Schadstoffbelastung in Leonberg Holt sich Stuttgart die Messstation?

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Noch steht der Messcontainer in der Grabenstraße in Leonberg. Foto: factum/Granville

Leonberg - Seit der Sanierung der Grabenstraße steht der kleine weiße Container vor der Hausnummer 14. Doch schon bald könnte der Kubus samt Innenleben nach Stuttgart in die Hauptstätter Straße umziehen. Das zumindest sieht ein Kompromiss der grün-schwarzen Landesregierung vor, der gestern im Koalitionsausschuss abgesegnet wurde. Um die Belastung durch Stickstoffdioxid in der Landeshauptstadt besser dokumentieren zu können, sollen zu den 13 bestehenden Messstellen 16 weitere dazu kommen. Davon sind 15 sogenannte Passivsammler. Und eben der Messcontainer aus Leonberg.

OB: Gesundheit der Leonberger genauso wichtig

Der Oberbürgermeister Martin Kaufmann (SPD) erfuhr davon erst aus der Presse. „Ich finde dieses Vorgehen äußerst zweifelhaft“, sagt Kaufmann gegenüber unserer Zeitung. Es könne nicht sein, dass Leonberg einmal mehr zum Steigbügel­halter für Stuttgart werde. „Die Gesundheit unserer Bürger ist genauso wichtig. Da kann man nicht einfach die Messstation abbauen, obwohl die Grenzwerte dauerhaft überschritten werden“, kritisiert der OB.

Messwerte in der Grabenstraße Foto: StZ-Infografik
Seit dem Winterhalbjahr 2004/2005 misst die Landesanstalt für Umwelt und Naturschutz (LUBW) in der Grabenstraße Luftschadstoffe. Zunächst weiter unten vor der Hausnummer 1, nach der Umgestaltung dann am jetzigen Standort. Die ­Grenze für den Jahresmittelwert (40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft) wurde seitdem jedes Jahr überschritten. 2018 lag der Wert bei 45 Mikrogramm. 2017 waren es noch 43, 2016 immerhin 47 Mikrogramm. Zum Vergleich: Für den Arnulf-Klett-Platz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof wurde im vergangenen Jahr ein Jahresmittelwert von 46 Mikrogramm ausgewiesen, für die Hauptstätter Straße 49. Ähnliche Werte gibt es außerdem in der Tübinger Mühlstraße und der Esslinger Grabbrunnen­straße (beide 46 Mikrogramm).

Ministerium: Ausrüstung nicht kurzfristig beschaffbar

Das Landesverkehrsministerium verteidigt die Entscheidung. „Eine Neuanschaffung eines Messcontainers mit entsprechendem Equipment wurde ursprünglich favorisiert, musste jedoch aufgrund langer Lieferzeiten und der Notwendigkeit, kurzfristig mit den Messungen beginnen zu können, verworfen werden“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Deshalb sei die Idee aufgekommen, eine bestehende Einrichtung zu verlegen. Dafür kämen aber nur wenige Stationen in Frage, darunter die in der Grabenstraße. „Dort erscheint die Einhaltung der Grenzwerte in greifbarer Nähe“, heißt es weiter aus dem Verkehrsministerium. Auch wenn der Wert im vergangenen Jahr erneut leicht gestiegen sei, was das Ministerium auf Baustellen auf den Autobahnen zurückführt.

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