SPD Renningen/Rutesheim Wahlkampf nicht erst kurz vor der Wahl

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„Der Sitzverlust vor fünf Jahren hat gezeigt: Wir müssen aktiver werden“, sagt Jan Hambach. Foto: factum/

Kommunalwahl - Die SPD hatte bei dieser Wahl keinen leichten Stand. Nicht nur überregional sahen die Ergebnisse wenig rosig aus, auch in vielen kommunalen Gremien mussten die Sozialdemokraten Federn lassen. Ein paar Städte und Gemeinden standen diesem Trend aber entgegen. Im Kreis Böblingen konnte bei vier Gemeinderatswahlen die jeweilige Parteiliste sogar Stimmen hinzugewinnen, darunter in Renningen und in Rutesheim.

Zwar geht es nur um wenige Prozentpunkte, in Renningen sogar nur um einen halben. In beiden Städten konnte die Partei damit aber einen zusätzlichen Sitz im Gremium gewinnen. Viele Vorbereitungen sind dem Ganzen vorausgegangen, berichten Jan Hambach aus Renningen und Tommy Scheeff aus Rutesheim, Stimmenkönige ihrer jeweiligen Liste.

Für den 24-jährigen Jan Hambach ist die Kommunalwahl auch seine ganz eigene Erfolgsgeschichte. Der ehemalige Vorsitzende der Jusos im Kreis Böblingen sitzt seit etwa einem Jahr im Renninger Gemeinderat – er rückte für Reinhard Händel nach, der das Gremium im Juli 2018 verlassen hatte – und erhielt bei der Wahl die meisten Stimmen auf seiner Liste. Sein Name führte die Liste auch auf dem Wahlzettel an. Er erhielt 3982 Stimmen. Und noch an anderer Stelle konnte er einen entsprechenden Erfolg feiern. Im Wahlkreis Renningen für den Kreistag erhielt er ebenfalls die meisten Stimmen (2859) auf seiner Liste und löst damit die amtierende Kreisrätin Gabriele Vorreiter ab. „Im Kreistag war es klar, dass es schwierig wird, da hat es mich natürlich besonders gefreut, dass es geklappt hat.“

Nicht erst zur Wahl präsent

Doch wie hat die SPD in Renningen und Rutesheim erreicht, was andere Ortsverbände nicht geschafft haben? Dahinter steckt mehr als nur etwas verstärkter Wahlkampf zwei Wochen vor der Wahl, sind sich Hambach und Scheeff sicher. „Vor fünf Jahren haben wir einen Sitz im Rat verloren“, bedauert Hambach. „Das hat uns gezeigt: Wir müssen aktiver werden. Deshalb haben wir die letzten fünf Jahre über durchgehend Präsenz gezeigt. Wir hatten Infostände ganz unabhängig von der Wahl, waren im Austausch mit den Vereinen und waren in den sozialen Medien aktiv.“

Für Rutesheim berichtet Tommy Scheeff von ähnlichen Erfahrungen: „Wir arbeiten seit Jahren an unserer Außendarstellung, sprich: ansehnliche und saubere Website, regelmäßiger Auftritt in den Stadtnachrichten und so weiter.“ Seit 2013 organisiere der Ortsverband zudem mehrmals im Jahr Abendveranstaltungen zu aktuellen Themen, Gleiches gilt für die Sozialdemokraten in Renningen. „Zum Beispiel die Veranstaltung zu bezahlbarem Wohnraum wurde sehr gut angenommen“, berichtet Jan Hambach. Und, ergänzt Tommy Scheeff: „Wir waren die einzigen, die im Wahlkampf in Rutesheim mit Plakaten für sich geworben haben, da wurden wir auch drauf angesprochen.“

Ein weiterer Aspekt bei einer Kommunalwahl sind natürlich bekannte Namen. Gemeinderatswahlen sind wie keine andere auch Personen-Wahlen. Bekannte Gesichter holen auch auf hinteren Listenplätzen Stimmen, wie die Wahl von Dennis Metzulat sehr deutlich zeigt. Er stand auf Platz 15 der Renninger SPD-Liste und schaffte es dennoch in den Rat. Der gebürtige Renninger ist vielen noch von seiner Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2016 bekannt. Auch Meike Weiß, die für die SPD in den Rutesheimer Rat einzieht, ist als Tochter der Leonberger SPD-Gemeinderätin Christa Weiß in der Kommunalpolitik keine Unbekannte.

Früher Start der Kandidatensuche

Was die Kandidatensuche angeht, sind beide Ortsverbände früh aktiv geworden, was sich offenbar ausgezahlt hat. In Renningen machte sich der Ortsverband bereits früh im Jahr 2018 auf die Suche nach passenden Bewerbern. „Diesmal ist es uns tatsächlich leichter gefallen, weil wir durch unsere Arbeit im Vorfeld schon viele neue Leute gefunden hatten“, so Jan Hambach. Zum Beispiel haben sich die Elternbeirätinnen Anna Walther und Julia Dittus-Chatzigiannidis nicht einfach nur auf die Liste setzen lassen, sondern sind schon vor einigen Jahren über die Aktivitäten im Ort und direkte Ansprache Mitglied geworden.

Über neue Mitglieder freute sich auch der Rutesheimer Ortsverband. „Bei vielen gab es ja Anfang 2017 den ,Schulz-Effekt’, dass auf einen Schlag viele neue Mitglieder eingetreten sind“, erzählt Tommy Scheeff. „Bei uns war es anders. Über einen langen Zeitraum hatten wir gefühlt jeden Monat einen neuen Eintritt. Da haben wir immer wieder das Argument gehört, dass die Menschen Angst vor der allgemeinen politischen Entwicklung haben und sich dagegen positionieren möchten.“ Zum ersten Mal seit 1994 hatte die SPD Rutesheim nun wieder eine volle Liste, wie Scheeff berichtet. „Da steckte aber auch viel Vorbereitung dahinter.“

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