Rutesheim Auf die Begabung kommt es an

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Lisa Hieber (links) und Antonia Michelsen, Schülerinnen am Gymnasium Renningen, haben ganz neue Erfahrungen mit den unbekannten Baustoffen gemacht. Foto: privat

Rutesheim - Kann ein Mädchen Stuckateurin werden oder den Bachelor im Gebäude-Ausbau ablegen? Natürlich! Am Girls’ Day haben Betriebe, Unternehmen und gewerbliche Bildungseinrichtungen gezeigt, dass dies kein Problem ist, und für junge Frauen ihre Türen geöffnet: Mädchen haben hinter die Kulissen von Berufen aus Technik und Informatik, aus Ingenieur- und Naturwissenschaften geblickt und das Handwerk hautnah erlebt.

Auch die überbetriebliche Ausbildungsstätte des baden-württembergischen Stuckateur-Handwerks in der Rutesheimer Siemensstraße hat jüngst beim Jobstarter- plus-Projekt „Go2Bau“ am bundesweiten Girls’ Day die Tore geöffnet, um 20 Mädchen aus den verschiedenen Schulen in der Umgebung die Chance zu bieten, in ihnen schlummernde Talente und neue Berufsfelder zu entdecken.

Nach einem Gang durch die Werkstätten und einer Präsentation des Berufsbildes ging es an die Praxis. Unter fachkundiger Anleitung von Katharina Schmitz und Andrea Zielke, beide Mitglieder im National-Team der Stuckateure, konnten es die Mädchen kaum erwarten, mit bisher unbekannten Baustoffen zu arbeiten und zu experimentieren.

Ein Schmuckkästchen als Erinnerung

Gut, dass der Ausbildungsmeister Axel Wittner auf dem Laserschneidetisch bereits Elemente aus Gipskartonplatten vorbereitet hatte. Besonders das Zusammenbauen und Verspachteln dieser Bauteile zu einem Schmuckkästchen und die kreative Gestaltung eines individuellen Designs bereitete den Teilnehmerinnen viel Vergnügen. Das Kästchen konnte als bleibende Erinnerung an den Girls’ Day 2016 auch mit nach Hause genommen werden.

Lisa Hieber vom Gymnasium Renningen war mit Feuereifer bei der Sache: „Ich finde es richtig cool, was uns hier sowohl im praktischen als auch im gestalterischen Bereich geboten wird. Ich wusste bis heute gar nicht, was Stuckateure alles machen.“ Lisas Schulfreundin Antonia Michelsen ergänzte: „Was Neues auszuprobieren und das handwerkliche Arbeiten macht Spaß. So ein Tag ist einfach anders, da kann man neue Sachen kennenlernen und darf das auch ziemlich selbstständig gestalten.“

Eltern mit ins Boot holen

Frank Schweizer, der Leiter der Lehrwerkstätten, freut sich über den Enthusiasmus der Teilnehmerinnen. „Viele junge Menschen stehen vor der großen Herausforderung, sich mit dem Thema Berufs- und Studienwahl auseinanderzusetzen. Um auch junge Mädchen mit handwerklicher Begabung beim Übergang von der Schule ins Erwerbsleben zu unterstützen, soll ihnen mit unserem Angebot den Stuckateur-Beruf als ein sehr vielseitiger Beruf überhaupt näher gebracht werden.“ Stephan Bacher leitet das Projekt Go2Bau. „Auch die Eltern sollen durch die Aktivitäten am Girls’ Day ermuntert werden, gemeinsam mit ihrer Tochter über einen technischen Beruf nachzudenken und ihr so zusätzliche berufliche Perspektiven, etwa im gestalterischen Bereich zu eröffnen“, sagt Bacher.

Für die Mädchen war es ein interessanter und gelungener Tag, an dem sie praxisnah einen vermeintlich typischen Männerberuf und seine gestalterischen Möglichkeiten kennenlernen konnten. Vielleicht war es auch eine gute Möglichkeit, über den Girls’ Day eventuelle Vorbehalte gegenüber einem technischen Beruf abzubauen.

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