Sport im Kreis Ludwigsburg Große Vereine bangen um die Existenz

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Betreten verboten: Sportvereine leiden auch wirtschaftlich unter den Folgen der Corona-Pandemie. Foto: factum/Andreas Weise

Kreis Ludwigsburg - Sporthallen und -plätze sind dicht, Schwimmbäder geschlossen. Das trifft viele, Mannschaftssportler vielleicht ein bisschen mehr als Einzelkämpfer, vor allem aber die Clubs. Besonders den größeren Vereinen, die Darlehen bedienen, Gehälter von Trainern und Mitarbeitern bezahlen und laufende Kosten decken müssen, setzt die Corona-Krise zu. Manche bangen bereits jetzt, etwas mehr als einen Monat nachdem die Sportstätten schließen mussten, um ihre Existenz.

„Wir haben riesengroße Probleme“, sagt Ralph Schanz, Geschäftsführer des MTV Ludwigsburg, „wir kämpfen ums Überleben.“ Im Moment nimmt der Verein mit seinen rund 7500 Mitgliedern 80 000 Euro weniger pro Monat ein. Geld, das er eigentlich dringend benötigt. Der MTV hat 2018 ein zweites Bewegungszentrum gebaut, auch die Fusionen mit der Spvgg 07 Ludwigsburg und dem SC Ludwigsburg haben Geld gekostet. „Eine Krise kommt nie zur rechten Zeit“, sagt Schanz, „aber für uns kommt sie gerade besonders ungelegen.“

Finanzielle Aspekte wiegen bei den Kleinen weniger schwer

Das gilt auch für den SV Kornwestheim, der erst kürzlich sein Funsportzentrum erweitert hat. Kosten: rund 2,5 Millionen Euro. Geschäftsführer Thomas Eeg schätzt, dass dem SVK gerade monatlich rund 100 000 Euro verloren gehen. Wie der MTV auch haben die Kornwestheimer Kurzarbeit angemeldet. Noch halte sich der finanzielle Schaden in Grenzen, „in drei oder vier Monaten bekommen wir aber massive Probleme“, sagt Eeg. Ralph Schanz verhandelt bereits mit Banken über weitere Kredite.

„Bisher scheint es, als treffe es die kleinen Vereine nicht so hart“, sagt Matthias Müller, der Vorsitzende des Sportkreises. Auch sie müssen finanzielle Einbußen hinnehmen, diese wiegen aber nicht so schwer. Beispiele, die das belegen, gibt es dutzende: Beim Hockeyclub Ludwigsburg etwa übernachten keine Gäste mehr im Sporthostel. „Deswegen haben wir aber keine große Not“, sagt Sprecher Michael Thum. Die Trainer bezahlt der HCL noch, zwei von ihnen haben diesen Monat auf einen Teil des Gehalts verzichtet. Solche Gesten gibt es bei vielen anderen der 516 Vereine im Kreis. Diejenigen von ihnen, die eine Gaststätte verpachten, versuchen gemeinsam mit dem Wirt, eine Lösung zu finden. Gemeinsam ist die Devise. „Das ist ja im Sportverein lange gelernt“, sagt Petra Kutzschmar, Vorsitzende des Stadtverbands Sport in Ludwigsburg.

Bei den mittelgroßen und kleinen Vereinen steht nach wie vor das Sportliche im Vordergrund. „Die finanziellen Auswirkungen sind noch verkraftbar“, sagt auch Bodo Pfeiffer vom TSV Schwieberdingen, „unser größtes Problem ist, dass wir keinem Sport machen können.“ So sieht das auch Sabine Wahl, Vorsitzende der KSG Gerlingen. „Die Leichtathleten könnten eigentlich alleine trainieren, aber es stehen ja auf absehbare Zeit auch keine Wettkämpfe an.“ Anderswo nutzen Übungsleiter und Sportler digitale Kanäle, um sich über Trainingsprogramme auszutauschen – trotz wettkampf- und spielfreier Zeit. Der 1. Tanzclub Ludwigsburg bietet sogenanntes E-Training an, auch die Basketballer der BSG Ludwigsburg halten sich daheim fit. Viele Clubs haben Trainingsvideos für jedermann zum Mitmachen online gestellt. Immer wieder loben die Verantwortlichen das Engagement ihrer Mitglieder und Trainer, das in den letzten Wochen noch einmal zugenommen habe. Die Solidarität sei groß – noch! Denn die Frage, die über allem steht, lautet: Wie lange geht es noch so weiter?

