Rutesheim Umweltschutz fängt bei der Dämmung an

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Über eine fachgerechte Sanierung eines Altbaus kann der Energieverbrauch stark reduziert werden. Foto: Patricia Sigerist

Rutesheim - Nicht verbrauchte Energie ist die beste Energie!“, bringt es Rainer König auf den Punkt. Der Vorsitzende des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg hat mit dieser Aussage das gesamte Auditorium auf seiner Seite. Am Rande seiner internen Delegiertenversammlung hat der Verband nämlich in seinem neu erbauten Branchenzentrum Ausbau und Fassade in Rutesheim auch zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Das Thema: „Bauen im Bestand – unser Handwerk als Schlüssel für den Klimaschutz“.

In der Gesellschaft verändere sich zum Glück etwas, sagte König. Dass ein Klimawandel stattfinde, sei wohl nun in allen Köpfen angekommen. Wer noch Zweifel habe, den lade er zu sich in in den Schwarzwald ein, sagte der Chef des in vierter Generation geführten Stuckateurbetriebes aus Bad Herrenalb. „Die Wälder, die nicht vertrocknen, werden von den Borkenkäfern zerstört – das sind alles Auswirkungen des Klimawandels“, ist der Stuckateurmeister überzeugt. Dem be­drückenden Gefühl, dass sich etwas zum Schlechten verändere, könne man sich nicht mehr entziehen.

„So kann es nicht weitergehen!“

Deshalb gebühre der kommenden Generation ein großes Lob, sagte König. „Die jungen Menschen halten uns den Spiegel vor und sagen uns deutlich, so kann es nicht weitergehen.“ Es gehe darum Müll zu vermeiden, Rohstoffe wieder zu verwerten und auf regenerative Energien zu setzen. Großen Nachholbedarf gebe es beim Thema Gebäudesanierung. Diese würden in Baden-Württemberg ein Drittel des Energieverbrauchs verursachen. Ihre Modernisierung und Sanierung auf den heutigen Stand der Technik berge enorme Potenziale.

„Wir als qualifizierte Handwerker sind bereit, die Herausforderung anzunehmen und unseren Beitrag für einen besseren Klimaschutz zu leisten“, sprach König für den Verband. Es gehe darum, die Kunden fachkundig und ehrlich zu beraten.

Eine interessante Sicht der Dinge auf die Problematik des Klimawandels gaben Christine Dreher, David Hinterschweiger und Yaron Okle. Die drei sind angehende Ausbau-Manager für Raum und Fassade, Meister Plus. Christin Dreher lieferte einen Ausblick in die Geschichte der Erde, die im Laufe von Millionen Jahren von so mancher Änderung des Klimas geprägt wurde. Doch kein Klimawandel sei in so kurzer Zeit herbeigeführt worden, wie die gegenwärtige, die vom Menschen und nicht von einem Naturereignis verursacht werde.

Erster Schritt: Verzicht

Fängt Klimaschutz beim Verzicht an? fragte David Hinterschweiger in die ­Runde. Es herrsche eine Doppelmoral. Es ­werde über die Folgen der Globalisierung geschimpft, aber jeder nehme unbedacht, das immer Mehr und immer Weiter an, das die Globalisierung ermögliche. Alle reisten gerne um die halbe Welt, kauften die billigsten Lebensmittel und legten sich zu den 30 T-Shirts im Schrank ein weiteres zu. „Niemand will lieb gewonnnes aufgeben, doch wir müssen uns einschränken und nicht gleich über Freiheitsverlust ­lamentieren“, sagte der junge Mann.

Yaron Okle gab den gestandenen Handwerkerinnen und Handwerkern mit auf den Weg, in ihren heimischen Betrieben Verantwortung zu übernehmen, selbst ­innovativ zu werden und nicht nur auf ­Anregungen von außen zu warten, oder auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Mit guten Nachrichten wartete der Gastredner Paul Nemeth auf. Der Landtagsabgeordnete aus Böblingen ist der energiepolitische Sprecher und Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der CDU-Landtagsfraktion. Die eine sei, dass das Meister-Bafög ausgebaut werde und die andere, dass ­Baden-Württemberg künftig 1500 Euro Meisterprämie gewährt.

Klimaneutrale Häuser

Das sei der richtige Weg, denn Bildung und Qualität seien fundamental um die Herausforderungen eines innovativen Klimaschutzes zu meistern. „Wir müssen die Klimaneutralität in die Häuser bringen“, sagte Nemeth. Da sei eine gute Dämmung ein erster Schritt, sprach er den Hand­werkern aus dem Herzen. Aber auch Millionen Ölheizungen auszutauschen und synthetische Kraftstoffe zu finden, gehöre dazu.

Im Anschluss an die Diskussion informierte Frank Hettler über Aktuelles zum Klimaschutzprogramm und zeigte mög­liche Förderungen auf. Der Leonberger Architekt ist bei Zukunft Altbau tätig, einem neutralen Marketing- und Informationsprogramm, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert wird. Die Programmträgerin ist die Klimaschutz- und Energieagentur des Landes.

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