Sternenkind-Fotografie Erinnerungen, die bleiben

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Angelika Kamlage aus Leonberg ist Sternenkind-Fotografin. Foto: privat

Leonberg - Winzige Fingerchen, zerbrechliche Körper und ganz viel Liebe – Angelika Kamlage aus Leonberg fotografiert für die Stiftung Dein Sternenkind (www.dein-sternenkind.eu) ehrenamtlich Eltern mit ihren Sternenkindern.

Frau Kamlage, auf den ersten Blick unterscheiden sich Ihre Bilder nicht von anderen Babyfotos, außer, dass sie sehr oft Schwarz-Weiß sind.

Schwarz-Weiß-Fotografie ist insgesamt mein bevorzugter Stil. Ich mache es aber von der Situation abhängig. In erster Linie sollen es ästhetisch ansprechende Bilder sein und sie sollen das Herz berühren. Sie sollen eine liebevolle Erinnerung sein, die man sich auch an die Wand hängen kann.

Warum ist Sternenkind-Fotografie wichtig?

Eine 80-Jährige, die von meiner Arbeit erfuhr, sagte mir: Man hat mir mein Kind nicht mal gezeigt, und ich durfte nie mehr darüber reden. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Aber noch immer ist es zu oft ein Tabu. Diese Kinder sind Teil einer Familie. Die Bilder zeigen, dass die Eltern und ihr Kind miteinander verbunden sind, obwohl sich ihre Wege auf Erden trennen. Wir versuchen, wunderbare Erinnerungen zu schaffen an ein Kind, das nicht leben durfte. Wir halten diese wenigen Momente, die die Eltern mit ihrem Sternenkind haben, fest. Das ist unglaublich wertvoll.

Wann machen Sie Fotos?

Wenn jemand mit dein-sternenkind.eu Kontakt aufnimmt, dann werden die Fotografen, die zum jeweiligen Alarmkreis gehören, informiert. Wir nehmen dann Kontakt auf und erhalten weitere Informationen. Ist das Kind schon da? Steht die Geburt noch aus? Wenn es soweit ist, fahre ich dann ins Krankenhaus. Das kann auch in Freiburg oder Heidenheim sein. In Leonberg war ich in diesem Jahr zwei mal. Insgesamt 16 Sternenkinder habe ich in diesem Jahr schon fotografiert.

Wie läuft das dann ab?

Wenn ich ankomme, ist meist schon alles vorbereitet. Die Kinder sind gewaschen und angezogen, vielleicht in einem Korb mit Decken platziert. Manchmal wurde etwas gestrickt, ein besonderes Kuscheltier besorgt oder etwas genäht. Manchmal sind die Kinder noch ganz winzig. Das jüngste Sternenkind, das ich fotografiert habe, war erst in der 16. Schwangerschaftswoche. Da muss man sehr vorsichtig sein. Das älteste Kind war schon drei Monate alt.

Wie verarbeiten Sie das?

Wenn ich das Zimmer betrete, dann ist da so viel Traurigkeit. Diese Eltern bereiten sich Wochen, Monate, Jahre auf ein Kind vor. Und dann heißt es, es wird nicht leben. Mit dem Kind sind dann auch Hoffnungen, Wünsche, Träume gestorben. Und gleichzeitig ist da so viel Liebe. Mir hilft, dass ich ein sehr gläubiger Mensch bin. Ich bin überzeugt, dieses Kind ist nicht allein und wird von Gott getragen. Und das trägt auch mich hindurch.

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