Stadt hinter Mauern: JVA-Sommerserie In die Opfer hineinversetzen

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Die Psychologen der JVA sind für Gefangene wie auch für Mitarbeiter zuständig. Foto: kle

Heimsheim - In unserer Serie „Stadt hinter Mauern“ werfen wir einen Blick hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt Heimsheim und stellen die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Abteilungen einmal genauer vor. Mitarbeiter berichten von ihren Aufgaben und ihren Erfahrungen und von den Herausforderungen des Gefängnisalltags. Heute: Psychologischer Dienst.

Steckt jemand in einer seelischen Krise, geht er zum Psychologen. Das ist in Freiheit genau so wie im Gefängnis. In der JVA Heimsheim arbeiten deshalb mehrere Psychologen, die sowohl für die Gefangenen als auch für die Mitarbeiter ein Ansprechpartner sind. Das reicht, vor allem im Fall der Gefangenen, vom klärenden Gespräch bis hin zur Suizid-Vorbeugung.

Intensive Erfahrungen für die Gefangenen

Sitzungen für den persönlichen Bedarf, das ist die eine Seite. Die andere, das sind festgelegte Therapien, zugeschnitten auf den jeweiligen Gefangenen. „Wir wollen die Menschen ja nicht einfach nur wegsperren, sondern dazu beitragen, dass sie danach ein freies Leben ohne Straftaten führen“, erklärt eine der Psychotherapeutinnen der JVA. In der Therapie müssen sich die Täter mit ihrer Tat auseinandersetzen und sich Fragen stellen wie: „Warum bin ich straffällig geworden? Wie kann ich das in Zukunft vermeiden?“ Meist handelt es sich um Einzeltherapien, vor allem bei Sexualstraftätern und schweren Gewalttätern sind aber auch Gruppensitzungen vorgesehen.

Mit einer lockeren Selbsthilfe-Atmosphäre, aus der man sich schon irgendwie herauswinden kann, hat das nichts zu tun. Im Gegenteil sei das eine sehr intensive Erfahrung für die Betreffenden, erzählen die Psychologen. „Die Männer müssen hier sehr offen über ihre Straftaten sprechen und auch die Opferperspektive einnehmen, den Schaden erlebbar machen, den sie angerichtet haben.“ Zwang gibt es letztlich nicht. Kein Gefangener kann zu einer Therapie gezwungen werden – wie sollte das auch gehen? Die Chance auf frühere Entlassung ist dann aber gleich null, wenn er nicht mitarbeitet.

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