Sport-Momente im Altkreis Das Sahnehäubchen: Sieg gegen die Kickers

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Gruppenbild vor dem Rathaus: Die TSF Ditzingen auf dem sportlichen Höhepunkt Mitte der 90er-Jahre. Foto: tsf-museum.de

Ditzingen - Fragt man Andreas Broß nach dem Höhepunkt seiner Zeit bei den TSF Ditzingen, kommt der langjährige Kapitän natürlich sofort auf den 20. November 1994 zu sprechen: An diesem Sonntagnachmittag bezwangen die TSF Ditzingen die Stuttgarter Kickers vor offiziell 4200 Zuschauern im randvollen Stadion an der Lehmgrube mit 3:0. „Das Krokodil“ Sean Dundee kurz vor der Pause (41.) und Mitte der zweiten Halbzeit (69.) sowie Marco Russo in der Schlussphase (85.) schossen die Tore zum 3:0-Sieg gegen den scheinbar übermächtigen Konkurrenten. „Von diesem Spiel sprechen die TSF-Fans bis heute“, weiß Andreas Broß nur zu gut.

Der TSF-Abwehr mit Joachim Cast, Ralf-Markus Hirsch, Marco Santelli und Jürgen Wagner gelang es an diesem Tag, hinten die Null zu halten – und das gegen einen Kickers-Sturm mit dem pfeilschnellen Jonathan Akpoborie, der in dieser Saison mit 37 Treffern Torschützenkönig werden sollte, und Markus „Toni Fußballgott“ Sailer. Zudem hatten die Stuttgarter Kickers zu dieser Zeit weitere namhafte Akteure wie Alexander Malchow, Adnan Kevric und Robert Hofacker in ihren Reihen stehen. Es überraschte daher nicht, dass die Blauen im Rückspiel bittere Revanche nahmen und die TSF mit einem 6:0 nach Hause schickten. „Da haben wir eine richtige Klatsche gekriegt, das 0:3 hatten die Kickers persönlich genommen“, erinnert sich Andreas Broß.

Kapitän schon in der ersten Saison

So schön kann Torschütze Andreas Broß jubeln. Foto: Baumann
Er war 1991 im Alter von 20 Jahren von den Stuttgarter Kickers zu den TSF gekommen und blieb dort fünf Jahre lang. Schon in seiner ersten Saison trug er die Kapitänsbinde. „Wir waren damals in der Jugend noch nicht so austrainiert wie heutige Spieler und haben uns zwischen 18 und 21 Jahren noch weiterentwickelt“, erzählt Broß. Die TSF seien damals ein tolles Sprungbrett für Talente gewesen, die sich später teilweise – wie eben Sean Dundee und Fredi Bobic – zu großen Persönlichkeiten entwickelt hätten.

Finanziell möglich gemacht habe das damals alles Eberhard Ruf. „Er war ein begnadeter Kommunikator. Der kam in den VIP-Raum beim VfB und hat den ganzen Saal unterhalten“, erinnert sich Andreas Broß. Dank Rufs Finanzschatulle hätten die TSF damals einwöchige Trainingslager in Spanien und der Türkei möglich machen können – zum Teil mit dem Fanclub der „Wilden Jungs“.

Frühschoppen-Derbys gegen 07 Ludwigsburg

Sean Dundee mit Spielleiter Manfred Zimmermann (†/links). Foto: Andreas Gorr
Doch nicht nur mit den Stuttgarter Kickers – bei der 2:4-Niederlage in der Saison 1995/96 in Degerloch schoss Broß beide Tore für die TSF – lieferten sich die Ditzinger hochkarätige Regionalliga-Duelle. „Auch bei den Frühschoppen-Derbys am Sonntagvormittag gegen die SpVgg 07 Ludwigsburg war die Bude voll“, weiß Broß noch gut. Zudem sorgten die Partien gegen die Offenbacher Kickers, Darmstadt 98, den SSV Reutlingen und den SSV Ulm für vierstellige Zuschauerzahlen in der Lehmgrube.

„Mit Ulm haben wir uns auch im WFV- Pokal einige Male duelliert, zweimal haben wir im Finale verloren“, erzählt Andreas Broß. Richtig sauer sei Eberhard Ruf geworden, als die TSF sogar einmal gegen die zweite Mannschaft des SSV aus der Landesliga verloren. Dafür holten die TSF 1993 den WFV-Pokal durch einen 3:2-Sieg im Finale gegen die SV Böblingen an die Lehmgrube. Der Lohn war die Qualifikation für den DFB-Pokal: Nach einem Freilos in der ersten Runde empfingen die Ditzinger in der zweiten Runde den FC Hansa Rostock und unterlagen vor 2500 Zuschauern mit 0:2, wobei der zweite Treffer erst in der Schlussminute fiel.

Hohe Beiträge zur Berufsgenossenschaft

Für das Ende der goldenen TSF-Jahre war nach Meinung von Andreas Broß vor allem die Erhöhung der Versicherungsbeiträge für Fußballer um gut 600 Prozent in der Berufsgenossenschaft mit verantwortlich. „Das hat den Verein finanziell überfordert“, sagt er. Als die Regionalliga zweigeteilt worden sei, seien die Vereinsstrukturen nicht parallel mitgewachsen. „Man hat es damals mit Gewalt versucht und sich mit der Verpflichtung von auswärtigen Spielern übernommen“, sagt Andreas Broß, der den Verein 1996 in Richtung 1. FC Kaiserslautern verließ, jedoch schon im Januar 1997 und nochmals 2002 – nach einem zweijährigen Intermezzo beim SV Sandhausen – wieder zurückkehrte. Doch an die goldenen 1990er-Jahre konnten die TSF Ditzingen nie mehr anknüpfen.

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