Spvgg Warmbronn Thomas Hoene gibt den Vorsitz ab

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Thomas Hoene prägte den Waldmeisterlauf zehn Jahre lang als Organisationschef. Foto: Andreas Gorr

Leonberg - Schon sein Vorgänger hat ihn gewarnt: „Mit weniger als 26 Jahren kommt man hier nicht weg“, sagte einst Walter Straubinger zu Thomas Hoene schmunzelnd, als dieser das Amt des Vorsitzenden 1994 übernahm. Walter Straubinger hatte die Spvgg Warmbronn von 1968 bis 1994 geführt. Bei Thomas Hoene sind es nun – mit einer dreijährigen Unterbrechung in zweiter Reihe zwischen 2003 und 2006 – sogar 27 Jahre, wenn dieser am Freitag in der Mitgliederversammlung der Sportvereinigung den Vorsitz abgibt. Straubinger und Hoene haben zu ihren Zeiten in Warmbronn eine Ära begründet. Nur wenige Vereine dürften in den vergangenen 50 Jahren mit zwei Vorsitzenden ausgekommen sein.

„Unser wunderschönes Vereinsgelände habe ich von meinem Vorgänger, der sich als Diplom-Ingenieur stark eingebracht hat, so übernommen“, weist Hoene zu große Verdienste von sich. Einer seiner ersten Meilensteine war es, das Kurssystem mit qualifizierten Übungsleitern im Breitensportbereich durch zusätzliche Kursbeiträge finanziell abzusichern. „Unsere Gesundheits- und Erwachsenensportkurse sind bis heute nach dem gleichen Prinzip organisiert“, erklärt Thomas Hoene.

Organisation des 100-Jahr-Jubiläums

In den folgenden Jahren packte der Wirtschaftsanwalt trotz einer 60- bis 70-Stunden-Woche überall an, wo er gebraucht wurde. Beim Pfingstzeltlager war er ebenso dabei wie beim Waldmeisterlauf – dem Warmbronner Sport-Aushängeschild schlechthin – , den er zehn Jahre lang leitete. „Der Waldmeisterlauf gehörte mal zu den zehn größten Volksläufen in Baden-Württemberg“, erzählt er. Der große Aufschwung im Mädchen- und Frauenfußballs bei der Spvgg fiel ebenso in seine Amtszeit wie die rasante Entwicklung der Mountainbike-Abteilung, die eng mit dem Namen von Axel Raichle verbunden ist und heute von Hans-Jürgen Koslowski geleitet wird. Und nicht zuletzt feierte die Spvgg Warmbronn unter Hoenes Ägide 2010 ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem Umzug und einem großen Festakt.

Drei große Bauprojekte hat Thomas Hoene als Vorsitzender begleitet: Zunächst die Rundlaufbahn um den Rasenplatz, die mit damals noch 400 000 D-Mark zu Buche schlug. „Da steckte viel Eigeninitiative drin, wir haben die Bahn meterweise für 1000 Mark an Sponsoren verkauft“, erinnert er sich. Noch kreativer zeigte sich der Verein im Jahr 2009 beim Umbau des Ascheplatzes in einen Kunstrasen, als unter anderem ein Kuhfladen-Roulette ins Leben gerufen wurde. „Der Umbau ist ein Stück weit auf Druck von Eltern passiert, die sonst ihre Kinder zum Fußball nach Eltingen gebracht hätten“, erzählt Hoene. Das dritte Großprojekt war die Komplett-Sanierung der Rolf-Wagner-Halle 2018, bei der das historische Gebäude modernisiert wurde. „Da war ich täglich auf der Baustelle“, weiß Hoene noch gut, der zudem zwei Jahrzehnte lang im Warmbronner Ortschaftsrat aktiv war.

Auseinandersetzung mit der Stadt

Geschätzt hat der 69-Jährige stets den Umgang mit Menschen. „Man kann sich nicht aussuchen, mit wem man in einem Verein zusammenarbeiten muss. Aber von jedem kann man etwas fürs Leben lernen“, sagt der vierfache Vater und neunfache Großvater. Als Vorsitzender habe er stets Menschen begeistern müssen. „Das war manchmal anstrengend, aber auch erfüllend“, findet er. Als sein größtes Ärgernis bezeichnet er die Auseinandersetzungen mit der Stadt, als diese 2015 auf dem Sportgelände eine Flüchtlingsunterkunft aufstellen wollte. „Das war unüberlegt, da wäre ein normaler Sportbetrieb nicht mehr möglich gewesen“, sagt er und erinnert sich an eine lautstarke Diskussion mit dem damaligen Oberbürgermeister Bernhard Schuler.

Es überrascht nicht, dass Hoene die Suche nach einem Nachfolger als sein schwierigstes Projekt bezeichnet. Als er zu Beginn des vergangenen Jahres bei einer Hauptausschusssitzung verkündete, sein Amt niederzulegen, löste er bei seinen Kollegen erst einmal eine Art Schockstarre aus. Nachdem sich dann herauskristallisiert hatte, dass zwei Schultern nicht ausreichen werden, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, boten sich dann jedoch Alfred Thaler, der Chef-Organisator des Waldmeisterlaufes, und Saskia Küsell, die Abteilungsleiterin der Singfreu(n)de, an, im Tandem anzutreten.

30 Aktenordner vom Vorgänger

In der Mitgliederversammlung übergibt Thomas Hoene den Staffelstab offiziell an sein Nachfolger-Duo. Faktisch hat er bereits einen Großteil seiner Verantwortung übertragen, steht jedoch weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. „Ich habe ein gutes Gefühl bei den beiden“, freut sich Hoene. Er selbst habe damals 30 Aktenordner von seinem Vorgänger übernommen, seine Nachfolger hätten die wichtigsten Daten einfach in eine Cloud gestellt.

Die ersten Schritte in eine möglicherweise neue Ära sind bei der Spvgg Warmbronn gemacht. Und in einem Punkt blickt Thomas Hoene, der sich in Zukunft verstärkt um die von seiner Familie gegründete Bildungsstiftung kümmern will, sehr zufrieden auf seine Amtszeit: „Finanziell ist der Verein gut aufgestellt.“

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