Solidarische Landwirtschaft Es fehlt nur noch ein Acker im Heckengäu

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Die Solawi-Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag und erhalten jede Woche ein Kiste mit Gemüse, manchmal auch Obst und Mehl oder Brot. Foto: Pixabay

Rutesheim - Ein Anteil waren drei Kilogramm Kartoffeln, eine große Fenchelknolle, ein Rotkohl, eine dicke Petersilienwurzel mit Laub, ein Pfund Spinat, ein Endiviensalat, ein paar Tomaten und Paprika, 500 Gramm Zwiebeln, 800 Gramm Möhren und 700 Gramm Rote Beete“, zählt Sebastian Moritz auf.

So viel haben die Mitglieder seiner solidarischen Landwirtschaft in der Nähe von Vechta (Niedersachsen) in ihrer Gemüsekiste Ende Oktober erhalten. So eine gibt es jede Woche, dafür zahlen die Mitglieder 86 Euro im Monat – und helfen sehr viel auf dem Acker mit. „Wenn ich zum Beispiel Buschbohnen ernten muss, dann schreibe ich eine Nachricht und wir ernten zusammen. Alleine würde ich das gar nicht schnell genug schaffen“, sagt der gebürtige Brettener, der als Gärtner bei seiner Solawi angestellt war.

Idee kam während der Weltreise

Nun ist Sebastian Moritz wieder in die Heimat zurückgekommen – und schwärmt bei einem Infonachmittag in Perouses rund 50 Zuhörern vom Prinzip der solidarischen Landwirtschaft vor. Denn hier hat sich eine Gruppe zusammengefunden, um die „Solawi Heckengäu“ zu gründen. Die Idee dazu hatten Anna Eisenhardt und Heiner Langer – und zwar während ihrer über vier Jahre dauernden Weltreise im Jeep.

„Wir haben während der Reise beschlossen, etwas Sinnvolles zu machen, wenn wir wieder zurück sind. Ein Freund von uns, mit dem wir Abitur in Leonberg gemacht haben, hatte 2008 eine der ersten solidarischen Landwirtschaften in Deutschland gegründet. Darüber haben wir auch während der Reise gesprochen und sind bei dieser Idee hängengeblieben“, erzählt Anna Eisenhardt. Über die Homepage des Netzwerks für solidarische Landwirtschaft haben sie schnell Mitstreiter in der Region gefunden, etwa in Renningen, Rutesheim oder Neuhausen.

Ein Öko-Acker fehlt noch

Bei einer „Solawi“, wie es abgekürzt wird, schließen sich die Kunden mit einem Bauern oder Gärtner zusammen, manchmal sind auch mehrere beteiligt. Der Produzent bewirtschaftet seine Flächen, sät oder pflanzt, pflegt, erntet und lagert. Dafür erhält er einen monatlichen Beitrag von den Konsumenten, mit dem er unabhängig vom Ertrag und dem Marktpreis planen kann.

Dazu auch einmal mehr oder weniger viel Hilfe von den „Solawisten“. Die Kunden wiederum erhalten wöchentlich eine Kiste mit Gemüse, manchmal auch anderen Produkten wie Obst, Mehl oder sogar Brot. Alles lokal, nachhaltig und ökologisch angebaut. Wobei bei letzterem auch die Krux liegt. „Wir haben noch keinen Bauern und keinen Acker gefunden“, berichtet Anna Eisenhardt. Obwohl man mit allen Persouser Landwirten gesprochen habe und einige interessiert waren an dem Konzept. Keiner der Landwirte in und um Perouse führt einen zertifizierten Bio-Betrieb.

Die Mitglieder bestimmen mit

„Es gibt eigentlich keine Solawi, die nicht bio ist. Und auch die Rückmeldung unserer Interessenten zeigt, dass Bio-Anbau gewünscht wird“, sagt die 34-Jährige. Bei der Suche nach einer geeigneten Fläche sei man nicht auf Perouse beschränkt. „Wir haben uns ja bewusst Solawi Heckengäu genannt. Uns ist es wichtig, überhaupt etwas zu finden. Nach unserer Informationsveranstaltung haben sich auch noch weitere Landwirte gemeldet“, erzählt Eisenhardt.

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