Ski-Marathon Wenn der Malojawind im Rücken schiebt

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Die Spitze des Feldes gibt ein hohes Tempo vor. Insgesamt 14 000 Langlaufbegeisterte aus 40 Nationen nehmen die Herausforderung über 42 Kilometer an. Foto: privat

Leonberg - Die Bedingungen beim 51. Engadiner Skimarathon in der Schweiz sind fast optimal gewesen. Sonne am Morgen, minus zwei Grad Celsius und der berühmte Malojawind – dieser Rückenwind begleitete die Läufer auf ihren Skating-Skiern über die gesamten 42 Kilometer. Vom Start weg in Maloja auf 1820 Meter Höhe gelegen bis hin zum Ziel in S-chanf. Eine Herausforderung, die mehr als 14 000 Langlaufbegeisterte aus 60 Nationen ins Bündner Hochtal lockte. Darunter war auch ein Trio aus der Region.

Der spätere Sieger Dario Cologna, vierfacher Olympiasieger, der als erster Schweizer in der Saison 2008/2009 den Gesamtweltcup im Langlauf gewann, kam beim Engadin-Marathon in einer neuen Bestzeit von 1:22,22 Stunden im Ziel an. Nur  26  Minuten   später   als    dieser  Top­Athlet finishte der Gerlinger Michel Staiger (1:49,19 Stunden). In seiner Altersklasse belegte der 57-Jährige Rang 54. „Das war eine mega-gute Leistung von Michel, er hat dafür auch seit Oktober auf Rollerski und Inlinern mit Stöcken trainiert“, sagt der Leonberger Jürgen Haug, der früher selbst sportlich extrem unterwegs war und aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste. Im Engadin war er als Betreuer dabei und bestritt zudem ein paar Tage zuvor den Nachtlauf über 17 Kilometer. „Bei Dunkelheit mit einer Stirnlampe war das gar nicht so leicht mit dem Gleichgewicht“, sagt Haug. Dessen Tochter Leonie nahm gemeinsam mit ihrem Freund Patrick Schulz die Herausforderung Marathon an.

Acht Lagen Wachs mit dem Bügeleisen

Im Vorfeld des Renntages waren die Schneebedingungen schwer abzuschätzen. „Es war nicht klar, ob die Temperaturen in der Nacht noch einmal unter null Grad sinken würden. Trotzdem gelang es uns mit etwas Risiko, einen perfekten Rennski zu präparieren“, sagt Papa Jürgen Haug. Acht Lagen Wachs trug er akribisch mit dem Bügeleisen auf und versah den Belag dann noch mit der passenden Struktur.

Die Top-Läufer hatten an der Spitze zum einen reichlich Platz, zum anderen waren die Schneeverhältnisse auf der Strecke perfekt. Und so legte Dario Cologna, der zuletzt Siebter über 50 Kilometer bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Seefeld wurde, ein schnelles Rennen hin und siegte sicher im Sprint. Schwieriger wurden die Bedingungen für die Altersklassenläufer. Das Feld wird traditionell in verschiedenen Blöcken gestartet, was im Verlauf der Strecke zu einigen Staus an den Engstellen führt. „Auch minutenlanges Stillstehen an Steigungen gehört zum Engadin-Skimarathon“, sagt Haug, der in der Vergangenheit selbst elf Mal aktiv dabei war. Auf den ersten Kilometern über Silser- und Silvaplanasee sei die Strecke noch hart und schnell. „Auf der zweiten Hälfte ist der Schnee oft weich und knöcheltief. Jahr für Jahr versucht man deshalb, durch eine gute Zeit einen Startblock nach vorne zu rücken“, weiß der Leonberger aus Erfahrung.

Der Gerlinger Michel Staiger erwischte einen großartigen Renntag und konnte mit seinen schnell gewachsten Ski die Bedingungen voll nützen. Mit seiner neuer Bestzeit kam er weit vorne im Feld im Ziel an.

30 Minuten schneller als im Vorjahr

Leonie Haug verbesserte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr um 30 Minuten auf 2:45,39 Stunden. Aus dem sechsten Startblock laufend überholte die 25-jährige Triathletin, die im Winter bei den Bietigheim Steelers Eishockey spielt, nicht wenige Konkurrenten. Mit ihrer Leistung legte sie eine gute Basis für das kommende Jahr.

Ihr Freund Patrick Schulz legte als Neuling aus dem siebten Startblock kommend los wie die Feuerwehr, überholte einige tausend Läufer und beendete das Rennen in 2:34.20 Stunden. Sollte er 2020 wieder dabei sein, wird auch er zwei Startblöcke überspringen. Und sollte dann erneut der Malojawind im Rücken schieben, wird mit Sicherheit die eine oder andere persönliche Bestzeit erneut geknackt.

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