Stadtwald Renningen 2019 und 2020 wirken immer noch nach

Von Kathrin Klette
Auf Brachflächen werden junge Bäume nachgepflanzt – in diesem Fall junge Eichen –, die robuster als die anfällige Fichte sind. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Über zu wenig Regen konnte man 2021 nicht klagen. Bereits das Frühjahr war deutlich feuchter als in den beiden Jahren zuvor, die von großer Hitze und Trockenheit geprägt waren. Doch ein einziges regenreiches Jahr kann die Schäden, die während der Trockenperioden bereits entstanden sind, nicht rückgängig machen. „Die Bäume, die die Trockenheit soweit überstanden haben, konnten davon profitieren“, erklärte der Renninger Revierförster, Rolf Maier, bereits bei der Waldbegehung des Renninger Gemeinderats. „Bei anderen aber waren die Schäden zu groß, da konnte auch der viele Regen nichts daran ändern.“

Nur neun Prozent der Waldernte wurden planmäßig gefällt

Wie sich das ausgewirkt hat, zeigte sich sehr anschaulich bei der Vorstellung des Nutzungs- und Kulturplans für den Renninger Stadtwald: „Die Holzernte des vergangenen Forstwirtschaftsjahrs 2021 beschränkte sich fast ausschließlich auf die Aufarbeitung von Trockenschäden.“ Speziell ging es um die Weißtanne und die Rotbuche. Von den 3544 Festmetern Holz, die eingeschlagen wurden, erfolgten nur 322 Festmeter geplant. Der Rest, das sind 91 Prozent, waren hauptsächlich das Ergebnis von Trockenschäden, teilweise auch von Sturmschäden und Borkenkäferbefall. Nur bezogen auf Nadelbäume gab es überhaupt keinen planmäßigen Einschlag.

Extreme Witterung wirkt sich noch Jahre später aus

„Das ist ein Zeichen dafür, dass extreme Temperaturen im Frühjahr und Sommer oft in Verbindung mit viel zu wenig Niederschlägen noch einige Jahre später große Mengen an Schadholz in unserem Wald verursachen“, so Rolf Maier. Nach der Tanne sei nun auch die Buche immer stärker betroffen.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund für den hohen Anteil an Schadholz in der Holzernte: Die Forstmitarbeiter hätten inzwischen ausreichend Erfahrung gesammelt, um anhand gewisser Schadsymptome zu erkennen, welcher Baum überleben kann und welcher nicht. So können die betroffenen Bäume frühzeitig gefällt werden, wenn sie noch nicht ganz so viele Mängel aufweisen. „So können wir zumindest befriedigende Preise erzielen.“ Die geplante Einschlagsmenge für 2022 wird mit 3000 Festmetern extra etwas niedriger angesetzt.

Sollte die Witterung im kommenden Frühjahr und Winter für den Wald günstig ausfallen, könnten die Schadholzzahlen für 2022 spürbar zurückgehen, glaubt Rolf Maier. Langfristig will die Stadt mit Blick auf den Klimawandel vor allem Bäume pflanzen, die mit höheren Temperaturen und Stürmen besser umgehen können als die anfällige Fichte. Diese wurde nach dem Krieg großflächig auf den gerodeten oder zerstörten Waldflächen gepflanzt, um in vielen Jahrzehnten wichtiges Bauholz zu liefern.

Rund 2500 Douglasien und 2000 Eichen gepflanzt

Trockenheit, Stürmen und Schädlingen wie dem Borkenkäfer hat sie aber wenig entgegenzusetzen. Die Stadt setzt bei Pflanzaktionen daher derzeit auf Eichen – vor allem Traubeneichen – und Douglasien. 2021 wurden rund 2500 Douglasien- und mehr als 2000 Eichen-Setzlinge gepflanzt, dazu mehr als 1000 Hainbuchen sowie einige Weißtannen und Lärchen. Platz genug ist dafür: Große Fichtenbestände sind bereits dem Borkenkäfer und der Trockenheit zum Opfer gefallen, die Brachflächen werden nach und nach aufgeforstet.

Besonderer Auftrag am Waldkindergarten

Einen besonderen Auftrag erhielt die Revierförsterei außerdem Anfang 2021 in Malmsheim. Dort hat im Mai der neue Waldkindergarten seine Pforten geöffnet. Das Gelände mit dem Bauwagen an der Perouser Straße befindet sich zwar nicht direkt im Wald, jedoch gehört ein kleines Waldstück zu dem Grundstück dazu, in dem die Kinder viel unterwegs sind. Den Wald innerhalb dieses Grundstücks musste die Försterei intensiv überprüfen und „sämtliche absterbenden, kranken oder instabilen Bäume fällen, um den Kindergartenbetrieb so sicher wie möglich zu machen“.

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