Schiedsrichtergruppe Leonberg Der Nachwuchs bleibt das Hauptproblem

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Nach drei Jahren gibt er das Kommando in der Schiedsrichtergruppe Leonberg wieder ab: Daniel Sandmann. Foto: Archiv/Bartek Langer

Leonberg - Führungswechsel in der Schiedsrichtergruppe Leonberg: Nach drei Jahren hat Daniel Sandmann vom SV Gebersheim bei der virtuell abgehaltenen Hauptversammlung das Amt des Obmanns aus beruflichen Gründen an David Modro vom SV Leonberg/Eltingen übergeben. Auch die Positionen der Einteiler Aktive und Jugend wurden neu besetzt: Auf Markus Schöck (Aktive) folgt Jörg Thorwarth (TSV Höfingen), Nachfolger von Heiko Reichert (Jugend) wurde Roman Reck, der ebenfalls für den TSV Höfingen pfeift.

Die Bilanz von Daniel Sandmann fällt gemischt aus: Mit 109 aktiven und 27 passiven Unparteiischen stehe die Schiedsrichtergruppe Leonberg gar nicht so schlecht da, findet er. „Die Schiedsrichtergruppe Stuttgart mit ihrem großen Einzugsbereich ist natürlich viel größer. Aber wir dürften insgesamt im oberen Mittelfeld liegen. Manche Gruppen haben nicht mehr als 50 Schiedsrichter“, schätzt der 34-Jährige.

Überschaubare Erfolge bei der Neulings-Gewinnung

Als das größte Problem sieht er die Gewinnung von Neulingen an – ein Thema, das alle Schiedsrichtergruppen seit Jahren beschäftigt. „Der württembergische Fußballverband hatte mal das Ziel von 7000 Schiedsrichtern ausgegeben. Derzeit liegen wir knapp über 5000“, sagt Daniel Sandmann. An Ideen fehlt es weder auf Verbandsebene noch in den Schiedsrichtergruppen selbst. „Wir gehen in die Vereine, und es gab bis vor der Coronapandemie auch regelmäßig Info-Veranstaltungen“, erzählt der ehemalige Obmann. Die Erfolge seien jedoch sehr überschaubar.

Von den Jugendlichen, die mit der Schiedsrichterei anfangen, würden viele feststellen, dass das Amt doch nichts für sie ist. „Und wer selbst auch Fußball spielt, muss sich irgendwann für eine Karriere als Spieler oder als Schiedsrichter entscheiden“, weiß Daniel Sandmann nur zu gut. Spätestens wenn Ausbildung oder Studium anstehen, hängen viele die Pfeife wieder an den Nagel. „Da merken sie dann, dass ihnen die Welt offen steht“, sagt Daniel Sandmann. Gleichzeitig sei es schwierig, über 30-Jährige als Schiedsrichter zu gewinnen. „Die sind dann mit Beruf und Familie voll ausgelastet“, lautet seine Erfahrung, „seit Jahren bricht hinten altersbedingt mehr weg als vorne nachkommt.“ Besonders schwierig sei es, Mädchen oder junge Frauen für das Amt an der Pfeife zu gewinnen.

Schwierige Kommentare von Eltern

Keine große Rolle in der Leonberger Gruppe spielt Sandmann zufolge hingegen das Thema Gewalt gegen Unparteiische. „Das sind wirklich ganz wenige Einzelfälle. Bei uns gab es einen einzigen Fall, als ein Spieler einem Schiedsrichter mal eine Kopfnuss geben wollte“, berichtet Sandmann. Sorgen bereiten hingegen im Jugendbereich immer öfter Eltern, die von draußen ihre Kommentare abgeben. „Das betrifft allerdings nicht nur Schiedsrichter, sondern auch Spieler“, ist Daniel Sandmanns Erfahrung.

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Im Übrigen hat die Coronapandemie nicht nur die Amateurfußballer, sondern auch die Schiedsrichter ausgebremst. „Mehr als unsere monatliche Schulung im Online-Format, die normalerweise in Perouse stattfindet, konnten wir nicht machen“, bedauert der Ex-Obmann. Dafür wurden bei der Hauptversammlung einige Unparteiische für ihr langjähriges Wirken geehrt. Drei von ihnen sind jetzt vier Jahrzehnte im Dienst an der Pfeife dabei.

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