Streit um Leonberger Baugebiete Freie Wähler setzen auf Wohnbau an der Schuhfabrik

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Wolfgang Schaal von den Freien Wählern ist gegen eine Bebauung an der Berliner Straße. Foto: Leo-Center aktuell

Leonberg - Die Freien Wähler halten ein neues Quartier an der Berliner Straße mit rund 200 Wohnungen für nicht erforderlich. Sie widersprechen damit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Ottmar Pfitzenmaier, der sich im Gespräch mit unserer Zeitung für den zügigen Bau am Rande des Stadtparks stark gemacht hat.

„Dies würde einen enormen Eingriff bedeuten“, erklärt Wolfgang Schaal, der Stadtverbandschef der Freien Wähler und Fraktionsvize im Gemeinderat. „Unsere Freiflächen in der Kernstadt sind endlich. Der Stadtpark sollte für nachfolgende Generationen freigehalten werden.“

Was ist mit dem alten Arbeitsamt?

Als Alternativen verweist Wolfgang Schaal auf das TSG-Gelände und eine Neubebauung des Postareals, wo jeweils 150 Wohnungen vorgesehen sind. Außerdem eigne sich die alte Schuhfabrik an der Einmündung der Steinstraße in die Eltinger Straße für neue Wohnungen. „Wir schätzen den Sanierungsaufwand als zu hoch ein. Deshalb befürworten wir einen Abbruch und Neubau an gleicher Stelle“, erklärt der Chef der Freien Wähler. Die Jugendkunstschule und andere Einrichtungen könnten vorübergehend ins leer stehende Postgebäude umziehen, um dann in einem Neubau ein Domizil zu finden. Darüber wären rund 25 Sozialwohnungen möglich.

Auch im seit Jahren leer stehenden alten Arbeitsamt könnte durch einen Umbau oder einen Neubau weiterer geförderter Wohnraum entstehen. „Wir fordern zeitnahe Verhandlungen mit der Eigentümerin, der Bundesanstalt für Arbeit“, sagt Wolfgang Schaal. „Wir haben große Hoffnung, dass unser neuer OB endlich Bewegung in diese Angelegenheit bringt.“ Bisher war eine Übernahme des Gebäudes durch die Stadt am Kaufpreis gescheitert.

Flächen in der Neuen Ramtelstraße?

Zudem hatten die Freien Wähler eine Fläche in der Neuen Ramtelstraße in der Nähe von Atrio ins Gespräch gebracht. Diese Ideen werden von der Stadt geprüft. Mit Ergebnissen ist im Frühjahr zu rechnen. Schaal widerspricht Pfitzenmaiers These, dass die geplanten Viertel vornehmlich für den freien Markt sind: „In jedem neuen Quartier werden eine soziale Durchmischung und eine durchschnittliche Quote von 25 Prozent für geförderten Wohnungsbau angestrebt.“

Nicht nur in der Innenstadt würden in den nächsten drei bis vier Jahren rund 750 Wohnungen gebaut. Auch in den Stadtteilen seien weitere 250 Wohneinheiten vorgesehen: „Dies bedeutet einen Bevölkerungszuwachs von rund 2500 Menschen.“

Angesichts der Forderungen des SPD-Fraktionschefs Pfitzenmaier wie auch des Oberbürgermeisters Martin Kaufmann, die Stadt müsse in Sozialwohnungen investieren, weist Schaal auf die Konsequenzen hin: „Sozialer Wohnungsbau ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Entstehungs- und die Folgekosten gehen zu Lasten einer weiteren Verschuldung der Stadt.“ Leonberg brauche dringend eine „städtebauliche Strategie.“

Mehrheit für Erhalt der Liegewiesen

Nicht nur beim Thema Sozialwohnungsbau gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen SPD und Freien Wählern. Die von Ottmar Pfitzenmaier erneut ins Spiel gebrachte Umwidmung der FKK-Wiese im Leobad zu einem kleinen Viertel mit bis zu zehn Reihenhäusern ist in Schaals Augen „ein untauglicher Versuch der SPD, eine Gemeinderatsentscheidung zum wiederholten Mal zu kippen.“

Das Pro und Kontra des Verkaufs von Teilen der Wiesen sei im Gemeinderat bei der Debatte um die Sanierung des Bads intensiv abgewogen worden. „Mit dem klaren Ergebnis, dass solches von der Mehrheit nicht gewollt ist.“

Mit Blick auf die zwölf Millionen Euro teure Sanierung müsse das Bad danach besonders attraktiv sein. „Wir machen uns keine Freunde, müssten wir Besucher aus Platzmangel wegschicken.“ Auch würde ein ­neues Wohnviertel dem benachbarten SV Leonberg/Eltingen „auf die Pelle rücken“.

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