Sport-Momente im Altkreis Leonberg Ein bleibender Punkt auf der Squash-Landkarte

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International: Renningens Sandy Suck (links) gegen Liz Irving (Australien/Paderborn). Foto: Steffen Rometsch

Renningen - In den 1990er-Jahren hat der Squash-Sport in Deutschland eine Boom-Zeit erlebt: Gab es 1975 noch etwa 20 Squash-Center im Land, waren es 1990 schon knapp 1000. Auch in Renningen hatte der Sport, der Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstand und in den 1930er-Jahren nach Deutschland hinüberschwappte, damals im Renninger Squash-Club eine feste Fangemeinde. Etwa 30 Jugendliche und 35 aktive Spieler gingen dem Rückschlagsport in der Rankbachgemeinde nach.

Um vor allem den talentierten Eigengewächsen aus der Jugend einen Anreiz zum Bleiben zu geben und sie durch starke Trainingspartnerinnen noch besser zu machen, entwickelte sich dank des Engagements des umtriebigen Heinz Gässler eine immer stärkere Frauenmannschaft, die 1997 den Sprung aus der Oberliga in die Bundesliga schaffte. Sportlich hatte sich das Team sogar schon ein Jahr zuvor für die deutsche Eliteliga qualifiziert, wegen der hohen damit verbundenen Kosten nahm der Verein das Aufstiegsrecht damals jedoch noch nicht wahr.

Etat zwischen 25 000 und 30 000 D-Mark

Die Finanzen waren über all die Jahre ein Thema bei den Squash Bandits – kein Wunder bei einem Etat von rund 25 000 bis 30 000 Deutschen Mark, die eine Saison in der Beletage des Squash-Sports vor allem aufgrund der hohen Fahrtkosten zu Gegnern in ganz Deutschland kostete. „Es war ein Stück weit natürlich auch eine Liebhaberei von meinem Vater, so eine Randsportart in Renningen zu etablieren“, sagt dessen 36-jähriger Sohn Patrick Gässler heute.

Die großen Hausnummern in der Squash-Bundesliga kamen damals alle aus Nordrhein-Westfalen: Herford, Gütersloh und Paderborn machten den Deutschen Meistertitel regelmäßig unter sich aus. „Ab und zu haben wir aber durchaus für Furore sorgen können“, erinnert sich Patrick Gässler. Renningen sei stets in einer „Underdog-Rolle“ gewesen, habe aber ein „cooles Team“ mit vielen deutschen Spielerinnen und einer gesunden Altersmischung gehabt.

Bundesliga-Debüt mit 16 Jahren

Ein echtes Eigengewächs: Simone Weidner. Foto: Jürgen Bach
Eines der Renninger Eigengewächse, das damals für Furore sorgte, war Simone Weidner. Nina Fichler gab sogar im Alter von 16 Jahren ihr Bundesliga-Debüt. Aus Bamberg war Sandy Suck zu den Bandits gewechselt, die damals zu den fünf besten Spielerinnen in Deutschland gehörte. Ergänzt wurde die junge Rasselbande durch erfahrene Kräfte wie Margrit Scholl, Katja Leuschner, Sabine Burkhart und die Finnin Kia Paasivirta.

Besonders stark vertreten war in Renningen stets das Schweizer Element durch Spielerinnen wie Manuela Zehnder, die später U 19-Europameisterin wurde, Olivia Hauser, Mirja Eckert und Agnes Müller. „Die Schweizerinnen haben oft in meinem Kinderzimmer übernachtet, die Spielerinnen wurden ja alle privat untergebracht“, erzählt Patrick Gässler, der zu einigen Schweizerinnen noch heute Kontakt hat.

Court mit Teppich ausgelegt

Mit viel Liebe gemacht: das Spieltagsheft. Foto: privat
„Unsere Heimspiel-Tage haben wir immer sehr liebevoll organisiert“, weiß Patrick Gässler. In Zusammenarbeit mit einem Grafik-Designer sei jeweils die Spieltags-Zeitschrift „Bandits-Time“ entstanden. „Einen Court hatten wir stets mit einem Teppich ausgekleidet und ausgeschmückt, das war der VIP-Bereich“, führt der 36-Jährige weiter aus. Möglich machte all das Heinz Gässler, der sich als Hansdampf in allen Gassen gleichzeitig um die Sponsorensuche, die Pressearbeit und die gesamte Organisation kümmerte.

Doch diese Konstellation war letztendlich nach vier Jahren auch der Grund für das Ende der Bundesligareise der Squash-Bandits. „Das ganze Projekt stand und fiel mit den Leuten, die sich dafür engagiert haben“, sagt Patrick Gässler.

Ende des Projekts im Jahr 2001

Da im Jahr 2001 die gesamte Arbeit auf zu wenigen Schultern lastete, wurde der Bundesliga-Betrieb schließlich eingestellt. „Es hätte die Möglichkeit gegeben, noch ein paar Jahre weiterzumachen. Aber da es ohne ein entsprechend engagiertes Team keinen Sinn mehr machte, war es konsequent, das Projekt zu beenden“, sagt Patrick Gässler rückblickend.

Sein Vater Heinz ist im Jahr 2010 im Alter von nur 59 Jahren gestorben. Viele seiner Ideen hat er mit den Squash Bandits realisiert. Einen Traum hatte er jedoch, der nicht in Erfüllung ging: „Wir hätten gerne Squash einmal einer großen Öffentlichkeit im Leo-Center in Leonberg präsentiert“, sagt Patrick Gässler. Konkretisiert wurde diese Idee jedoch nie. Dennoch haben die Bandits ihre Spuren in der Bundesliga hinterlassen. „Mein Vater hat dafür gesorgt, dass wir als Provinzclub einen bleibenden Eindruck auf der Squash-Landkarte hinterlassen haben“, lautet Patrick Gässlers Fazit.

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