Rutesheim und Weil der Stadt Der Stadtwald wird zum Baumfriedhof

Von
Inge Hormel (l.) ist für den Wald im Nordkreis zuständig. Foto: factum/Jürgen Bach

Rutesheim/Weil der Stadt - Der Wald als Sparkasse – das ist lange her. „Einst sind die Wälder der Reichtum einer Stadt gewesen, doch das sind sie heute nicht mehr“, sagt die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Dornes. Es sei ihr wichtig, dass den Stadträten und den Bürgern bewusst ist, dass künftig weniger Einnahmen höhere Kosten für den Schutz und den Erhalt der Wälder entgegen stehen werden.

Denn die Lokalpolitiker tragen Verantwortung für den Stadtwald. Deshalb machen sie sich zusammen mit der Verwaltungsspitze, Stadträte, Jäger und interessierte Bürger einmal im Jahr auf zum traditionellen Waldbegang. „Wir wollen zeigen, wie das Wetter insbesondere der vergangenen beiden Jahre dem Wald zusetzt und wie gefährlich es dadurch wird, einen Baum zu fällen“, sagt Inge Hormel, die als Revierleiterin beim Forstamt für den Norden des Kreises Böblingen zuständig ist.

20 Prozent mehr Schadholz

„In Rutesheim ist die Lage schlimm“, sagt Ulrich Neumann, der Rutesheimer Förster. Statt der geplanten 3900 Festmeter Holzeinschlag für 2019 werden es wohl mehr als 5000 Festmeter sein. „Und das ist alles Schadholz, die Sägewerke schaffen es schon nicht mehr, wir kriegen das Holz eigentlich nur los, weil die Wirtschaft boomt“, weiß der Förster.

Ein ähnliches Bild präsentiert Markus Scholl in Weil der Stadt. Auf seinem Rundweg mit Gemeinderäten und dem Beigeordneten Jürgen Katz sind viele Stapel gefälltes Holz zu sehen. „Das ist aber verkauft“, sagt Scholl. Dennoch bleibt es liegen, weil die Fuhrgeschäfte und Sägewerke nicht nachkommen. „Wenn es eine Saison hier im Wald trocknet, ist es auch leichter zu transportieren“, erklärt Scholl. Denn dann ist Wasser im Holz verdunstet.

Preise fallen in den Keller

1160 Hektar groß ist der Stadtwald von Weil der Stadt, darunter ist mit dem Fahrenwald übrigens auch ein rund 100 Hektar großes Stück im benachbarten Enzkreis. Rutesheim besitzt 531 Hektar Wald, darunter auch ein Miniwäldchen in Perouse. Gewinn lässt sich aus alledem schon lange keiner mehr ziehen. Gab es 2018 für einen Festmeter Nadelholz noch 90 Euro, so sind es gegenwärtig noch 35 Euro. „Unter 30 Euro wird es zum absoluten Minusgeschäft“, sagt der Rutesheimer Förster Ulrich Neumann. Für Weissach zum Beispiel liegen schon aktuelle Zahlen vor. Demnach rechnet die Gemeinde mit einem Defizit von 134 400 Euro in diesem Jahr. 2020 soll der Verlust auf fast 200 000 Euro steigen.

Aber nicht nur schlechte Nachrichten erfahren die Lokalpolitiker bei ihrem Rundgang im Weil der Städter Wald. Ganz neu und im Bau ist zurzeit der „Kepi-Weg“, ein Waldlehrpfad im Bezirk Berghof beim Merklinger Schützenhaus. Auf drei Kilometern erfahren Wanderer an sechs Stationen viel über den Wald, wenn der Weg fertig ist. „Es war eine kleine Odyssee von der Idee bis zur Genehmigung“, berichtet die Stadträtin Sonja Nolte (Grüne), die die Initiative für den Weg ergriffen hatte.

Weil der Städter basteln für Erlebnispfad

Jetzt beteiligen sich aber viele Weil der Städter an der Umsetzung. Schüler basteln hölzerne Einhörnchen, Pfadfinder bauen eine Klang-Station und Privatleute spenden Geld. „Wir können stolz sein, dass wir das als Bürger hinbekommen“, findet Nolte. Und Lob gibt es auch vom Forstamt. „Dieser urtümliche Wald mit seinen schmalen Pfaden ist natürlich prädestiniert für einen Walderlebnispfad“, findet Revierleiterin Inge Hormel.

Artikel bewerten
4
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen