Stadtentwicklungsplan Renningen Bürgerbeteiligung hält sich noch in Grenzen

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In welche Richtung sich die Stadt Renningen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll, ist im Stadtentwicklungsplan festgesetzt. Foto: Holger Leicht

Renningen - Wie sich Renningen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll, ob in Sachen Wohnen, Bildung, Natur oder Verkehr, das alles ist im Stadtentwicklungsplan festgehalten. In Renningen wird dieser unter dem Titel STEP 2040 gerade neu entwickelt, die Weichen für die Zukunft also neu gestellt. Trotzdem hielt sich die Beteiligung der Bevölkerung an dem Entwicklungsprozess bislang in Grenzen, was wohl der Corona-Pandemie geschuldet ist.

Das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) wurde mit der Überarbeitung des Plans von 2003 beauftragt und hat den aktuellen Planungsstand im Gemeinderat vorgestellt. Leitziele des damaligen Plans waren unter anderem maßvolle Wohnbauentwicklung, Stärkung der Stadtmitte, Aufwertung des Ortskerns Malmsheim, die Stärkung des ökologischen Verbunds, Erhaltung des Flugplatzgeländes und Erhaltung der Landwirtschaft. „Nach 17 Jahren war es jetzt an der Zeit, die Inhalte zu überprüfen und, wo notwendig, zu aktualisieren“, erklärt der Stadtbaumeister Hartmut Marx.

„Es war nicht zu erwarten, dass wir gegenüber 2003 komplette Brüche haben werden“, sagte Alfred Ruther-Melis vom IfSR erneut im Renninger Gemeinderat. Vielmehr gehe es um eine Fortschreibung und Weiterentwicklung. Auch die Meinung der Bürger ist hierzu gefragt, die Renninger sollten eigene Ideen und Denkanstöße einbringen. „Leider mussten die öffentlichen Veranstaltungen aufgrund von Covid 19 abgesagt werden“, so Hartmut Marx. Darunter die Bürgerwerkstatt am 16. März. Auch die geplanten Bürgerbefragungen auf dem Wochenmarkt konnten nicht stattfinden.

„Eine direkte Bürgerbeteiligung ist schwer ersetzbar“

Online konnten die Bürger sich zwar einbringen, die Teilnahme fiel während der Corona-Pandemie aber eher verhalten aus. „Und dabei fehlt natürlich das Diskussionsmoment“, bedauerte Alfred Ruther-Melis. „Eine direkte Bürgerbeteiligung ist schwer ersetzbar.“ Gespräche mit diversen Akteuren wie dem Naturschutzbund und Bosch konnten trotz der Einschränkungen während der Pandemie stattfinden.

„Die E-Bürgerbeteiligung war so angelegt, dass sie jetzt langsam auslaufen sollte.“ Um trotzdem mehr Renningern die Möglichkeit zu geben, die Weichen ihrer Stadt mitzustellen, sollte dieses Angebot aber verlängert werden. Aspekte, die bei der bisherigen Bürgerbeteiligung angegeben wurden, waren unter anderem mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz, mehr bezahlbares Wohnen, Aufwertung des Stadtbilds, verstärkte Inklusion und die Stärkung des Radverkehrs. Darüber hinaus ist nach jetzigem Stand eine Bürgerwerkstatt für September eingeplant. Die Stadt hofft auf eine rege Beteiligung an der Veranstaltung.

Wohnraum besser nutzen

Leitfragen in dem Stadtentwicklungsplan sind unter anderem: „Wie wollen wir wohnen?“, „Wie werden wir arbeiten?“, „Wie wollen wir uns fortbewegen?“ oder auch: „Wie wichtig sind uns unsere Zentren für Handel, Dienstleistung, Gastronomie, Freizeit?“ Zum Beispiel sind aufgrund der demografischen Entwicklung manche Wohngebiete oft unterbelegt, das heißt: große Häuser werden nur von einer oder zwei Personen belegt. Zudem sind sie oft nicht seniorengerecht. Einen Ansatz hierfür sieht das IfSR in der Bildung von Quartiershäusern, einer Art Wohngemeinschaft für Senioren. Der Wohnraum wird so besser genutzt, gleichzeitig können die Senioren in ihrem gewohnten Umfeld mit der bekannten Infrastruktur und bekannten Kontakten bleiben. Beim Punkt Arbeiten schlug das IfSR beispielsweise vor, die Entwicklung des Forschungscampus Bosch in die Stadtentwicklung zu integrieren. Und bei Handel und Dienstleistung brachte das Institut die Nutzung des alten Postareals für Einzelhandel und Gastronomie ins Spiel sowie die Ansiedlung eines Baumarkts.

Der Entwurf ist noch nicht abgeschlossen. Nach der Bürgerwerkstatt werden wie Ergebnisse der Bürgerbeteiligung gesammelt und bearbeitet. Anschließend wird der Gemeinderat in seiner Klausurtagung den finalen Entwurf noch einmal diskutieren. Der Beschluss soll nach aktuellem Stand im Januar 2021 gefasst werden. Doch selbst dann wird mit dem Plan lediglich die Richtung festgesetzt, in die Renningen sich bewegen soll. Konkrete Projekte, wie beispielsweise ein eventueller Baumarkt, müssten immer erst individuell diskutiert und beschlossen werden.

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