Spitalhof Leonberg Der Scherz mit der Terz

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Klavier und Gitarre, mehr brauchen Timm Beckmann und Markus Griess nicht, um ihr Publikum bestens zu unterhalten. Foto: factum/Weise

Leonberg - Musikunterricht und Nachhilfe einmal ganz anders. Einen Scherz mit der Terz trieben die beiden außergewöhnlichen Kabarettisten Timm Beckmann und Markus Griess im Theater im Spitalhof mit ihrem neuen Programm „Was soll die Terz …“ vor gut gefülltem Saal.

Und sie trauten sich was. Gleich zu Beginn erklärte der Essener Beckmann dem überraschten Publikum, nicht nur zum ersten Mal in Leonberg zu sein, sondern vorher gar nicht gewusst zu haben, „dass es Leonberg überhaupt gibt“. Ein gewagtes Intro, das dem Profimusiker gleich bewies, womit er es zu tun hatte. Einem sehr ­humorvollen Publikum nämlich, es lachte und verzieh. Mit den Zuschauern zu interagieren ist eines der Hauptelemente der Show, die wenig kategorisiert werden kann, außer, dass sie wirklich ausgesprochen lustig ist. Anwesend war eine bunte Schar von Kabarettliebhabern und Musikkennern, wie sich während des Abends immer wieder herausstellte, die sich trotz kalter Temperaturen und einem eisigen Wind, der durch die engen Gassen pfiff aufgemacht hatten, um sich den Zusammenhang von klassischer Musik mit Rock und Pop erklären zu lassen.

Kommt Pianist Bergmann als Gentleman im Anzug daher, braust Markus Griess fetzige Heavy-Metal-Töne mit seiner Gitarre über die Bühne, der Rest kommt aus dem Synthesizer. Die Einstimmung erfolgte als Film-Medley zum Mitraten: das Publikum hört die Titelmusiken von Pulp Fiction, über James Bond, Amelies wunderbarer Welt, der nur noch älteren Semestern bekannten (unerträglichen) Lovestory, Kings Speech und Mission Impossible, dem unverwüstlichen Rocky-Thema bis zu – man glaubte es kaum – den guten Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice. Spielten die beiden ihre Zusammenfassung zunächst vor, kam hinterher der Unterricht.

Was ist schlimmer: Taubheit oder Hämorrhoiden?

„Wir sehen unsere Arbeit als Kulturauftrag“, wird das Konzept nicht ohne Ernst erläutert. Ein Pingpong mit Künstler­namen lockert die Schulstunde deutlich auf und Weisheiten gelehrt, die man so schnell nicht mehr vergisst. „Für Komponisten ist Taubheit nicht so schlimm wie Hämorrhoiden“, in Anspielung an einen angeblich an dieser Krankheit verstorbenen weltberühmten Tonkünstler der Klassik. In Sachen Beethoven und Mondscheinsonate wird es nicht weniger deftig. „Für Pianisten auf Brautschau ist sie der Dosenöffner schlechthin“, verrät Beckmann dem grölenden Publikum

. Dann lauschen alle einer Vorlesung zum Thema große und kleine Terz. Doch gestaltet der Dozent seine geistreiche Abhandlung keineswegs langweilig, sondern verbindet sie mit kleinen Tonbeispielen an Flügel und Gitarre. Diese fallen deutlich grooviger als „Kuckuck, Kuckuck ruft‘s aus dem Wald“. Die Ähnlichkeit mit der Titelmusik der erfolgreichen Serie über einen klugen Delfin in den 60er Jahren des ­vergangenen Jahrhunderts führt dann zu sinnreichen Abwandlungen des Motivs in     „Flipper, Flipper, ruft‘ s aus dem Wald“.

Intelligente Dialoge

Spätestens an dieser Stelle waren die Herzen der Zuschauer gebrochen, Tränen rollten vor Lachen. So brachten der Gewinner des deutschen Kleinkunstpreises Timm Beckmann zusammen mit Markus Griess, bekannt durch die parodistische Kabarettshow „Der Popolski Show“, alle auf die Bühne: den Paten und Rocky, Tschaikowsky und Led Zeppelin, Leo und Kate, Mozart und die Foo Fighters. In ihren intelligenten Dialogen zeigten sie auch schauspielerische Qualitäten, performten gut gelaunt und sehr entspannt ein fein­sinniges Kasperletheater für erwachsene ­Musikliebhaber.

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