Schlaglichter 2021 Ein Auf und Ab in Weil der Stadt

Von Sophia Herzog
Astronauten, Klimaaktivisten und die Fasnetseröffnung hat der frisch sanierte Weiler Marktplatz in diesem Jahr gesehen Foto: Jürgen Bach

Weil der Stadt - Einen gewöhnlichen Start in das neue Amt – und damit auch fast ins Jahr 2021 – hatte Weil der Stadts Bürgermeister Ende vergangenen Jahres sicherlich nicht: Mitten hinein in den sich ankündigenden Teillockdown rutschte Christian Walter in seinen ersten Tagen im Amt, und das sogar in einer ungewöhnlichen Rolle. Als „Amtsverweser“ hatte er fast das komplette Jahr 2021 kein Stimmrecht im Gemeinderat, weil gegen seine Wahl lange ein Verfahren lief.

Bis im Dezember dann schließlich eine gute Nachricht ins Rathaus flatterte: Das Verfahren ist durch, das Urteil rechtskräftig und Walter nun ganz offiziell Bürgermeister. In der letzten Gemeinderatssitzung eines turbulenten Jahres für Weil der Stadt, geprägt nicht nur von der Coronapandemie, sondern auch vom anhaltenden Finanzloch der Kommune und nicht zuletzt vom Kepler-Jubiläum, wurde Christian Walter endlich vereidigt und verpflichtet.

Sanierung nach 17 Monaten abgeschlossen

Die erste große Aufgabe, die Walter Ende im neuen Amt erbte und die sich fast durch das komplette Jahr zog: Die Sanierung des Marktplatzes, die zu Beginn des Jahres 2020 bereits in vollem Gang war und bis zur Fertigstellung immer wieder für reichlich Diskussion sorgte. Keine Autos, das bedeutet einen Verlust der Fußkundschaft, beklagten viele Einzelhändler vor Ort, zumal sie über Monate hinweg einen Bauzaun vor der Nase hatten. Im Oktober verschwanden diese endlich.

Und nun? Nach 17 Monaten Bauzeit erstrahlt der Platz im Glanze neuer Pflastersteine und frisch gepflanzter Bäumchen. Und auch das Herzstück des Marktplatzes, die Keplerstatue, bekam eine kleine Schönheitskur, wurde zudem versetzt.

Kepler bekommt Gesellschaft

Seinen Ruhm muss sich der steinerne Johannes Kepler – zumindest auf dem Marktplatz – fortan aber mit ein paar anderen Persönlichkeiten teilen: Denn neben dem berühmten Weiler Astronomen gedenken einige neue Plaketten nun auch einer Reihe von Astronauten, die zur Eröffnung von Deutschlands erster Raumfahrt-Allee im Oktober zu Besuch in Weil der Stadt waren. Immerhin: Stolz wäre Johannes Kepler hoffentlich ob der zusätzlichen Ehrungen. Schließlich sind seine Entdeckungen eben jener Grund, warum die drei deutschen und russischen Astronauten, die auf dem Marktplatz verewigt wurden, überhaupt ins All fliegen konnten.

Weil der Stadt ist offiziell Keplerstadt

Nicht nur die Raumfahrt-Allee, noch eine ganz andere Würdigung wurde Kepler in diesem Jahre zuteil. Pünktlich zu seinem 450. Geburtstag darf seine Geburtsstadt sich zukünftig auch offiziell „Keplerstadt Weil der Stadt“ nennen – eine Bezeichnung, die im Volksmund schon längst als Synonym für den Namen der Kommune genutzt wird.

Grund für die Benennung war die Änderung einer Gemeindeordnung. Im Dezember, kurz vor Weihnachten und Keplers Geburtstag am 27. Dezember, traf schließlich die Zustimmung aus dem Innenministerium ein. Ab dem 1. Januar darf der Begriff „Keplerstadt“ also auch auf den leuchtend gelben Ortsschildern prangen.

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Wo die Stadt Weil der Stadt angesichts ihres kulturellen Erbes Grund zum Feiern hatte, gab es in Sachen Weiler Traditionen anderswo allerdings schlechte Nachrichten: Zum zweiten Mal in Folge sagte die Narrenzunft AHA die Fasnets-Veranstaltungen im Frühjahr ab – coronabedingt. Planungsunsicherheit und der Wunsch, Vorbild zu sein, prägten diese Entscheidung. Dabei war man wenige Wochen zuvor noch hoffnungsvoll in die Saison gestartet, als auf dem frisch sanierten Marktplatz die Hexe aus der Kiste stieg und die Fasnetsaison in gewohnter Manier eingeläutet wurde.

AHA-Vorsitzender hört auf

Ohnehin hat sich bei der Narrenzunft einiges getan in diesem Jahr: Nach 20 Jahren im Vorstand verabschiedete sich der bislang erste Vorstandsvorsitzende Michael Borger aus den oberen Rängen des Vereins. Zeit für Neues, sagte er, und übergab das Zepter an seinen Nachfolger Frank Gann.

Und auch im kommenden Jahr wird es nicht ruhig um die Narren. Im Frühjahr beginnt der Bau einer ersten eigenen Wagenbauhalle für den Verein. Hier sollen künftig die Wagen gezimmert werden, die dann – alle Daumen gedrückt – in der nächsten, hoffentlich coronafreien Fasnetsaison über den Marktplatz rollen werden.

Dort ist, obwohl die offizielle Einweihung eigentlich noch aussteht, seit Ende der Sanierung inzwischen Leben eingekehrt. Viel gesehen hat Kepler von seinem neuen Platz aus: Ein Städtepartnerschaftsfest, Narren, Hexen und Kapellen, Klimaaktivisten und Astronauten. Und 2022? Hoffentlich wieder.

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