Start-up zur Wasseraufbereitung Die Mini-Wasserwerke aus Flacht

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Tim Dibjick hat die Wasserreinigungsgeräte entwickelt. Foto: factum/Jürgen Bach

Weissach - Vor einigen Monaten warnte die Weltbank in einer Studie global vor der schleichenden Verschmutzung des Wassers. Auf der Karte der am ­stärksten gefährdeten Regionen der Welt, ist beim Thema Wasserverschmutzung Deutschland dunkelrot gefärbt: Hierzulande sei, wie in allen hochtechnisierten Regionen, die Gefahr zunehmend schlechter werdender Wasserqualität demnach enorm. Das aktuell meistdiskutierte Problem: die Nitratbelastung des Grundwassers, die die EU bereits dazu veranlasst hat, der Bundesregierung die Daumenschrauben anzulegen.

Das Thema sauberes Trinkwasser hat auch das Weissacher Start-up Membra-tech für sich entdeckt. Eine der Geschäftsideen des jungen Pforzheimer Firmengründers Tim Dibjick: Kleine, handliche Wasserwerke für Zuhause, das Büro, für die Gastronomie oder Hotels, die, laut Aussage des 33-jährigen Unternehmers, aus normalem Leitungswasser Wasser herstellt, das zu „99 Prozent rein und frei von Schadstoffen wie Viren, Bakterien, Hormonen oder ­Medikamentenrückständen ist“.

Weitere Mitarbeiter sind gesucht

2018 gewann der Jungunternehmer mit seiner Geschäftsidee bei einem Gründerwettbewerb des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums in der ­Region Pforzheim/Nordschwarzwald den ersten Platz. Um zu expandieren ist das Unternehmen vergangenen August von Pforzheim nach Weissach-Flacht umgezogen. „In Weissach ist seitdem die Entwicklung und der Vertrieb angesiedelt“, sagt Tim Dibjick. Produziert werde bei einer Tochtergesellschaft in Mailand. „In Weissach arbeiten derzeit sechs Mitarbeiter, die im kommenden Jahre um weitere 14 Mitarbeiter aufgestockt werden.“

Die Wasserreinigungsgeräte, genannt „Membratech A-Serie“ arbeiten mit selbst entwickelten Hydrocarbon-Membranen und  einem Umkehrosmoseverfahren. „Die Poren dieser Membranen sind eine Million Mal feiner als ein menschliches Haar“, erklärt der Firmengründer, der Bioengineering studiert hat und aus einer Unternehmerfamilie stammt. „Da kann man vorne Schlamm reinpumpen und hinten kommt sauberes Wasser heraus.“

Je nach Wunsch und Ausführung der Anlage werden dabei 80 bis 300 Liter Wasser pro Stunde gereinigt und verlassen in Raumtemperatur, gekühlt, heiß oder als Sprudelwasser das Mini-Wasserwerk. „Nie wieder Kisten schleppen“, lautet denn auch ein werbewirksamer Spruch, mit dem das Unternehmen seine Wasserreinigungsanlagen vermarktet.

Ziel: Eine Aktiengesellschaft

Dibjick ist geschäftsbedingt ein harter Kritiker der bundesdeutschen Wasserpolitik: „Deutsches Wasser ist zwar das best-untersuchte Lebensmittel, aber das hat nichts mit der Qualität des Wassers zu tun“, sagt der Unternehmer. „Wir haben ungefähr 50 000 Stoffe im Wasser, für die es keine Grenzwerte gibt.“ Diskussionen um Grenzwerterhöhungen, wie mancherorts beim Glyphosat der Fall, sind so gesehen für die private Wasserreinigungsbranche Gold wert.

Die kleinen Wasserwerke, die nicht größer sind als ein Computer und je nach Wunsch designt werden, sind freilich mit 4000 bis 5500 Euro auch nicht ganz billig. Deshalb bietet der Unternehmer auch ein Leasingmodell an. Dibjick spricht von ­bereits über 500 verkauften Einheiten in Deutschland.

Dass das Weissacher Unternehmen hoch hinaus will, darüber lässt der Chef keinen Zweifel aufkommen. „Ich rechne für 2020 mit rund 3000 verkauften An­lagen“, sagt Dibjick, der mit dicker Armbanduhr, Maßanzug und Gelfrisur optisch schon einmal den erfolgreichen Geschäftsmann vorwegnimmt. Auch Zweigstellen will Membratech bald eröffnen. „Und spätestens 2024 wollen wir eine Aktiengesellschaft sein“, prognostiziert der 33-Jährige, der bislang die Entwicklung seines Unternehmens weitgehend aus Eigenmitteln finanziert hat. In Weissach will sich die Firma demnächst ausbreiten und am bisherigen Standort weitere Flächen hinzumieten.

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