Sommertalk in Leonberg Nichts geht ohne Schafe und Amore

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Marie Matisek und Gabriella Engelmann (v.l.) schreiben Romane, die eher Frauenherzen berühren. Foto: Viola Eigenbrodt

Leonberg - Lesungen gehen schon seit einiger Zeit nicht mehr gut, berichtet Ingrid Züffle, die Leiterin der Leonberger Stadtbücherei. Umso erstaunlicher daher der Umstand, dass jeder Stuhl am Donnerstagabend zum „Sommertalk“ besetzt ist und sogar noch welche geholt werden müssen. Andererseits hatten sich auf Einladung der Buchhandlung Röhm zwei Bestsellerautorinnen angekündigt: Marie Matisek und Gabriella Engelmann.

Beide sind mit ihren aktuellen Büchern „Unter dem Limonenhimmel“ und „Schäfchenwolkenhimmel“ nach Leonberg angereist. Im ersten Moment mag einem eine gemeinsame Lesung der beiden Autorinnen merkwürdig erscheinen, da sie kein gemeinsames Werk vorlegen. Aber die Damen lesen nicht einfach nur, sie erzählen, über sich, ihre Bücher, deren Entstehungsgeschichte, die Arbeitsweise, wie sie auf ihre Ideen kommen und interviewen sich gegenseitig. Das wirkt überzeugend und begeistert. Es ist ein richtiger „Sommertalk“, so wie die Veranstaltung auch überschrieben ist.

Zwischen Nordsee und Amalfiküste

Marie Matisek ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie im Umland von München. Wenn sie sich nicht gerade neue Geschichten ausdenkt, kocht sie gerne oder gräbt ihren Garten um – und liebt erstaunlicherweise die Nordsee, wie sie erzählt, obwohl ihr aktueller Roman wie schon der erfolgreiche Vorgänger an der Amalfiküste spielt. Sie beschäftigt sich im Vorfeld intensiv mit dem Inhalt ihrer Bücher, denn sie will zwar unterhalten, aber auch informieren. So erfährt man in ihrem Roman „Ein Sommer wie Limoneneis“ beispielsweise, dass die berühmte Zitrone aus der süditalienischen Stadt nicht nur Zierde ist und man aus der Frucht den berühmten Limoncello bereiten kann, sondern auch einen wichtigen ökologischen Zweck hat: die Steilküsten mit den Plantagen zu befestigen. Was allerdings mit der Aufgabe der meist familiengeführten Betriebe immer mehr zum Problem wird. Dennoch kommt die Amore in ihren Romanen nie zu kurz, und Happy Ends sind immer garantiert.

Gabriella Engelmann ist geborene Münchnerin, lebt aber seit ihrem vierzehnten Lebensjahr in Hamburg und liebt die nordfriesischen Inseln. Schon als Kind träumte sie von knorrigen Apfelbäumen im Garten, sagt sie. Und so verwundert es kaum, dass blühende grüne Wiesenlandschaften und deren Bewohner, die Schafe, in ihren Werken eine wichtige Rolle spielen. Auch sie will in ihren Büchern nicht nur unterhalten: „Wie entwickelt sich eigentlich unsere Welt?“ – diese Frage sei eine wichtige Intension in ihren Büchern, sagt Engelmann. Auf Föhr, wo, wie der neue, einige ihrer Romane spielen, gefährde die Abwanderung der jungen Leute das wirtschaftliche Überleben der Insel.

Zwangsverpflichtet?

Matisek und Engelmann schreiben Romane, die eher Frauenherzen berühren und nicht wilde Action. Trotz alledem sind auch zwei Männer unter den zahlreichen Zuhörerinnen in der Stadtbücherei. „Die sind bestimmt von ihren Ehefrauen zwangsverpflichtet“, mutmaßt Barbara Bühler aus Gebersheim bei einer letzten Zigarette vor der Lesung, die fast wie eine unterhaltsame Show war.

Einer der beiden Herren ist jedoch alleine da und lauscht durchaus interessiert. Kein Wunder, geben die Schriftstellerinnen doch humorvoll in sehr ruhiger und entspannter Atmosphäre bei einem Gläschen Prosecco Einblicke in ihr Leben als kreative Schreiberinnen. So ist auch viel Lachen an diesem Abend garantiert. Es begleitet den amüsanten Abend von Anfang an, als Gabriella Engelmann von ihrer abenteuerlichen Reise mit der Deutschen Bahn – kaum ist das Wort gefallen, lachen bereits die Ersten – von Hamburg nach Stuttgart berichtet.

Wichtig ist ihnen auch, dass die Protagonisten ihrer Geschichten stets ein wenig älter sind und die 40 überschritten haben. „Ich finde das interessanter“, meint Engelmann, wozu Matisek heftig nickt. „Veränderungen, Neuanfänge, Brüche im Leben und die Krise als Chance sehen“, das sind nach Aussage beider die Stoffe, die sie interessieren. Natürlich haben beide auch noch kleine Textbeispiele vorgelesen, sozusagen als Appetithappen für eine spannende Urlaubslektüre mit Niveau.

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