Rutesheim Die Rutesheimer haben einen grünen Daumen

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Sehr idyllisch! Foto: privat

Rutesheim - Zur Abschlussveranstaltung des Rutesheimer Ortsverschönerungswettbewerbs ist die Sporthalle am Bühl voll besetzt. Das liegt nicht nur am Wettbewerb um den schönsten Vorgarten, sondern auch an der bekannt guten Bewirtung durch den Obst- und Gartenbauverein Rutesheim und dem von der Stadt organisierten Rahmenprogramm mit dem Knittlinger Mundharmonikaorchester.

Einen ganzen Tag lang ist das siebenköpfige Komitee aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung und dem Fachberater für Obst- und Gartenbau am Landratsamt, Manfred Nuber, im Juli durch Rutesheim und Perouse gefahren, auf der Suche nach den schönsten Vorgärten, Balkonen oder Hausbegrünungen. Balkone an Mehrfamilienhäusern können allerdings nicht bewertet werden, da von außen der Name der Bewohner nicht überall erkennbar ist.

Ein toller Vorgarten. Foto: privat
Bewerben kann man sich nicht um den schönsten Vorgarten. „Wir bewerten im Vorbeifahren das, was wir von der Straße aus sehen können“, erklärt der erste Beigeordnete Martin Killinger – das, was also auch andere Bürger zu sehen bekommen. Bis zu zehn Punkte vergibt die Jury, wer mehr als fünf Punkte hat bekommt automatisch einen roten Weihnachtsstern als Anerkennung. Für die drei schönsten Gärten gibt es Geld-Sonderpreise, die in diesem Jahr an die Familie Moldenhauer in Rutesheim gehen und an die Familien Binder und Schultheiss in Perouse.

Insgesamt ist Nuber zufrieden mit den Vorgärten, es gab viel Schönes zu entdecken, aber auch Negativbeispiele. Nuber zeigt viele Fotos von steinernen Vorgärten bei Neubauten, nicht nur in Rutesheim. „Manches sieht heutzutage aus wie ein Steinbruch oder eine Gletschermoräne.“ Das Problem sei nicht nur ein optisches. In den Steingärten gibt es keine Pflanzen, oder oft nur japanische Baumarten ohne Blüten und Blätter. Aber Blätter von umliegenden Bäumen verfangen sich in den Steinen, verrotten und nach fünf bis sechs Jahren wächst zwischen den Steinen Unkraut, das man nicht wie auf einem Beet jäten oder herauszupfen kann.

Wichtig sei es auch, bei Garageneinfahrten nicht die komplette Einfahrt zuzupflastern, sondern mit Blick auf die Umwelt beispielsweise mit Gittersteinen im Randbereich immer auch dafür zu sorgen, dass Regenwasser gut ins Grundwasser sickern kann. Doch viele Hausbesitzer bemühen sich um Vielfalt auch bei den kleinsten Vorgärten. „Wer einen kleinen Garten hat, kann gut mit Blumenkübeln arbeiten, da haben wir sehr schöne Beispiele gefunden.“ Wichtig sei die Vielfalt der Pflanzen, damit zu jeder Jahreszeit etwas blüht, in Kombination mit wintergrünen Büschen und Stauden.

Auch im Kleinen könne man Bienen mit Blühpflanzen Nahrung geben. Oft zu sehen waren Fassadenbegrünungen. „Ökologische Aspekte werden heute immer wichtiger. Eine Fassadenbegrünung kann Feinstaub filtern und die Hauswand erhitzt sich im Sommer nicht so stark. Auch können hier Vögel nisten“, so Manfred Nuber weiter. „Die Rutesheimer haben einen grünen Daumen für ihre Vorgärten“, lobt Nuber. Er bedauert allerdings, dass Balkonkästen heutzutage nur noch selten bepflanzt werden. Das tägliche Gießen, im Sommer oft sogar zweimal am Tag macht viel Arbeit und in der Ferienzeit braucht man immer einen hilfreichen Nachbarn. Doch einige schöne Beispiele von Fensterblümeles waren auch in Rutesheim zu finden.

Wunderschöne Balkone. Foto: privat
Ob man Gartenzwerge, Erdmännchen, Windmühlen oder andere Accessoires in seinem Vorgarten möchte, ist Geschmackssache, auch in der Jury gab es hierzu unterschiedliche Meinungen. „Wichtig“, so Nuber, „ist aber immer der Gesamteindruck, den ein Garten macht. Die beliebten Glaskugeln sind übrigens keine Erfindung der Neuzeit, sie stammen aus dem Mittelalter“, erklärt Nuber. „Sie dienten der Habichtabwehr.“

Begleitet wurde der Abend vom Knittlinger Mundharmonikaorchester unter der Leitung von Manfred Dannecker. Fast 40 Musikerinnen und Musiker spielten Welthits auf der Mundharmonika, begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Keyboard. Oldies wie „Hang on Sloopy“ oder Songs von Simon and Garfunkel kamen genauso gut beim Publikum an wie das Peter Maffay Medley oder der Säbeltanz von Chatschaturjan.

Bis ins Jahr 1823 zurück reicht die Mundharmonikageschichte der Stadt Knittlingen. Die Firma Hotz produzierte dort Mundharmonikas bis zur Übernahme durch die Firma Hohner im Jahr 1906.

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