Rutesheim Es gibt noch reichlich marode Bausubstanz

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Es gibt auch in Rutesheim noch Ecken (hier der Bereich Zimmeregart), die saniert und neugeordnet werden sollen. Foto: Büro/ Zoll

Rutesheim - Kaum Jahrhunderte überdauernde Fachwerkhäuser oder repräsentative alte Bauernhöfe – das Erscheinungsbild des seit mehr als 1250 Jahren urkundlich erwähnten Ortes ist von den Folgen eines Unglücks geprägt – der große Rutesheimer Brand von 1837. Danach hieß es, zügig und kostengünstig ein neues Zuhause für das halbe Dorf aufzubauen. Entstanden sind zahlreiche schlichte Zweckbauten, die heutigen Anforderungen nicht mehr genügen.

Alle Nachkriegsbürgermeister und -gemeinderäte des ehemaligen Dorfes – seit 2008 Stadt – waren bestrebt, das Ortsbild ansprechender zu gestalten. Dafür haben sie alle möglichen Sanierungsprogramme von Bund und Land in Anspruch genommen. Die amtierende Bürgermeisterin Susanne Widmaier hält es genauso. Deshalb soll ein neues Sanierungsgebiet „Ortskern Rutesheim IV“ aufgelegt werden. Dem hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt.

Gebiete verbinden und vernetzen

„Was die Sanierungen im Ortskern betrifft, ist in der Stadt sehr viel geleistet worden, aber es gilt, Rutesheim noch besser zu machen“, sagt die Rathauschefin. „Denn es besteht in manchen Arealen eine große Diskrepanz zwischen den sanierten und den recht maroden Bereichen.“ Ebenso wichtig sei es, die sanierten Gebiete mit denen noch zu sanierenden städtebaulich zu verbinden und zu vernetzen.

Dafür hat das Stuttgarter Architekturbüro Zoll einen Lageplan „Neuordnung“ aufgestellt, mit Bereichen, in denen Neubauten vorgeschlagen werden, und solchen, in denen Renovierungen oder Instandsetzungen möglich sind. Die Abgrenzung eines Sanierungsgebiets ist wichtig, damit hier Gemeinderat und Stadtverwaltung eingreifen können, um eine Sanierung oder Neubebauung im städtebaulichen Interesse der Stadt steuern können, und Vorkaufsrecht besteht.

Ausgangspunkt für die Überlegungen für ein neues Sanierungsgebiet ist die Umgestaltung der Gebersheimer Straße, in der 2023 umfangreiche Kanal- und Wasserleitungsarbeiten anstehen. Entlang der Gebersheimer Straße werden verschiedene private Wohngebäude, Höfe und Scheunen aufgezeigt, die abgebrochen und neu bebaut oder renoviert werden sollen – und das mit Fördermitteln.

Abbrechen, neu bauen, renovieren

Um eine Verbindung zwischen der Gebersheimer Straße zum weiteren Sanierungsschwerpunkt Zimmeregart mit Elbenstraße herzustellen, wurde auch die Holderstraße erneut miteinbezogen. Zwar ist diese vor rund 20 Jahren saniert worden und deshalb nicht wieder förderfähig, aber die angrenzenden privaten Wohngebäude können, sobald sie im Sanierungsgebiet liegen, mit Zuschüssen gefördert und saniert werden.

Das komplexe Quartier Zimmeregart ist bereits etliche Jahre in Sanierungsgebieten enthalten und soll nun auch in das Sanierungsgebiet IV aufgenommen werden, weil hier unverändert hoher Bedarf für eine Neuordnung besteht. Weiterhin aufgenommen wurden das Quartier an der Pfarrstraße/Pforzheimer Straße sowie der Kirchstraße mit der schon lange nicht mehr genutzten früheren Gaststätte „Adler“ und der Gebäudebestand an der Ecke der Renninger Straße mit der Pforzheimer Straße.

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Der Abbruch und die Neuordnung der beiden Gebäude Flachter Straße 8 und Kirchstraße 24 sind bereits vorgesehen. Neu ergänzt wurde der Bereich nördlich der Kirchstraße/Ecke Flachter Straße und der Altbaubestand im Bereich der Schmalzgasse.

Geschätzte Kosten: vier Millionen Euro

Die Kosten- und Finanzierungsübersicht des Vorhabens hat die Landsiedlung Stuttgart aufgestellt, die seit 40 Jahren Sanierungsberater der Stadt ist. Es wird von Gesamtausgaben von 4,2 Millionen Euro ausgegangen , die als Grundlage für den Förderantrag stehen. Dieser muss bis Ende Oktober beim Regierungspräsidium Stuttgart vorliegen. Mit einer Entscheidung der Behörde wird im Frühjahr 2022 gerechnet.

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