Stadt hinter Mauern: JVA-Sommerserie Der Alltag beginnt lange vor 6 Uhr

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Marco Hietscholt ist Vollzugsbeamter in der JVA Heimsheim. Foto: Kathrin Klette

Heimsheim - In unserer Serie „Stadt hinter Mauern“ werfen wir einen Blick hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt Heimsheim und stellen die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Abteilungen einmal genauer vor. Mitarbeiter berichten von ihren Aufgaben und ihren Erfahrungen und von den Herausforderungen des Gefängnisalltags. Heute: Der Vollzug in seinen unterschiedlichen Facetten.

Es ist 5.40 Uhr. Für die meisten Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim beginnt spätestens jetzt der Alltag. Ein Frühdienstbeamter beginnt mit dem Aufschließen der Zellen und überprüft, ob die Gefangenen alle da und am Leben sind. Dann wird das Frühstück ausgeteilt.

Um 6.10 Uhr ist bereits das Arbeiterabrücken. Alle Gefangenen, die in den Werkbetrieben der JVA arbeiten, gehen dann geschlossen und unter Aufsicht in den großen Komplex, in dem sich unter anderem die Druckerei und die Schlosserei befinden. Ihre Abwesenheit wird in der Regel auch dafür genutzt, die Zimmer der Gefangenen zu durchsuchen. Mittags kommen die Männer zurück in ihre Zellen zum Essen, am Nachmittag geht es wieder zur Arbeit.

Abgesehen von den stets verschlossenen Türen ein relativ normaler Arbeitstag. Der endet allerdings nicht wieder direkt in der Zelle. Jeder Gefangene hat Anspruch auf eine Stunde Hofgang und eineinhalb Stunden zusätzlich Freizeit außerhalb seiner Zelle, die er einigermaßen individuell gestalten kann. Da gibt es zum Beispiel die Freizeitgruppen, die von Ehrenamtlichen angeboten werden, in jedem Stockwerk gibt es außerdem Küchen für die gemeinsame Nutzung sowie kleine Freizeiträume.

So in etwa sieht ein üblicher Wochentag im klassischen Regelvollzug aus, wie ihn viele wahrscheinlich vor Augen haben, wenn sie an das Leben im Gefängnis denken. Wobei es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Wer arbeitsunfähig ist, krank oder im Rentenalter, muss natürlich nicht in die Betriebe gehen und bleibt auch tagsüber die meiste Zeit in seiner Zelle. Andere arbeiten in der Wäscherei oder in der Küche und haben andere Arbeitszeiten. Wieder andere gehen statt zur Arbeit zum Schulunterricht. Wenn es gerade keine ausreichenden Arbeitsangebote gibt, bekommen die davon Betroffenen Ausgleichsangebote im Sport.

Doch es gibt noch ganz andere Arten des Vollzugs. Nicht wenige Gefangene sind drogenabhängig und müssen von den anderen separiert werden. Oder sie sind gefährlich und benötigen deshalb besondere Aufsicht. Je nach Abteilung und Stockwerk zeigt sich dann ein ganz eigenes Bild vom Vollzug, und es herrschen zum Teil ganz unterschiedliche Bedingungen.

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