Selbsthilfegruppe in Leonberg Vom Leben mit autistischen Kindern

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Melanie Kürschner aus Leonberg hat eine autistische Tochter. Sie möchte eine Selbsthilfegruppe gründen. Foto: Pixabay

Leonberg - Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Syndrom oder im Autismusspektrum wollen eine Selbsthilfegruppe in Leonberg gründen. Initiatorin ist Melanie Kürschner, deren 14-jährige Tochter auch betroffen ist. Geplant ist das Gründungstreffen am Montag 19. Juli, von 20 Uhr an in Leonberg. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Das Leben mit einem Kind, das im Autismusspektrum ist, scheint oft wie auf den Kopf gestellt, da allzu viele Abläufe im Alltag konfliktreich sein können. Betroffene Kinder fallen durch ihr Verhalten auf, das anders ist, als man in der jeweiligen Situation erwarten würde. So verweigern sie beispielsweise vehement Essen und sind auch nicht bereit, es zu versuchen. Oder sie reagieren trotzig oder aggressiv, obwohl sie die Pubertät bereits hinter sich haben. Damit stoßen sie oft auf Unverständnis und Ablehnung, ihre Eltern werden verantwortlich gemacht, in der Erziehung versagt zu haben.

Kein Versagen in der Erziehung

Autismus ist kein Erziehungsversagen. Das „Anderssein“ ist zurückzuführen auf eine veränderte Sinneswahrnehmung – im Bereich des Sehens, des Schmeckens, des Hörens, des Fühlens und des Riechens. Es können alle oder auch nur einige Sinneswahrnehmungen betroffen sein. Im Gehirn werden aufgrund veränderter neurologischer Verknüpfungen Informationen anders verarbeitet.

Eine Überbelastung entsteht aufgrund von Reizüberflutung, zu viele Gerüche, Geräusche, Bilder oder Ähnliches führen zu einem „Overload“. Im Chaos aus Gefühlen und Eindrücken kann das Gehirn unwichtige Reize nicht mehr herausfiltern. Die Folge eines Overloads kann ein „Meltdown“ sein, der für außenstehende Menschen aussieht wie ein massiver Wutausbruch. Für den Betroffenen selbst ist es Verzweiflung, sie wollen weder sich noch andere verletzen.

Der weite Weg zur Diagnose

Auch im Fall von Melanie Kürschners Tochter war der Weg zur Diagnose weit. Das Kind hatte Probleme in der Schule, die Beschulbarkeit stand in Frage. Die Mutter trug sich bereits längere Zeit mit der Idee, das Kind könnte eine Erkrankung aus dem Autismusspektrum haben. Doch erst 2019 fanden sie die nötige ärztliche Unterstützung, um eine Diagnose zu erstellen.

Die Diagnose bedeutete für die Familie einerseits Entlastung, weil sie eine Erklärung gibt und die Eltern sich keine Vorwürfe mehr zu machen brauchten. Sie bedeutet aber auch Gewissheit, dass diese Störung nicht behoben werden kann oder von selbst verschwindet.

Melanie Kürschner will anderen Familien diesen langen Leidensweg zu ersparen. Auch deshalb wollte sie die Elterngruppe in Leonberg zu gründen. Inzwischen hat sie einige betroffene Mütter im Raum Leonberg kennengelernt. Melanie Kürschner wünscht sich: „In der Selbsthilfegruppe sprechen wir miteinander – über uns, über die Stärken und Schwächen unserer Kinder, unsere Belastungen und die Schwierigkeiten mit denen unsere Kinder tagtäglich konfrontiert werden, Hoffnungen und Sehnsüchte.“ Sie ist überzeugt, betroffene Eltern sitzen alle im selben Boot und können vom aktiven Miteinander profitieren.

Gründung steht bevor

Geplant ist das Gründungstreffen am Montag 19. Juli, von 20 Uhr an in Leonberg. Eine Anmeldung ist erforderlich und kann telefonisch mobil 01 76 / 53 95 12 26 oder per Email erfolgen an m.kuerschner@kinderschutzbund-leo.de.

Melanie Kürschner wird vom Kontaktbüro Selbsthilfegruppen des Gesundheitsamts Böblingen bei der Gründung der Elterngruppe unterstützt. Interessierte erhalten dort auch weitere Informationen, auch zu anderen Selbsthilfegruppen im Kreis Böblingen.

Das Kontaktbüro Selbsthilfegruppen ist telefonisch erreichbar unter 0 70 31 / 6 63 17 51 oder per Mail an E-Mail selbsthilfebuero@lrabb.de. Es ist beim Gesundheitsamt in Böblingen angedockt.

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