Skandal-Schlachthof Gärtringen Künstliche Intelligenz für den Schlachthof

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Seit September ist der Schlachthof zu. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Gärtringen - Zwei Arbeitskreise sollen die Zukunft des Gärtringer Schlachthofs erarbeiten. Das ist das Ergebnis des Runden Tischs, zu dem Böblingens Landrat Roland Bernhard am Dienstag Vertreter der Schlachthof-Genossenschaft, der Metzger-Innung und des Kreisbauernverbandes eingeladen hatte. Wie es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes heißt, war bei dem Gespräch auch Kurt Matthes dabei. Der Ruhestands-Metzger aus Stuttgart-Plieningen war zuvor von der Schlachthof-Genossenschaft als Projektleiter bestimmt worden.

Matthes wird nun von zwei Arbeitskreisen unterstützt. Ein Arbeitskreis soll Maßnahmen erarbeiten, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehört unter anderem, die bislang verwendete Betäubungsanlage zu ersetzen, ein Konzept zur Behebung baulicher Mängel zu erarbeiten und Standardarbeitsanweisungen für das Personal zu formulieren. „Wann eine Inbetriebnahme wieder möglich sein wird, ließen die Teilnehmer offen“, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts. „Sie bekräftigten den Willen, dass dabei Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht.“

„Größtmögliche Transparenz und Vertrauen“

Eine zweite gebildete Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit, bauliche Einrichtungen und Arbeitsabläufe zu entwickeln, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen und künftig vor allem menschliches Fehlverhalten im Schlachtablauf weitgehend ausschließen sollen. „Damit soll nach einer Wiedereröffnung des Schlachthofes eine größtmögliche Transparenz und Vertrauen in der Bevölkerung erhalten werden“, teilt das Landratsamt mit. Man verfolge die ehrgeizige Vision einer „tierschutzkonformen, für die Tiere stressarmen Schlachtung“, die eingebettet sei in eine ganzheitliche heimatnahe Vermarktung des Fleisches.

„Wir wollen uns moderner, digitaler Technologien bedienen“, sagt Kurt Matthes, der Interims-Schlachthof-Chef. „So können zum Beispiel künstliche Intelligenz und Big Data helfen, kritische Situationen zu vermeiden.“ Auch eine permanente Videoüberwachung des Schlachtprozesses inklusive der Aufstallung der Tiere sei in der Diskussion.

Bedarf ist Grundlage für die neue Konzeption

In den nächsten Tagen soll es eine Umfrage unter den Metzgereien geben, ob und in welcher Form sie den Gärtringer Schlachthof zukünftig nutzen würden. Der Bedarf ist Grundlage für die neue Konzeption. Das Landratsamt hatte Anfang September Schlachtungen in dem Betrieb vorläufig untersagt.

Unterdessen kritisiert Landrat Roland Bernhard Agrarminister Peter Hauk (CDU) für dessen Vorschlag, die Veterinärämter aus den Landratsämtern herauszulösen. „Die untere staatliche Veterinärbehörde macht in den Landkreisen eine überaus engagierte und hervorragende Arbeit“, sagt Bernhard. Voraussetzung dafür sei, dass das Ministerium den Ämtern Personal zur Verfügung stelle und ihre Entscheidungen nicht anzweifele.

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