Rutesheim Bosch-Radweg: Klares Nein zur Waldroute

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Die geschotterten Waldwege zwischen Perouse und Malmsheim werden schon jetzt von Radfahrern genutzt. Nun soll ein asphaltierter Weg angelegt werden. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Kein Fahrradweg durch den Wald: Nun haben die Rutesheimer Stadträte ihren Bürgermeister im Regen stehen lassen und den von der Verwaltung ausgehandelten Kompromiss für einen Radweg von Perouse nach Malmsheim mehrheitlich abgelehnt. Dieter Hofmann hatte im Technischen Ausschuss nur drei Befürworter auf seiner Seite. Der Renninger Rat findet den Waldweg gut – lehnt aber einen geteerten Radweg ab.

Doch der Reihe nach. Noch im März herrschte eitel Sonnenschein. Im Rutesheimer Gremium wurde die Absicht des Landkreises vorgestellt und einstimmig abgesegnet, einen drei Meter breiten Fahrradweg von Perouse nach Malmsheim auf der westlichen Seite zwischen der Kreisstraße und dem Wald anzulegen. Der rund 3,3 Kilometer lange, asphaltierte Weg gilt in der Radverkehrskonzeption des Landkreises Böblingen als wichtige Alltags- und Freizeitverbindung mit großem Potenzial. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 600 000 Euro, die je zur Hälfte das Land Baden-Württemberg und der Landkreis übernehmen wollen.

„Unverhältnismäßige Kosten“

Also, was könnte da noch schief gehen? Doch in Renningen sah es der Gemeinderat anders und lehnte das Vorhaben kategorisch ab. Die Begründung: Der Radweg tangiere den nach dem Ausbau der Kreisstraße 1013 von Perouse nach Malmsheim angelegten Waldrand. Außerdem bestehe bereits eine funktionstüchtige Radwegverbindung durch den Wald. Die Kosten von rund 600  000 Euro seien deshalb unverhältnismäßig.

Vor diesem Hintergrund haben sich der Böblinger Landrat Roland Bernhard, der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt und der Rutesheimer Rathauschef Dieter Hofmann am 16. Juni getroffen, um einen Kompromiss auszuhandeln. Der sieht so aus: Die Trasse soll ausschließlich auf heutigen unbefestigten Waldwegen verlaufen. Somit muss kein Baum gerodet werden. Einen wesentlich geringeren Eingriff in die Natur und die geringeren Kosten waren für Landrat Bernhard und Bürgermeister Faißt Gründe genug, diese Trasse zu favorisieren. Damit meinte man, alle Punkte ausgeräumt zu haben, die die Renninger vorgebracht hatten, als sie die Trasse entlang der Kreisstraße ablehnten.

Der Landrat und die beiden Bürgermeister waren sich auch einig, dass der Radweg im Wald trotzdem asphaltiert werden muss, damit er attraktiv ist und im Winter geräumt werden kann.

Erhebliche Bedenken aus Renningen

Doch das Trio hat die Rechnung ohne die Renninger Stadträte gemacht. Vor gut einer Woche musste Faißt seinem Rutesheimer Kollegen mitteilen, dass der Kompromiss mit dem Fahrradweg durch den Wald abgelehnt werde. Vor allem gegen die Asphaltierung gebe es erhebliche Bedenken in der Rankbachstadt. In der jüngsten Sitzung des Renninger Gemeinderates wurde nun beschlossen, eine endgültige Entscheidung erst mal zu vertagen. Davor soll das Landratsamt dem Gremium die gesamte Radverkehrskonzeption des Landkreises Böblingen vorstellen.

Nun der Paukenschlag im Technischen Ausschuss in Rutesheim: Es ging darum zu beschließen, dass die Stadt weiterhin einem 2,5 Meter breiten asphaltierten Radweg entlang der Kreisstraße den Vorzug gibt, aber auch mit dem Kompromiss Waldwegtrasse leben könnte. An die Renninger Räte sollte appelliert werden, sich dem Vorhaben nicht in den Weg zu stellen.

Doch Ulrich Servay (BWV) machte deutlich: „Entlang der Straße ja, durch den Wald nein.“ „Wir sehen die Trasse durch den Wald kritisch“, blies Alexander Vetter (CDU) ins gleiche Horn. Diese Wege nutze auch die Forstwirtschaft und man dürfe die Gefahr von Wildunfällen nicht unterschätzen. „Den Wald zu asphaltieren, geht gar nicht“, so Ulrich Schenk (UBR).

„Der Radweg muss entlang der Straße verlaufen, da fühlt man sich sicherer“, meinte Christina Almert (CDU). Als sich so viel Widerstand gegen den Kompromiss regte, sagte Dieter Hofmann: „Wir halten uns an Abgesprochenes.“ Doch sechs Ausschussmitglieder waren anderer Meinung und so ist der Kompromiss jetzt vom Tisch.

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