Wie lange hält die Solidarität?

Viele Vereine haben ihre Mitglieder dazu aufgerufen, Beiträge weiterhin zu zahlen, auch wenn sie derzeit keine Möglichkeiten haben, Angebote zu nutzen. Eine Austrittswelle gibt es bislang jedenfalls nicht. Die meisten Vorstände gehen davon aus, dass die „normalen“ Mitglieder ihnen die Treue halten werden. Rechtlich gibt es für sie ohnehin keine Grundlage, die Beiträge zurückzufordern.

Bei Kursangeboten und Verträgen mit Fitnessstudios ist das anders. Jan Bodmer, Geschäftsführer beim TSV Bietigheim hat Zweifel, ob die Sportler, die das vereinseigene Fitnessstudio „SportQuadrat“ nutzen, ewig Geduld haben. Im April habe es nur wenige Beschwerden gegeben, „die Frage ist halt, zahlen die Leute auch noch im dritten Monat ohne Trainingsmöglichkeit?“ Dass zum Beispiel Frisöre wieder öffnen dürfen, Sporteinrichtungen aber nach wie vor komplett geschlossen bleiben müssen, kann Bodmer nicht verstehen. Der TSV erarbeitet trotzdem vorsorglich Hygieneregeln und Pläne für die Zeit, wenn auch die Sportstätten langsam wieder zum Leben erwachen dürfen. Zudem gibt es augenscheinlich Ungereimtheiten: Am Schloss Monrepos sind die Golf-Greens gesperrt, die Reiter freilich satteln hoch zu Ross ihre Dressur-Pferde.

Die mitgliederstarken Clubs im Kreis beklagen unisono, dass der Sport in den bisherigen Überlegungen der Landespolitik und auch auf kommunaler Ebene überhaupt keine Beachtung gefunden habe. „Für alles mögliche gibt es Rettungsschirme, aber der Sport wird links liegen gelassen“, sagt Ralph Schanz. Er argumentiert, dass gerade die großen Vereine wichtige gesellschaftliche Aufgaben – über den Sport hinaus – wie Betreuung, Ausbildung, Gesundheitsvorsorge, Integration und Inklusion wahrnehmen würden.

Ludwigsburg zahlt größere Fördersumme aus

Dass das nicht verloren geht, dafür will Oberbürgermeister Matthias Knecht kämpfen. Auch er hat zur Solidarität der Mitglieder aufgerufen. „Für mich ist es ein ganz zentrales Anliegen, dass die Vereine möglichst wenig leiden“, sagt der ehemalige erste Vorsitzende des MTV. Dass die Stadt sie aber nicht in dem Maße unterstützen kann, wie vor der Krise, weiß Knecht auch. Kurzfristig greift die Stadt den Clubs unter die Arme, indem sie ihnen die Hälfte des Betrags, der jedem einzelnen Verein aus der Grundförderung zusteht, auszahlt. Normalerweise erhalten die Vereine die Gelder in mehreren Tranchen über das Jahr verteilt. Wie viel vom Rest des Geldes, mit dem die Vereine eigentlich rechnen durften, auch bei ihnen landet, darüber entscheidet der Gemeinderat, wenn er über den Haushalt neu verhandelt. Knecht verweist dabei auch auf Gewerbesteuern in Millionenhöhe, mit denen man geplant hatte, die nun aber wegfallen werden. „Wenn dieses Geld nicht so fließt wie geplant, werden das am Ende alle merken“, sagt MTV-Geschäftsführer Ralph Schanz zur Förderung, „Nicht nur die Großen, auch die Kleinen.“

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