Schule Die Reifeprüfung im Zeitalter von Corona

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Die Abiturienten des Lichtenstern-Gymnasiums wurden am Freitag für die Deutschprüfung instruiert. Foto: Helmut Pangerl

Schule - Portugiesisch, Italienisch und Spanisch: Das sind die Fächer, mit denen das Abitur in dieser Woche begonnen hat, fast einen Monat später als vorgesehen. „Diese Prüfungsfächer haben wir nicht, also beginnt das Abitur für uns und die meisten Gymnasien am Mittwoch mit dem Fach Deutsch“, sagt Reinhart Gronbach, Leiter des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums. Fast 50 000 Schüler in Baden-Württemberg machen dann am Mittwoch die Prüfung in Deutsch – das ist Pflicht, ob in einem der allgemeinbildenden Gymnasien im Kreis oder in den beruflichen Gymnasien in Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg.

Reinhart Gronbach hat unter den erschwerten Bedingungen, die wegen Corona gelten, am Freitag mit den Abiturienten schon mal geübt. „Es war uns wichtig, einen Testlauf zu machen, auch um die Abiturienten noch mal genau zu instruieren, auf was sie achten müssen“, sagt er.

Alles ist anders, deshalb hat Kultusministerin Susanne Eisenmann darauf hingewiesen, dass „den Abiturienten keine Nachteile aus der aktuellen Situation entstehen dürfen. Wir achten sehr genau darauf, dass die Prüfungen fair ablaufen. Alle an der Abiturprüfung beteiligten Lehrkräfte haben wir gebeten, ihren pädagogischen Spielraum im Sinne der Schüler zu nutzen.“

Anonymisierte Arbeiten

Als „wohlwollendes Abitur“ bezeichnet Gronbach die Anweisung der Kultusministerin. Wie das in der Korrektur der schriftlichen Prüfungen aussehen wird, weiß er noch nicht genau. Er ist aber für die Regelung, dass die Arbeiten ausschließlich an der Schule durch zwei Lehrer korrigiert werden: „In Bayern wird das schon lange gemacht, es ist meine Anregung, dies auch beizubehalten. So können sich die zwei Korrektoren auch besser verständigen, warum sie so und nicht anders benotet haben.“ Er weist der darauf hin, dass die Arbeiten anonymisiert sind. Ansonsten gehen die Arbeiten an zwei weitere Schulen zur Korrektur, „ein Riesenaufwand, der nicht objektiver ist, als wenn an den Schulen korrigiert wird“.

In seinem Gymnasium, sagt Gronbach, seien vier Kandidaten, die „ohne Corona auf der Kippe stehen, da müssen wir uns sehr gut aufstellen, falls sie durchfallen und dies sehr gut begründen“. Denn, so der Schulleiter, er befürchte, dass „das Verwaltungsgericht in Mannheim mit Einsprüchen gegen die Benotung viel Arbeit bekommt, da die Formulierung des Kultusministeriums – kein Nachteil für die Abiturienten – sehr schwammig ist“. Es könne schon sein, so Gronbach, dass „Schüler durchkommen, die es eigentlich nicht geschafft hätten“.

Viel Zeit für die Vorbereitung

Aber, er sagt auch, dass seiner Meinung nach die Abiturienten Vorteile haben, „die vorige Jahrgänge meiner Meinung nach nicht hatten“. Die Schüler mussten seit 16. März keine Klausuren mehr schreiben, wurden nicht mehr in Nicht-Prüfungsfächern unterrichtet und konnten sich beim Homeschooling voll auf die Vorbereitung der Abiturfächer konzentrieren. „Sie hatten mehr Zeit für die Vorbereitung als die Abiturienten zuvor“, sagt Gronbach.

Gleichwohl belastet die Abiturienten die neue Regelung. Kein Nebeneinandersitzen, wenig Austausch im Unterricht: „Dass wir uns nicht nahe kommen können, das ist fast schlimmer als die Prüfung“, sagt die Abiturientin Caroline Munk. „Abiball gibt es auch keinen, wir können also nicht einmal zusammen feiern“, sagt Marie-Christina Becker.

Im Lichtenstern-Gymnasium machen 52 Schüler Abitur, 2019 waren es 74. Alle Prüfungen werden in der Sporthalle der Schule abgenommen. Bis die Schüler an ihrem Platz sind, müssen sie die Masken aufsetzen. Die Tische, an denen sie die Arbeiten schreiben, mussten die Sachsenheimer Abiturienten selbst in die Halle schleppen. „Das machen sonst immer die unteren Klassen, aber die sind jetzt ja nicht da“, sagt Reinhart Gronbach.

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