Seltene Apfelbaumsorte Ein „Döffinger“ wird verzweifelt gesucht

Von Arnold Einholz
Im Obstsortenreservat Häsel in Rutesheim werden fast 200 alte, einheimische Obstsorten liebevoll gehegt und gepflegt. Foto: Simon Granville

Eine Tragödie hat sich im Obstsortenmuseum Häsel in Rutesheim ereignet: Der Apfelbaum der Sorte „Döffinger“ ist Opfer gefräßiger Wühlmäuse geworden. Nun hat der örtliche Obst-und Gartenbauverein eine Suche nach einem Ersatz eingeleitet – was bisher ohne Erfolg geblieben ist.

Wer kennt diese Sorte?

„In den Baumschulen sowie in den Obstsortenverzeichnissen und bei den einschlägigen Fachleuten ist eine Apfelsorte unter diesem Namen nicht bekannt“, sagt Rolf Bäuerle, der Vereinsvorsitzende. Er vermutet, dass es sich um eine Synonym-Bezeichnung handeln könnte. „Wir versuchen es nun über die Zeitung in der Hoffnung, in der Gegend um Döffingen noch Baumbesitzer dieser Apfelart zu finden.“ Der Verein vermutet, dass bestimmt noch der eine oder andere Obstbauer einen solchen Baum auf seiner Streuobstwiese stehen habe und somit Edelreiser zur Verfügung stellen könne. Döffingen ist heute Teilort der Gemeinde Grafenau.

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Der Mitbegründer des Obstsortenmuseums, Fritz Loser, der ehemalige Fachberater am Landwirtschaftsamt Böblingen, hatte seinerzeit Edelreiser überwiegend aus dem Landkreis Böblingen zusammengetragen. „Nachdem die alten Streuobstapfelsorten in der Fachliteratur mehrere Namensbezeichnungen tragen, wäre es auch denkbar, dass jemand weitere Namen kennt und wir bei Baumschulen nach der namensgleichen Sorte suchen könnten“, meint Bäuerle.

Reservat für alte Obstsorten

Mit der Obstsortenanlage Häsel besitzt die Stadt Rutesheim etwas ganz Besonderes, es ist ein Reservat für alte Obstsorten, welche nicht gespritzt werden müssen. „Und so soll es auch erhalten bleiben“, sagt Rolf Bäuerle. Der städtische Bauhof hatte seinerzeit das Gelände auf dem renaturierten ehemaligen Schuttablage-Platz vorbereitet, sodass am Pflanztermin, am 14. November 1987, alles parat stand. In jedes Pflanzloch wurde zuvor Humus gegeben, damit die 187 Obstbäume (Äpfel, Birnen, Süßkirschen, Sauerkirschen, Zwetschgen, Renekloden, Mirabellen und Nussbäume) gut gedeihen konnten.

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54 Helfer des Obst- und Gartenbauvereins Rutesheim brachten die halbstämmigen Obstbäume in den Boden. Sämtliche Kosten übernahm die Stadt, die Pflege der Obst- und Gartenbauverein und der städtische Bauhof unter der Leitung von Rolf Vincon.

Im Häsel gibt’s viel zu entdecken

Heute stehen im Häsel 143 Apfel-, 18 Birnen-, 20 Süßkirschenbäume, dazu kommen drei Sauerkirschen, neun Zwetschgensorten und zwei Walnussbäume. Weil in den Baumschulen dieses große und breite Sortiment nicht zu erhalten ist, wurden zunächst wie einst sogenannte Stammbildner gesetzt und diese nach einigen Jahren mit in unserer Region stehenden alten, aber guten Obstsorten veredelt. Die Obstsortenanlage Häsel ist für jeden zugänglich. Infotafeln enthalten alle Namen der Sorten unter Angabe der Reihen- und Baumnummern. Zudem trägt jeder Baum ein Täfelchen mit seinem Sortennamen und weiteren Infos dazu.

Rund 600 Apfelsorten stehen heute in den schwäbischen Obstlandschaften. Sie sind ein wertvolles Reservoir stabiler, wüchsiger, gesunder, pflegeleichter und auch guter Sorten. Einen entscheidenden Beitrag dazu hat Johann Caspar Schiller geleistet. 1723 in Bittenfeld geboren, stammte er aus einer Familie von Weingärtnern und Handwerkern und wuchs im Remstal auf.

Herzoglicher „Gartenintendant“

In Jahr 1775 trat der ehemalige Wundarzt im herzoglichen Heer eine neue Stelle an: Der Vater des Dichters Friedrich Schiller übernahm als herzoglicher „Gartenintendant“ die weitläufigen Obstplantagen, die einst rings um Schloss Solitude gediehen. Seine mit großer Leidenschaft hier betriebene Baumschule wurde zur größten Süddeutschland des späten 18. Jahrhunderts.

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Schiller entwickelte den Obstanbau im ganzen Land weiter, begünstigt durch den Umstand, dass Herzog Carl Eugen die Baumzucht förderte und die Obstbäume als wichtigen Wirtschaftsfaktor entdeckt hatte. Viele bis heute existierende Streuobstbestände im mittleren Neckarraum gehen noch auf Johann Caspar Schillers Tätigkeit zurück. Sein Buch „Die Baumzucht im Großen aus Zwanzigjährigen Erfahrungen im Kleinen beurtheilt“ aus dem Jahr 1795 – ein Jahr vor seinem Tod – wurde zu einem Standardwerk.

Wer einen „Döffinger“ hat, oder dem Obst- und Gartenbauverein Rutesheim bei der Suche helfen kann, kann sich unter der Telefonnummer 0 71 52 / 5 17 48 melden oder per E-Mali an ogv-rutesheim@web.de.

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