Rutesheimer Nationalgericht Ein Denkmal für den guten Geschmack

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Martin Killinger (links), Susanne Dornes und Harald Schaber enthüllen das Rohstrugel-Monument. Foto: factum/Simon Granville

Rutesheim - Fällt das Wort, kommen die Rutesheimer ins Schwärmen, die Augen beginnen zu leuchten, jeder hat eine schöne Geschichte oder eine liebe ­Erinnerung dazu parat – es geht um den Rohstrugel. Nun haben der Gemeinderat und die Stadtverwaltung dem National­gericht sogar ein Denkmal auf dem Rathausplatz aufgestellt.

Das Rezept

Man nehme 500 Gramm Nudelteig, die gleiche Menge Äpfel, zwei bis drei Eier, ein Esslöffel Öl, Sauerrahm, einen halben Liter Milch, Salz, zum Ausstreichen der Form etwas Butter Vom Nudelteig schneidet man vier Stücke zu je 40 Zentimeter Länge ab. Die geschälten und in kleine Würfelstücke geschnittenen Äpfel verteilt man auf die Teigstücke und rollt diese zu langen Rollen (Rugel) zusammen. Sie werden in die gefettete, hitzebeständige Form (Scherben) im Kreis gelegt. Anschließend wird aus Eiern, Öl, Sauerrahm, Milch und Salz eine gut geschlagene Soße zubereitet und diese über die Teigrollen gegossen, dazu so viel Milch, dass die Rollen etwa noch einen Finger breit herausragen. Darauf kommen Butterflöckchen und alles wird bei 200 Grad ­Celsius braun und knusprig gebacken.

Riesen-Rohstrugel zum 1250-Jahr-Jubiläum

Was dann herauskommt, erfreut seit Menschengedenken die Gaumen der Rutesheimer und hat ihnen auch den Spitznamen „Rohstrugel“ eingebracht. Das hat den Verein Geschichte vor Ort unter dem Vorsitz von UBR-Stadtrat Harald Schaber, auf die Idee gebracht, 2017 für den Festwagen beim Umzug zum 1250-jährigen Stadtjubiläum einen riesengroßen Rohstrugel anfertigen zu lassen. Der fand so großen Anklang, dass er am Ortseingang aus Richtung Leonberg her aufgestellt wurde. „Doch das Gebilde war aus Gips und Wind und Wetter setzten ihm stark zu und ließen es schnell zerbröckeln“, ging Bürgermeisterin Susanne Dornes bei der Enthüllung der Rohstrugel-Stele ein.

Das ließ dem Ersten Beigeordneten Martin Killinger keine Ruhe. „So ein ­leckeres Gericht, das seit Jahrzehnten der Ausgangspunkt für ein SKV-Altherren­turnier, das in der Schulmensa, im Jugendtreff, bei Veranstaltungen der Landfrauen immer der Renner ist, muss in der Ortsmitte gewürdigt werden“, sagt er.

Rohstrudel statt Spickling-Kuchen?

Damit hätte jeder Interessierte einen Platz und Zeit, sich alles zu verinner­lichen. Und auch dafür, sich das Rezept aufzuschreiben und es möglicherweise ­hinaus in die weite Welt mit zu tragen. Beim Gemeinderat rannte Killinger mit seiner Idee offene Türen ein und das Gremium machte die rund 3000 Euro für die Beschaffungskosten locker. Und so ist auf beiden Seiten der Stele die Geschichte des Rohstrugels und das Rezept zu lesen. Für Unkundige wird auch gezeigt, wie ein knuspriger Rohstrugel auszusehen hat und auch die Trophäe des Rohstrugel­-Turniers ist abgebildet.

Bei der feierlichen Enthüllung der Stele, zu der etwa 60 Zuschauer gekommen waren, erzählte Harald Schaber, dass der Rohstrugel ein Unikat sei. „Den gibt es nur bei uns“, konnte er den stolzen Rutesheimern versichern. Bei so viel exklusiver Tradition will auch die Bürgermeisterin nicht hinten anstehen. „Hoffentlich zeigt mir bald jemand, wie man einen Roh­strugel fachgerecht zubereitet, denn den Weil der Städter Spickling-Kuchen, der auch aus Äpfeln zubereitet wird, kann ich ganz gut backen“, sagte Susanne Dornes.

Schutz vor falschem Abbiegen

Der Standort der Stele auf dem Rathausplatz hat noch eine andere ­Rolle. Das Rohstrugel-Denkmal soll verhindern, dass weitere Autofahrer – zwei haben es bereit erfolglos versucht – von hier über die Treppenstufen in die Leonberger Straße einzubiegen. Und noch eines war der Verwaltung wichtig. Die Stele steht im Blickfeld einer Video-Überwachungskamera, was mögliche Farbschmierer abhalten soll, sich hier auszutoben.

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