Stimmen der Altkreistrainer zum Großereignis Die WM kann auch als Ventil herhalten

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Nationaltrainer Alfred Gislason und das deutsche Team greifen am Freitag ins WM-Geschehen ein. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Leonberg - Der Amateursport liegt brach. Derzeit kann niemand sagen, wann und ob es überhaupt in dieser Saison noch einmal weitergeht. Da kommt es gerade recht, wenn nun ein Großereignis wie die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten in den Fokus rückt, sagen die einen. Ob es das richtige Zeichen ist, in Corona-Zeiten eine Mammut-WM mit 32 Mannschaften auszutragen, fragen sich andere. Auch unter den Verantwortlichen der Handballvereine im Altkreis Leonberg ist die Meinung dazu zwiegespalten, wie eine kleine Umfrage zeigt. In einem sind sich aber alle einig: Dass nun doch keine Zuschauer zugelassen werden, ist die richtige Entscheidung.

„Ich finde es schon sehr kurios, dass es überhaupt in der Überlegung war, Zuschauer zuzulassen“, sagt beispielsweise Nicki van der Vliet, zusammen mit Mona Binder Trainer der Verbandsliga-Frauen beim SV Leonberg/Eltingen. Eher neutral steht der Übungsleiter der Veranstaltung an sich gegenüber. Zum einen kann er jeden verstehen, der Handball spielen und sehen möchte. Zum anderen müsse man aber auch die Außenwirkung in diesen Zeiten bedenken. Die Menschen leben mit jeder Menge Einschränkungen, und der Handball zieht sein Ding durch. Im gleichen Atemzug sagt van der Vliet aber auch: „Wenn man gar nichts mehr anbietet, dann wird die Depression der Menschen umso größer.“ Ob die Vergrößerung der Teilnehmerzahl auf 32 sportlich ein Gewinn ist, stellt er in Frage. Klar sei aber, dass man damit weltweit noch mehr Menschen erreichen würde.

Das Viertelfinale ist drin

Der deutschen Mannschaft, die am Freitag (18 Uhr) mit der Partie gegen Uruguay in das Turnier einsteigt, traut er trotz einiger Ausfälle und der Absagen von Leistungsträgern zu, die Hauptrunde zu überstehen und ins Viertelfinale einzuziehen. Ganz generell hält er es so: „Ich finde, man muss nicht immer ein Ziel ausloben.“

Eine Prognose für die deutsche Mannschaft abzugeben, damit tut sich auch Peter Gubesch schwer. Für den Trainer des Bezirksligisten SpVgg Renningen ist aber klar: „Wenn alle durchhalten, sind wir nicht die Schlechtesten. Es kann alles möglich sein. Ich würde mich freuen, wenn wir wild, neugierig und mit viel Mut auftreten.“ Viertelfinale plus lautet der Wunsch des SVR-Coaches, der mit seinem Team in dieser Saison noch gar kein Punktspiel ausgetragen hat. Peter Gubesch findet es für seine Sportart wichtig, dass sie durch die Weltmeisterschaft in den Medien präsent ist. „Das öffentliche Interesse sinkt, wenn im Amateurbereich nichts mehr stattfindet. Der Fußball ist dann bei 99 Prozent Sendezeit, und alle anderen müssen sich um den letzten Krümel streiten.“

Davon abgesehen gehen die Gedanken des Übungsleiters noch in eine ganz andere Richtung. Er befürchtet langfristige Schäden als Folge der Corona-Einschränkungen unter anderem bei Kindern. „Wenn die nicht in die Hallen und auf die Sportplätze können, haben die doch gar kein Ventil mehr, um sich abzureagieren. So gesehen finde ich die WM eine gute Sache, die vielleicht einen Teil davon übernehmen kann.“

Wichtige soziale Komponente

Unabhängig von der Weltmeisterschaft treiben auch Stefan Kugel ganz ähnliche Gedanken um. Zweimal pro Woche trift er sich mit den Spielern der SKV Rutesheim zum virtuellen Workout. Dabei steht die Fitness seiner Bezirksklasse-Spieler gar nicht mehr zwingend im Vordergrund. Kugel geht sowieso davon aus, dass diese Saison nicht weiter geführt werden kann. Viel wichtiger ist ihm die soziale Komponente. „Wenn wir mit den Übungen durch sind, quatschen wir immer noch. Ansonsten ist Funkstille. Und das ist kein gutes Zeichen.“

Angesichts der Corona-Pandemie sei es vielleicht nicht das richtige, eine Weltmeisterschaft zu spielen, meint Stefan Kugel. Im gleichen Atemzug nennt er aber auch den positiven Effekt: „Für den Handballsport generell ist es natürlich gut, dass die WM stattfindet und er so in den Medien bleibt. Wenn die deutsche Mannschaft dann auch noch die Hauptrunde erreicht, werden das noch mehr Leute vor dem Fernseher verfolgen.“ Als Schlüsselspiel sieht er in der Vorrunde die Begegnung gegen Ungarn an: „Wenn die zwei Punkte in der Hauptrunde fehlen, wird es ganz ganz schwer.“ Dänemark und Frankreich sind seine Topfavoriten.

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