Serie: Das Internet in Leonberg Das dickere Kabel sorgt für mehr Tempo

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Das grüne TV-Kabel ist ein weiterer gängiger Weg, die Daten aus dem Internet in die einzelnen Haushalte zu bringen. Foto: Bürgerinitiative

Leonberg - Neben dem Internetzugang über das Telefonkabel (DSL) gibt es eine weitere sehr verbreitete Methode: den TV-Kabelanschluss. Nach Recherchen der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ liegt die Abdeckung in Leonberg bei circa 50 Prozent aller Gebäude. In größeren Teilen des Ezachs, der Gartenstadt, Gebersheim, Höfingen und Ramtel sowie in ganz Warmbronn ist kein Unitymedia ­verfügbar. Aber auch in den ausgebauten Gebieten finden sich Lücken.

Ursprünglich wurden die Kabelnetze zum Empfang von Radio und Fernsehen genutzt. Beim „Kabel“ handelt es sich um ein Koaxialkabel aus Kupfer, welches als Antennenkabel geläufiger ist. Alle Haushalte eines Gebietes empfangen die gleichen Programme und damit Signale. Sie sind daher am gleichen Kabel in der Straße angeschlossen, welches zu den einzelnen Haushalten abzweigt.

Viele Haushalte teilen sich die Bandbreite

Um das Internet über diese Infrastruktur zu nutzen, muss neben der Empfangs- auch eine Sendemöglichkeit geschaffen werden; der so genannte Rückkanal. Es sind aber weiterhin viele Haushalte an einen Knotenpunkt angeschlossen; im Netz von ­Unitymedia im Schnitt 1000 bis 2500. An all diesen Anschlüssen liegt das gleiche Signal, also auch der Internetverkehr der Nachbarschaft, an – natürlich verschlüsselt. Der heimische Router filtert die eigenen Signale heraus und entschlüsselt diese.

Folglich müssen sich all diese Anschlüsse die Bandbreite teilen. Gerade in den Abendstunden und am Wochenende führt dies zu erheblichen Einbrüchen bei der ­Geschwindigkeit bis hin zu Totalausfällen. Der Kunde zahlt für Geschwindigkeiten, die er nicht immer bekommt – dies kritisierte auch die Bundesnetzagentur im März 2017. Durch Aufteilen von Gebieten auf mehrere, neue Knotenpunkte versuchen die Kabelnetzbetreiber dieser Überbuchung entgegenzuwirken.

Da die Senderichtung früher weniger wichtig war, wird für den Rückkanal nur ein kleiner Teil des Frequenzbereiches genutzt. Somit ergibt sich wie bei DSL ein ­geringerer Upstream (Senden) als Down­stream (Empfangen). Im Kabelnetz ist das Verhältnis mit 10 zu 400 Megabit pro ­Sekunde (Mbit/s) deutlich schlechter als bei Vectoring mit 40 zu 100 Mbit/s.

Für die Nutzer von Foto/Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing stellt dies den zweiten, größeren Nachteil des Kabelnetzes dar. Aktuell rüsten die Anbieter auf und planen zukünftig deutlich höhere Geschwindigkeiten. Dafür werden die Knotenpunkte per Glasfaser-Kabel angeschlossen, was als Coax-Glasfaser-Technologie beworben wird. Alle Anschlüsse eines Knotenpunktes teilen sich aber weiterhin die Bandbreite.

Die Vorteile von Glasfaser bleiben ungenutzt

In Neubaugebieten wie dem Ezach III verlegen Kabelnetzbetreiber sogar Glasfaser-Kabel bis ins Gebäude, das heißt FTTB (Fiber to the Building). Was sich zunächst gut anhört, entpuppt sich leider als Mogel­packung. Die bestehenden Frequenzsignale der Koaxialkabel werden lediglich in Lichtimpulse umgewandelt und über Glasfaser transportiert. Das Teilen der Bandbreite bleibt bestehen. Nachdem kein ­Kabelnetzbetreiber geäußert hat, dies in absehbarer Zeit zu ändern, bleiben die Glasfaser-Vorteile ungenutzt.

Obwohl das Kabelinternet wie DSL auf Kupferkabel setzt, kann aufgrund dickerer Kabel und einer besseren Abschirmung eine deutlich höhere Geschwindigkeit erreicht werden als über Telefonkabel. Im Gegensatz zur Telekom müssen die Kabelanbieter ihr Netz in der Regel nicht an Drittanbieter vermieten. Ist der Kabel­anbieter wie im Ezach III der einzige, entsteht ein Quasimonopol. Bei Unzufriedenheit oder Problemen gibt es keinerlei Wechselmöglichkeit.

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