Seilbahn in Leonberg Bosch will zur Seilbahn vorerst gar nichts mehr sagen

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Die Seilbahn, die bei Koblenz über den Rhein führt, ist sehr beliebt. Foto: dpa

Leonberg - Der vorläufige Showdown in Sachen Seilbahn wird sechs Tage vor Weihnachten stattfinden. Am Dienstag muss der Gemeinderat entscheiden, ob er einer fast 100 000 Euro teuren Studie über die Machbarkeit einer Seilbahn in Leonberg zustimmt. Einen Trend, in welche Richtung es gehen könnte, gibt es nicht. Nachdem vor einer Woche der städtische Planungsausschuss zu keinem Ergebnis gekommen ist, hat auch der Finanzausschuss am Mittwochabend keinen Beschluss gefasst. Die Stadträte brauchen noch Zeit.

Worum geht es?

Die heiße Diskussion um eine Seilbahn hat in den vergangen zwei Wochen gehörig an Dynamik gewonnen: OB Martin Kaufmann will Experten prüfen lassen, ob es für eine Gondelverbindung überhaupt Bedarf gibt und ob sie ins Stadtbild integrierbar ist. Nicht nur weil die Expertise gut 97 000 Euro kostet, sind die Stadträte nicht begeistert. Die ganze Idee scheint vielen zu bizarr und fernab der Realität.

Im Renninger Entwicklungszentrum von Bosch, wo Querdenken zum Geschäftsprinzip gehört, werden die Aktivitäten in der Nachbarstadt hingegen mit Interesse beobachtet. Kaufmann bekommt am 5. Dezember aus Malmsheim eine Mail, wo er auf die Idee für eine „Kombination urbaner Seilbahnen mit Technologien aus der Elektromobilität“ hingewiesen wird. Der OB geht mit der Mail an die Öffentlichkeit und löst in der Politik die Hoffnung aus, Bosch könne gemeinsam mit Leonberg ein innovatives Seilbahn-Projekt umsetzen.

Was sagt Bosch?

Dem Technologiekonzern geht die Euphorie viel zu weit. „In der Forschung und ­Vorausentwicklung beschäftigt sich Bosch mit grundsätzlichen wissenschaftlichen Fragestellungen zu neuen Mobilitäts­konzepten“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. „Ein innovatives, seilgebun­denes Mobilitätssystem existiert derzeit ­lediglich in Form einer Idee.“ Mehr gebe es momentan dazu nicht zu sagen.

Was sagt die Politik?

Im Finanzausschuss hat es der Oberbürgermeister schwer, den Gemeinderat davon zu überzeugen, dass von Bosch vorerst gar nichts kommen werde. So fordert Birgit Widmaier von den Grünen in seltener Einigkeit mit dem Freien Wähler Axel Röckle, dass die Machbarkeitsstudie „auf Bosch zugeschnitten werden müsse.“ Deshalb solle erst nach den Gesprächen mit den Forschern die Studie beauftragt werden.

Elke Staubach von der CDU drängt ­darauf, aus der Stuttgarter Seilbahnstudie „abzukupfern“. Ihr Fraktionskollege Oliver Zander will wissen, was überhaupt ein ­Kilometer Seilbahn kostet. „Die Stuttgarter Studie ist auf Stuttgart zugeschnitten“, entgegnet Kaufmann mit gereiztem Unterton. Und was ein Kilometer kostet, könnten nicht einmal Experten genau voraussagen.

Rückendeckung kommt lediglich von der SPD: „Das Bosch-Interesse zeigt, dass die Idee nicht so spinnert ist“, meint Ottmar Pfitzenmaier. Seine Frage aber, was durch eine Verschiebung der Studie erreicht werden soll, bleibt unbeantwortet. Zumindest bis zur Sitzung am Dienstag.

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