Serie: Das Internet in Leonberg Von den Grenzen des Kupferdrahtes

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Das Telefonkabel ist eines der Wege, Daten aus dem Internet in die Häuser zu bringen. Foto: Bürgerinitiative

Leonberg - Fast jeder Haushalt in Leonberg, Ezach III ausgenommen, besitzt einen Telefonanschluss, der aus zwei Kupferdrähten, der Doppelader, besteht, die ursprünglich nur für Telefonie ausgelegt waren. Ende der 80er Jahre konnte man mit den ersten Modems für Internetverbindungen darüber bis zu 0,056 Megabit pro Sekunde (MBit/s) nutzen.

Dank des technischen Fortschritts konnten im folgenden Jahrzehnt höherfrequente Signale über das Telefonnetz übertragen werden, dies anfangs 0,768 bis später 16 Mbit/s im Downstream, also der Empfangsrichtung – mit Ausnahme von Warmbronn (seit 2011) und Silberberg/Gebersheim (seit 2017/2018) die in Leonberg noch heute maximal buchbare Geschwindigkeit.

Telefonkabel war nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt

Nun mag man sich die Frage stellen, warum nicht in jedem Haushalt 16 Mbit/s ankommen, und warum man die Geschwindigkeit nicht beliebig steigern kann. Die Telefonkabel waren nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt: Je länger das Kupferkabel und je höher die zu übertragende Frequenz ist, desto höher ist die Dämpfung des Signals. Wird das Signal zu sehr geschwächt, kommen beim Empfänger keine Daten mehr an. Je weiter ein Anschluss von der Vermittlungsstelle als Knotenpunkt entfernt ist (in Leonberg auf dem Postgelände), desto geringer ist die nutzbare Geschwindigkeit. Ebenfalls Einfluss auf die Geschwindigkeit nehmen Störsignale benachbarter Telefonleitungen im gleichen Kabelbündel in der Straße, die das Signal weiter schwächen.

In der Praxis kann die Länge des Telefonkabels von der Vermittlungsstelle bis zum heimischen Anschluss bis zu vier Kilometer betragen. Kürzen kann man die lange Leitung, indem man Glasfaserkabel von der Vermittlungsstelle bis in die Nähe der Verbraucher verlegt, idealerweise direkt in die Haushalte. Für die Privatwirtschaft ist dies in der Regel zu teuer. Daher legen die Anbieter das Glasfaserkabel nur bis zu kleineren Knotenpunkten, den grauen Kästen am Straßenrand, den Kabelverzweigern.

Diese werden zu Multifunktionsgehäusen aufgerüstet, welche die Lichtimpulse der Glasfaserkabel in elektrische Signale für die Telefonkabel umwandeln (und umgekehrt). Man spricht von FTTC (Fiber to the Curb/Cabinet). Das bedeutet in etwa „Glasfaser bis zum Randstein/Kasten“.

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