Stadt hinter Mauern: JVA-Sommerserie Die Zeit ist knapp

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Im Männervollzug arbeiten auch Frauen. Jens-Uwe Brzoska findet das sehr positiv. Foto: Kathrin Klette

Heimsheim - In unserer Serie „Stadt hinter Mauern“ werfen wir einen Blick hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt Heimsheim und stellen die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Abteilungen einmal genauer vor. Mitarbeiter berichten von ihren Aufgaben und ihren Erfahrungen und von den Herausforderungen des Gefängnisalltags. Jens-Uwe Brzoska ist in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim Leiter einer Substituiertenabteilung. Derzeit ist er außerdem übergangsweise der Bereichsdienstleiter für das gesamte Gefängnis.

Herr Brzoska, was macht eigentlich ein Bereichsdienstleiter?

Als solcher bin ich gewissermaßen das Bindeglied zwischen den Abteilungen. Ich muss zum einen den Überblick über die Zellen haben und schauen, wenn Neue ankommen, wo sie hinkönnen. Oder wenn sich zwei Gefangene zum Beispiel nicht vertragen, wie man sie anderweitig unterbringen kann. Ich habe außerdem eine Kontrollfunktion gegenüber den Mitarbeitern. Kurz gesagt: Ich muss schauen, dass sie ihre Arbeit machen.

Auch im Männergefängnis arbeiten Frauen im Vollzug. Ihre Anzahl ist aber noch relativ niedrig, oder?

Bei den Älteren ja. Insgesamt ist die Frauenquote im klassischen Vollzug aber stark gestiegen. Ich finde das sehr positiv. Es ist zum Beispiel so, dass viele Gefangene sich tatsächlich besser benehmen, wenn eine Frau mit auf dem Stockwerk ist.

Im Gespräch mit anderen Mitarbeitern tauchte immer wieder der Wunsch auf, dass in Gefängnissen mehr Stellen geschaffen werden. Sehen Sie das auch so?

Das ist so. Das fängt schon an bei normalen Gesprächen mit den Gefangenen, dafür ist gar nicht groß die Zeit da. Es geht weiter bei begleiteten Ausgängen. Die sind nicht fest eingeplant, die Zeit dafür muss man sich nehmen, und die Arbeit des Mitarbeiters muss dann ein anderer übernehmen. Mal mit einem Gefangenen aufs Arbeitsamt gehen zum Beispiel, das habe ich auch schon gemacht, aber sehr selten, denn der Zeitaufwand ist einfach sehr groß. Gleichzeitig findet man immer weniger Ehrenamtliche, die sich einbringen.

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