vom Programm ist für viele Leonberger das Strohländle während der Ferienzeit einer der schönsten Biergärten der Stadt. Die Außengastronomie ist im bayerischen Stil gehalten, Bäume spenden Schatten, Autos sind ganz weit weg.

„Ein wunderschönes Ereignis mitten im Grünen“

Angesichts dieses gewaltigen Programms mag man sich fragen, wie groß das Team ist, das das Vier-Wochen-Ereignis stemmt. Doch Johannes Leichtle ist im Grunde eine One-Man-Show. Er arbeitet lediglich mit einer Grafikerin und einem gastronomischen Partner zusammen. „Man hat drei Monate richtig großen Stress, aber vieles ist eingespielt.“

Zu Letzterem zählt auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Leonberg. „Anfangs sind wir gegen Windmühlen gelaufen, aber jetzt klappt es gut.“ Deshalb ist Johannes Leichtle froh, dass er auf den Rat eines städtischen Mitarbeiters gehört hat, das Strohländle auf dem Engelberg zu beheimaten. „Ein wunderschönes Ereignis mitten im Grünen, und doch in der Stadt. Das gibt es nicht so oft.“ Sagt’s und entschuldigt sich. Bis zum Auftakt hat der Organisator noch jede Menge zu tun.

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